Vor 14 Jahren hat der gelernte Koch Thomas Schuppe-Nemetz zusammen mit seinem Freund Andreas Wohlrab die Kneipe "Rosa Rosa" in der Von-Römer-Straße übernommen - und damit ein Bayreuther Kulturgut: Seit 35 Jahren hält das "Rosa" dem ständigen Wandel in der Kneipenszene stand.

Warum kann sich das "Rosa Rosa" seit Urzeiten in der Bayreuther Innenstadt halten, während drum herum in der Von-Römer-Straße und der Sophienstraße Kneipen und Clubs kommen gehen?

Das liegt an der Kontinuität, denke ich. Es ist eine Kneipe mit recht einfacher Kultur: Jeder kann sich hier treffen, ein Wohnzimmer für alle Bayreuther. Wir unterliegen keinem Modetrend, sondern bleiben eine urige Kneipe. Das Angebot war im Rosa auch schon immer eine gute Qualität zu einem vernünftigen Preis. Das hat Schüler und Studenten, aber auch alle anderen Bayreuther angezogen und sich über die Jahre auch bewährt. Wir wollen das Rad nicht neu erfinden. Eigentlich machen wir hier einfach nur Gastronomie.


Wie groß ist das "Rosa-Team"?

Zwei Chefs, zwei Küchenhilfen, so sechs bis acht Leute im Service... Ein kleines, handverlesenes aber schlagkräftiges Team. Wir haben auch wenig Fluktuation und verlängern fast immer die Verträge. Das macht das "Rosa" glaube ich auch a weng mit aus, dass man mit der Zeit die Leute kennt.


Es läuft mal Rock, mal Reggae, mal Independent, mal Rapinstrumentals. Wer macht die breite Musikauswahl?

Jeder, der hier arbeitet, bringt mal eine Playlist mit. So läuft mal dies, mal das. Das war aber auch vor unserer Zeit schon so, dass hier viele unterschiedliche Musikrichtungen gespielt wurden; je nachdem, wer gerade gearbeitet hat. So entsteht da kein Einheitsbrei-Gedudel.


Wie kam es dazu, dass du das Rosa vor 14 Jahre übernommen hast?

Wie die Jungfrau zum Kind halt (lacht). Nee, ich habe Koch gelernt und zusammen mit meinem Kompagnon wollte ich schon immer was aufmachen in Bayreuth. Und damals hat noch die Freundin von meinem Bruder - die leider verstorben ist - hier gearbeitet. Der vorvorletzte Pächter hatte das Rosa 17 Jahre lang, dann hat es einer aus seinem Team übernommen, das ging aber nur eineinhalb Jahre; und dann kam es zum ersten Mal in Schräglage und musste kurz schließen. Dann haben alle gesagt "Mensch, das Rosa! Einer muss es machen." Am Anfang wusste ich nicht, ob ich da so Bock drauf hab, mich mit der Brauerei auseinander zusetzen. Aber dann hab ich mich zum Sondierungsgespräch aufgerafft und plötzlich ging es Schlag auf Schlag. Musste ja auch schnell gehen. Wenn so eine Kneipe zu lange zu ist, suchen sich die Leute neue Nester. Also haben Andreas und ich ruck-zuck in zwei Tagen die Entscheidung gefällt und hier ausgemistet, so ein bisschen Tabula-Rasa gemacht. Das ging sehr schnell: Eineinhalb Wochen, nachdem es geschlossen war, haben wir schon wieder aufgemacht. Und seitdem haben wir eigentlich durchgehend geöffnet. Wir haben nie Betriebsurlaub und 364 Tage im Jahr geöffnet (nur nicht an Neujahr).


Was hat dein Kollege gelernt? Ist der auch Koch?

Nein, der ist der klassische Seiteneinsteiger, hat Soziologie und Politik studiert. Nebenbei hat er im Service in der Gastronomie gearbeitet, auch mal mit mir zusammen.


Und die Zusammenarbeit und Rollenverteilung klappt gut?

Klar reibt man sich am Anfang mal ein bisschen aneinander, das gehört dazu. Aber nach einer Weile hat man solche Ebenen überwunden und dann funktioniert das reibungslos. Alles easy. Wichtig ist es, die Frauen rauszuhalten (lacht). Sonst läuft das aus dem Ruder. Es reicht schon, wenn zwei Leute sich immer einigen müssen. Wir sind ja beide verheiratet und haben Kinder.


Geht Familie und Gastbetrieb zusammen?

