Bayreuth
Gesundheit

Das Korsett fürs Skelett - warum Sport wie eine Wunderpille für den ganzen Körper ist

Muskulatur schützt und stützt die Wirbelsäule und hilft bei Verspannungen. Überhaupt ist Bewegung eine Art Wundermittel gegen Zivilisationskrankheiten.
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Herz-Kreislauf-Probleme, Tumorrisiko, Gedächtnisleistung, Stress, Schlafstörungen und Niedergeschlagenheit genau wie Diabetes, Osteoporose, Bandscheibenvorfälle, Knie-, Hüft-, Rücken-, Nackenschmerzen oder sonstige Probleme mit dem Stütz- und Bewegungsapparat - körperliche Aktivität lindert viele Beschwerden und beugt unzähligen Krankheiten vor. Die Muskulatur legt sich wie ein Korsett, wie ein Schutzmantel um Knochen und Gelenke.
Aber Bewegung kann viel mehr. Sie ist ist wie eine Wunderpille, wie ein Medikament, das an vielen Stellen gleichzeitig wirkt: Das Herz pumpt schneller, die Körpertemperatur steigt, das Lungenvolumen wird trainiert, Botenstoffe ausgeschüttet, Muskulatur, Herz und Hirn werden besser durchblutet. Neue Zellen wachsen, krankes Gewebe heilt. Das funktioniert bis ins hohe Alter hinein.


Studie der Uni Bayreuth

Susanne Tittlbach hat die Auswirkungen von Sport auf die Gesundheit im mittleren bis späten Erwachsenenalter untersucht. Die Professorin für Sozial- und Gesundheitswissenschaften des Sports an der Uni Bayreuth begleitete über mehr als 20 Jahre hinweg Sportler, Sport-Einsteiger und Nicht-Sportler. Am Anfang waren die Studienteilnehmer zwischen 35 und 55 Jahre alt. "Diejenigen, die mindestens eine Stunde pro Woche sportlich aktiv waren, wiesen immer einen höheren Status an Gesundheit und Fitness auf", erklärt sie. Bestimmt wurde dies mit Leistungstests, Befragungen und standardisierten ärztlichen Untersuchungen.
Bei allen Teilnehmern nahmen die entscheidenden Faktoren Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit im Lauf der Jahre ab - das ist normal und lässt sich nicht verhindern. "Aber Sportler haben grundsätzlich bessere Werte als Nichtsportler." Selbst bei denjenigen, die erst in einem Alter ab Mitte 40 mit Sport anfingen, wurde eine Verbesserung verzeichnet. Das Wundermittel Bewegung wirkt in jedem Alter.


Männer tun sich schwerer

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass Frauen in der Lebensmitte beginnen, verstärkt gesundheitssportliche Angebote wahrzunehmen. Männer scheinen eher Probleme zu haben, sich neu zu orientieren, wenn sie die Ball- und Wettkampfsportarten aus jungen Jahren nicht mehr ausüben können. "Das ist unter Public-Health-Aspekten Grund zu erheblicher Sorge", erklärt Tittlbach. Auch aus anderen Studien sei bekannt, dass Männer die Bevölkerungsgruppe mit schlechterem Gesundheitszustand und riskanterem Gesundheitsverhalten bilden.


Regelmäßig und systematisch muss es sein

Damit sich sportliche Aktivität positiv auf die Gesundheit auswirkt, ist erforderlich, dass sie regelmäßig und systematisch ausgeführt wird - ein Leben lang. Das funktioniert nur, wenn die persönlichen Interessen berücksichtigt werden. Aber die können sich ändern: Tittlbach kommt eigentlich aus der Leichtathletik, hat früher Volleyball gespielt. Heute läuft sie ganz viel - meist mit einer Freundin durch den Wald, aber auch auf Volksläufen. Welche Sportart für den Einzelnen ideal ist, hängt vom Lebensabschnitt und vom Gesundheitszustand ab. "Ein Fußballer trainiert sein Herz-Kreislauf-System sehr gut, hat aber auch ein vergleichsweise hohes Risiko für Sprunggelenksverletzungen." Grundsätzlich unproblematisch sind sanfte Ausdauersportarten wie Walken, Schwimmen, Radfahren und Joggen. "Vorausgesetzt man ist gesund und hat ausreichend Muskulatur. Wenn man übergewichtig ist und erst mit dem Sport beginnt, sollte man eher walken."


Untätigkeit macht krank

Wer nicht gesund ist, sollte mit seinem Arzt Rücksprache halten, aber nicht auf Sport verzichten. Früher wurde bei Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Rücken- und Gelenkbeschwerden Schonung empfohlen - genau das Falsche. Beispielsweise sollten bei Rückenbeschwerden zwar schnelle, wiederholte Überstreckungen der Wirbelsäule und Drehbewegungen des Rumpfes wie beim Tennis, Eishockey oder Golf vermieden werden, aber grundsätzlich hilft Bewegung. Denn dass Rückenbeschwerden so viele Menschen plagen, liegt vor allem an Bewegungsmangel, daran, dass wir zu viel sitzen. Im Schnitt sieben Stunden täglich - einer repräsentativen Umfrage des Meinungsinstituts Forsa zufolge kommen zwei Drittel der Bevölkerung nicht einmal auf eine Stunde Bewegung am Tag - jeden Gang zu Kopierer und Kaffeemaschine eingerechnet.
Sport ist für die Gesundheit in westlichen Industrienationen so wichtig, weil die meisten Menschen zivilisationsgeschädigt sind. Herz, Muskeln, Bänder, Sehnen, Bandscheiben, Knochen und Gelenke müssen gefordert werden, damit ihre Funktionalität nicht verkümmert. Dauernde körperliche Untätigkeit führt zwangsläufig zu Beschwerden. Wer das im Blick behält, schafft es leichter, bis ins hohe Alter körperlich, geistig und sozial aktiv zu bleiben - und selbstständig zu leben.























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