Bayreuth
Richard Wagner

Bayreuther Festspiele: Machtkampf hinter den Kulissen

Der Einfluss der Stadt Bayreuth auf die Festspiele soll deutlich beschnitten werden. Noch ist die neue Satzung der Bayreuther Festspiele GmbH aber nicht unterschrieben.
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Das Festspielhaus in Bayreuth  Foto: Daniel Karmann/dpa/Archiv
Das Festspielhaus in Bayreuth Foto: Daniel Karmann/dpa/Archiv
Götterdämmerung in Bayreuth: Der Einfluss der Stadt auf die Festspiele soll deutlich beschnitten werden. Das sieht nach Informationen des "Nordbayerischen Kuriers" eine geplante Satzungsänderung der Bayreuther Festspiele GmbH vor. Danach sollten die Festspiele praktisch zum reinen Staatsbetrieb werden. Zudem sei geplant, die Richard-Wagner-Stiftung bei Entscheidungen zur Festspielleitung auszubooten. Kunstreferent Toni Schmid aus dem bayerischen Kultus- und Kunstministerium, der auch Chef des Verwaltungsrats der Festspiele ist, bestätigte lediglich, dass Satzungsänderungen geplant seien. Zu deren Inhalt wollte er sich am Samstag nicht äußern, da über die neue Satzung sowie den neuen Mietvertrag des Festspielhauses erst in einer Sitzung Anfang November entschieden werde.

Sollte die neue Satzung verabschiedet werden, dürfte die Vertragsverlängerung von Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier als Festspielleiterinnen nur noch als Formsache gelten, heißt es weiter in dem Bericht des Blattes. Die neue Satzung sehe vor, dass die Festspielleitung auf Vorschlag des Verwaltungsrates durch die Gesellschafterversammlung berufen und gegebenenfalls auch abberufen werde. Bei der Entscheidung über die Leitung solle künftig aber eine Dreiviertelmehrheit der Gesellschafter der Festspiele GmbH ausreichen. Demnach könnten Bund, Freistaat und der Mäzenatenverein Gesellschaft der Freunde von Bayreuth die Stadt in dieser zentralen Frage überstimmen.

Entfallen soll auch das Mitspracherecht der Richard-Wagner-Stiftung bei der Ernennung einer neuen Festspielleitung. Bisher hieß es in der GmbH-Satzung: "Die Gesellschaft darf nur solche Personen als Geschäftsführer bestellen, die gemäß der Richard-Wagner-Stiftungssatzung die Festspiele leiten dürfen." In der neuen GmbH-Satzung fehle dieser Paragraf, heißt es weiter in dem Bericht. In der Stiftung sind neben Bund, Freistaat und der Gesellschaft der Freunde auch Vertreter der Familie Wagner, des Bezirks Oberfranken und die Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe - von der freien Wählervereinigung "Bayreuther Gemeinschaft" - als Geschäftsführerin stimmberechtigt.

Hintergrund für die geplante Entmachtung der Stadt Bayreuth sei neben dem angeblich angespannten Verhältnis von Merk-Erbe zu Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier auch, dass die Stadt nur einen Bruchteil der Sanierungskosten des Festspielhauses übernehme. Wie das Blatt weiter berichtet, hatte die Oberbürgermeisterin zudem Zweifel am neuen Mietvertrag für das Festspielhaus angemeldet und im Verwaltungsrat gegen die Verabschiedung des Vertrags gestimmt.

"Die Gesellschafter stecken viel Geld in das Festspielhaus, Steuergelder", sagte Schmid der dpa. "Bei Änderungen in der Satzung geht es darum, dass die Geldgeber dann auch Garantien haben müssen, dass sie das Festspielhaus noch in zehn, zwanzig Jahren nutzen können. Als Geldgeber brauchen wir Sicherheiten auf Mitbestimmung, was geschehen wird. Darum geht es in den Gesprächen." Die millionenschwere Sanierung des Bayreuther Festspielhauses dürfte bis 2021 andauern.

Mietvertrag nicht unterschrieben

Für die Sitzung der Gesellschafter im November steht auch die Unterzeichnung des neuen Mietvertrages für das Festspielhaus auf dem Programm. "Der Mietvertrag steht, die Unterschrift fehlt noch", sagte Schmid. Nach Informationen des "Nordbayerischen Kuriers" in Bayreuth einigten sich Stiftung und GmbH bereits im Juli dieses Jahres darauf, dass im neuen Vertrag das Festspielhaus bis 2040 unkündbar an die Festspiele GmbH vermietet werden soll. dpa
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