Scho. Wenn ich Küche mache, gehe ich meistens um halb eins Heim. Klar muss man Abstriche machen; ich mach mein Leben lang schon Gastronomie, da ist das halt so. Die Familie hat sich da auch dran gewöhnt. Man muss schon aufpassen, dass man hier nicht allzu viel abhängt. Auf der anderen Seite hat man tagsüber oft Zeit, mal was mit den Kindern zu machen. Es ist gut, dass wir zu zweit sind. Da hat man als Selbständiger auch die Möglichkeit, spontan mal was zu schieben. Das haben Angestellte ja nicht.


Weißt du eigentlich, warum die Kneipe Rosa Rosa heißt?

Nee, ehrlichgesagt nicht. Das haben damals die beiden Damen, die Eva und die Hanne vom "Kramladen" drüben damals so genannt.

Eine Anruf bei Hannelore Winzenbach vom "Kramladen" in der Von-Römer-Straße lüftet das Geheimnis. Oder besser die drei Geheimnisse "Ich habe das damals zusammen mit der Eva Türk aufgemacht", sagt Winzenbach. "Deren Tante Rosa ist kurz zuvor verstorben. 'Tante Rosa' klang uns aber zu verstaubt. Also haben wir uns gedacht, sollen Andere auch was davon haben: Die Kommunisten, mit der Rosa Luxemburg, und die Schwulen ,mit Rosa von Braunheim (bürgerlich Holger Bernhard Bruno Mischwitzky. Mit seinem Dokumentarfilm von 1971 "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" wurde er zum öffentliche Wegbereiter und einer der Mitbegründer der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland). Im Grunde genommen hätten wir die Kneipe also "Rosa Rosa Rosa" nennen müssen. Das hätte aber blöd ausgesehen auf dem Schild (lacht).

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Was hat sich geändert, seit du das Rosa übernommen hast?

Vor zwei Jahren haben wir nebenan die Garage als Gastraum ausgebaut. Immer wieder sind Leute rein und gleich wieder raus gegangen, weil kein Platz mehr frei war. Da haben wir uns gedacht, einen Nebenraum können wir gut gebrauchen. Ansonsten eher schleichende Veränderung. Wenn Leute, die Bayreuth verlassen haben, wieder kommen, sagen sie oft: "Mensch, das Rosa sieht ja noch aus wie vor zehn Jahren". Dabei machen wir ständig irgendwas. Zum Beispiel haben wir noch den Gastraum gefliest, die Küche erweitert... Aber wir wollen den Charme und den Charakter behalten. Wenn man hier zum Beispiel anders streichen würde, hätte man den Laden seiner Seele beraubt - das kannst du nicht bringen! Deshalb alles mit Augenmaß.


Hat sich am Publikum was verändert?

Klar. Viele Ältere kommen nur noch sporadisch, dafür hast du dann hier schon deren Kinder sitzen (lacht). Und manche Mitte 20 waren schon als Schüler hier und sind seit Jahren Stammkunden. Studenten kommen jetzt auch bald wieder neue. Jedes Jahr dasselbe: Wenn die in Bayreuth angekommen sind, sich aklimatisiert haben und das Nikolaus-Haus leergesoffen ist, dann verteilen die sich auch wieder auf die Kneipen. Jetzt ist grad wieder:Winterdorf, Event, jipii. Aber die kommen dann schon (lacht).


Merkst du auch andere Veränderungen in der Bayreuther Kneipenszene im "Rosa"?

Manchmal an den Gästen. Als der Heimathafen aufgemacht hat, kamen die Studis an die Theke zum Bestellen, weil das dort so gemacht wird. Da muss ich halt sagen "Du kannst dich hinsetzen. Wir haben ein Tresentaxi, wir liefern auch aus." (lacht) Das meiste merken wir aber nicht. Wäre der Laden drei mal so groß, würde sich das vielleicht anders auswirken - aber wenn er voll ist, ist er halt voll. (Das Rosa hat 45 Plätze im Hauptraum, 20 im Nebenraum, und draußen nochmal 45).


Gab es Momente, wo du am liebsten Hingeschmissen hättest?

Nein. Klar gibt's schlimme Sachen. Jeder der schon mal eine Steuerprüfung gehabt hatte, weiß was los ist. Da vergehts' dir schon mal. Aber man lernt auch was draus. Bereut hab ich's nie.

Und du machst weiter bis zur Rente?

Klar, arbeiten muss man ja was. So lange es funktioniert und man dafür brennt, ist es ein toller Beruf. Der Erfolg gibt uns denke ich auch Recht. Es ist aber jetzt auch nicht so, dass man hier Millionen verdient. Die goldenen Zeiten in der Gastronomie sind schon lange vorbei. Es ist ein anstrengender Job, man braucht eine gewisse Leidensfähigkeit. Aber ich liebe das Kochen. Beruf kommt ja von Berufung. Und wenn es den Leuten geschmeckt hat und sie wieder kommen, erfüllt mich das.