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Plankenfels
Musikfestival

Klangtherapie: Festival mit Techno, Yoga und Blasmusik

Von Donnerstag bis Sonntag, 4. bis 7. August, findet zum 13. Mal das Klangtherapie-Festival statt - eine Parallelwelt mitten in der Fränkischen Schweiz.
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Drei Mitorganisatorinnen der "Klangtherapie" in der Festival-Werkstatt in Scherleithen (Plankenfels). Von links: "Yoga-Beauftragte" Simone Hämel, Saskia Ottis und Andrea Polewka.  Foto: Markus Klein
Drei Mitorganisatorinnen der "Klangtherapie" in der Festival-Werkstatt in Scherleithen (Plankenfels). Von links: "Yoga-Beauftragte" Simone Hämel, Saskia Ottis und Andrea Polewka. Foto: Markus Klein
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Andrea Polewka begrüßt mich mit einem Teller Kartoffelpuffer in der Hand und fragt: "Hast du auch Hunger?". Sie ist Künstlerin, Mitorganisatorin der "Klangtherapie" und Schwester des Veranstalters. Nach dem Essen und einer selbstgedrehten Zigarette führt sie mich ins obere Stockwerk vom Büro des Maschinenhandels Polewka in Scherleithen, einem Gemeindeteil von Plankenfels (Landkreis Bayreuth). Seit drei Wochen wird der Raum hauptsächlich für die Organisation des Klangtherapie-Festivals genutzt. Hier sitzt auch die Pressesprecherin Fabienne Nistler. "Chrille ist heute voll im Stress und hat nur kurz Zeit", sagt sie zur Begrüßung und meint den Veranstalter Christian "Chrille" Polewka. In wenigen Minuten erklärt er, wie er vor 13 Jahren auf die Idee kam, mitten in der Fränkischen Schweiz ein Techno-Festival zu organisieren.

Hippie-Leben in die fränkische Heimat bringen

Auf der spanischen Insel La Gomera nahe der westafrikanischen Küste habe er eine Zeit lang in einer Hippie-Kommune gelebt. "Der alternative Lebensstil hat mich einfach fasziniert. Die Menschen begegnen sich mit Liebe, achten aufeinander und haben eine gute Zeit zusammen", erzählt er. Musik und Tanz spielten dabei eine große Rolle. Ausgelassenes Feiern gelte als Ritual für ein anderes Leben mit dem Fokus auf dem Miteinander anstatt auf der Maximierung von Profit. Polewka wollte das auch in seine ländlich-fränkische Heimat integrieren. Das es die Form eines Techno-Festivals annehmen sollte, sei ihm auf der "Fusion" gekommen, einem etablierten Elektro-Festival in Mecklenburg-Vorpommern mit jährlich mehreren Zehntausend Besuchern.

Mit der Techno-Subkultur der 90er-Jahre sozialisiert, feierte er schon vor dem ersten Festival auf einem Acker in Scherleithen Privatparties und legte unter seinem DJ-Namen "Chrillux" auf. Im Jahr 2003 entstand daraus die erste Klangtherapie unter dem Motto "Die Freiheit sein zu können, wie wir sind". Etwa 300 Besucher kamen zum ersten Fest. "Wir hätten selbst nicht gedacht, dass es so schnell wächst. Es gab keinen Plan für die Zukunft." In den Folgejahren kamen im Schnitt jeweils 500 Besucher dazu. "Wir haben das auch aus Mangel an Optionen gemacht", sagt Andrea Polewka. "Die Leute waren froh, dass hier mal was geht."

