Bayreuth
Gedenktag

Bayreuther Bündnis gedenkt Holocaust-Opfern

Am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) ist auch in Bayreuth ein Kranz für die Opfer des NS-Regimes niedergelegt worden. Am Ort des KZ-Außenlagers Flossenbürg.
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Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes legen am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) einen Blumenkranz nieder. Am Gedenkstein für die Häftlinge im Bayreuther Außenlager von Flossenbürg. Foto: Markus Klein
Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes legen am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) einen Blumenkranz nieder. Am Gedenkstein für die Häftlinge im Bayreuther Außenlager von Flossenbürg. Foto: Markus Klein
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Windig und laut ist es an der Kreuzung am Bayreuther Nordring. Zwölf Menschen stehen im Kreis um einen Stein, die Köpfe gesenkt. Zwischen all den Verkehrsschildern und Fahnen der großen Kaufhäuser fällt der Stein kaum auf.

"Zum Gedenken. Den Häftlingen im Außenlager Bayreuth des KZ Flossenbürg. Juni 1944 - April 1945" steht darauf.

Ungefähr da, wo heute der "Media-Markt" steht, wurde zum Kriegsende eine ehemalige Färberei zum Häftlingslager umfunktioniert. Vor allem aber sei es eine Forschungsanstalt für Rüstung gewesen, erzählt der Bayreuther Historiker und Stadtratsabgeordnete der Grünen, Norbert Aas. "Kurz vor Kriegsende sollte die 'Wunderwaffe' der Wehrmacht, die V2-Rakete, noch verbessert werden." Das "V" steht für "Vergeltungswaffe", eine Wortschöpfung Joseph Goebbels.

Um die Präzision der Rakete zu verbessern, wurden aus den Konzentrationslagern Flossenbürg und Buchenwald die Physik-Spezialisten unter den Häftlingen nach Bayreuth gebracht. "Die waren aber körperlich und geistig zu ausgelaugt. Zudem fehlte es an allem, von der Essensversorgung bis zu den Materialien. So wurde hier nicht viel erreicht", erzählt Aas.

Auch Richard Wagners Enkel, Wieland Wagner, sei dort beschäftigt gewesen, sagt der Historiker. "Was er dort gemacht hat, ist nicht bekannt." Man könne aber davon ausgehen, dass in Bayreuth keine systematische Tötung von Häftlingen stattgefunden habe. "Zumindest ist nichts davon bekannt", schiebt Aas hinterher.

Die "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Bayreuth" (VVN-BDA) hat die Kranzniederlegung organisiert, zum dritten Mal. Seit der Gründung des Vereins vor drei Jahren haben sie die Aufgabe jedes Jahr übernommen. Der Vorstand für Bayreuth, Leo Rauh, konnte heuer allerdings selbst nicht kommen, weil er im Krankenhaus liegt. Deshalb übernahm Bündnismitglied Philipp Seifert das Reden vor der Niederlegung. Seifert sagte, er könne nicht die Rede von Rauh vorlesen, und las deshalb stattdessen aus einem Geschichtsbuch von der Befreiung der Konzentrationslager, von der Befreiung aus den menschenverachtendsten Abgründen, bevor ein Bündniskollege den Kranz niederlegte.

Anwesend waren zwölf Menschen, davon größtenteils Mitglieder des Bayreuther VVN-BDA. Arno Pfaffenberger vom Bündnis "KUnterBunT" kam aus Kulmbach zur Gedenkfeier. Den Stein hätte er beinahe nicht gefunden. "Die Stadt sollte ein Schild aufstellen", sagt er.
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