"Irgendwann wurde es uns auch mal zu chaotisch", erzählt Pressesprecherin Nistler. Im Jahr 2011 drängelten sich 4.500 Besucher auf dem kleinen Acker in der Fränkischen Schweiz. Im Folgejahr fand kein Festival statt. "Dann haben wir beschlossen, die Tickets zu limitieren, damit es wieder familiärer wird." Seither werden jährlich nur 3000 Stück verkauft. Überhaupt ging es laut Nistler nie um Profit. "Wir wollen Subkultur und alternatives Leben. Deshalb haben wir auch keine Werbung, keine Sponsoren und keine Mainstream-Acts." Im Gegensatz zu den ersten Jahren schrieben die Veranstalter heute zwar keine negativen Zahlen mehr, "aber großen Reichtum wirft es auch nicht ab. Keiner von uns macht das hauptberuflich", so Nistler. Nur den zahlreichen freiwilligen Helfern sei es zu verdanken, dass es überhaupt funktioniere. Zum festen Team gehören 15 Leute, doppelt so viele helfen in den letzten drei Wochen vor dem Fest. Außerdem können Menschen mit kleinem Budget zum "Arbeitsamt": Im Austausch für acht Stunden Arbeit auf dem Festival bekommen sie ein Ticket.

"Uns geht es neben der Musik um Begegnung und Austausch", sagt Nistler. Das war aber nicht immer leicht. Gerade zu Beginn war die Begegnung der Techno-Freunde mit den Anwohnern eher von Misstrauen geprägt. "Die Klangtherapie war als Drogenexzess verschrien. Mittlerweile konnten wir die meisten aber vom Grundgedanken überzeugen", sagt Andrea Pelowka. Gaststätten und Supermärkte freuten sich über den Besucherandrang. Anwohner dürfen umsonst mitfeiern. "Die älteren Generationen aus dem Umland machen mittlerweile regelrechten Festival-Tourismus", erzählt Nistler. "Die kommen mittags auf den Acker und schauen sich mit großen Augen die Techno-Freaks an. Das ist unser Beitrag zur Völkerverständigung."

Mit breitem Angebot Menschen zusammen bringen

Die Wandlung in der Wahrnehmung der Anwohner liegt zum einen daran, dass die Organisatoren auf sie zugegangen sind und sie auf das Festival eingeladen haben. Andererseits aber auch daran, dass das Angebot immer breiter geworden ist. "Neben Techno-DJs aus ganz Deutschland und vor allem der Region spielt auch die Hollfelder Blaskapelle bei uns", erzählt Andrea Pelowka. "Die haben mir erzählt, sie hätten noch nie so viel positive Resonanz bekommen."

Wenn man sich das Programm ansieht, wird klar, dass es bei der Klangtherapie um mehr geht als um Rausch und Techno: Auch Live-Bands und Liedermacher, Rock- und Rap-DJs spielen auf den Bühnen. Außerdem werden Yoga und Informationsveranstaltungen etwa zu Nachhaltigkeit und Gemeinwohlökonomie angeboten. Eine "fränkische Kräuterhexe" führt durch die Gegend um das Festival-Gelände, ein Imker bietet einen Workshop an und Besucher können sich an der liebevollen Dekoration erfreuen, die außerdem noch umweltfreundlich aus dem Müll der Vorjahre besteht. Für Familien gibt es einen eigenen Campingplatz, der weiter vom Lärm der Bühnen entfernt liegt.

"Gerade in der heutigen Zeit, in der sich die Menschen stark spalten, wollen wir zu einem bewussteren Leben bewegen und einen Ort schaffen, an dem man sich auf das Miteinander und Nachhaltigkeit besinnt und an dem Herkunft, sexuelle Identität, Religion, Alter und Hautfarbe keine Rollen spielen. Wir sind eben alle Idealisten", sagt Mitorganisatorin Saskia Ottis, die gerade ins Büro kommt und frischen Kaffee verteilt.

Auf dem Weg in die Festival-Werkstatt für das Foto treffen wir Simone Hämel mit noch nassen Haaren vom Duschen. Sie bietet den Yoga-Workshop an und veranstaltet seit einem Jahr im Juni das "Spirit of Nature" Yoga-Festival auf dem selben Gelände. "Wir wollen nach und nach ein breiteres kulturelles Angebot für die Region etablieren", sagt sie. Auch Konzerte und Theatervorstellungen seien vorstellbar. "Wenn man auf dem Land Kultur will und dass was los ist, muss man es eben selber machen", fasst es Andrea Pelowka zusammen.


Hier geht es zur Veranstaltungsseite mit Infos zu Bands und Anfahrt

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