Eine riesige Kuckucksuhr. Deutschlands höchster Wasserfall. Und Karten spielen mit Olli, der nicht will, dass sie abends nur vor dem Fernseher sitzen. Katrin Schöffel weiß genau, was sie im Schwarzwald neben der sportlichen Herausforderung, dem Bundesfinale von "Jugend trainiert für Olympia", erwartet. Die Zwölfjährige besucht das Gymnasium Münchberg (Kreis Hof), das im Juli 2010 zusammen mit der Realschule Gefrees (Kreis Bayreuth) ein "Partnerzentrum des Wintersports" geworden ist.
In solchen Zentren sollen Schulen und Vereine kooperieren, die Anforderungen von Unterricht und Leistungssport besser unter einen Hut gebracht werden. So gibt es zum Beispiel für Wettkämpfe leichter eine Unterrichtsbefreiung. Münchberg schien dafür prädestiniert, immer wieder konnte das kleine Gymnasium bayernweite Erfolge im Schwimmen, Judo und Ski-Langlauf feiern.

Guter Schnee zum Landesentscheid


Einer der Gründe ist in der Person eines sportbegeisterten Mathe- und Physiklehrers zu suchen: Oliver Gloeck, den alle Olli nennen. Neulich hielt ihn die Polizei für einen Einbrecher, als er nachts um halb zwei aus dem Schulgebäude kam. "Ach, nur der Olli", gab dann eine Beamtin Entwarnung, deren Tochter auch von Gloeck unterrichtet wird. "Manchmal muss ich eben etwas länger machen", sagt der 38-jährige Lehrer. An jenem Abend hatte er die letzten Vorbereitungen für das Landesfinale "Jugend trainiert für Olympia" in Nesselwang zu treffen, neben Zeugnisstress und den üblichen Unterrichtsvorbereitungen.
"In Nesselwang war es super", sagt Katrin. Die Berge und Wiesen im Ostallgäu haben der Sechs tklässerin gefallen - und dann war noch ideales Langlaufwetter: "Sonnenschein und guter Schnee, wie es sein soll." In der Mannschaftswertung mussten sich die Münchberger Mädchen nur den Oberstdorfern geschlagen geben. Sie sind damit für das Bundesfinale in Schonach im Schwarzwald qualifiziert. Bereits am kommenden Dienstag beginnen die Wettkämpfe. Gloeck sorgt dafür, dass die Hausaufgaben zugefaxt werden, die Schüler während der Fahrt lernen und, wo nötig, auch mal eine Klausur verschoben wird. Katrin schraubt ihre Erwartungen für das Bundesfinale nicht allzu hoch, aber "es ist natürlich immer schön, wenn man vorne dabei ist".

Auch für Musik bleibt noch Zeit


Seit ihrem dritten Lebensjahr steht sie auf Skiern, trainiert drei- bis viermal wöchentlich bei ihrem Heimatverein, dem Ski-Club Gefrees. "Wir haben eine Loipe vor unserem Haus, da kommt man ganz selbstverständlich dazu." Wenn kein Schnee liegt, macht sie Leichtathletik, fährt Inliner oder Skiroller. Bleibt da noch Zeit für die Schule? Hat sie gute Noten? "Es geht", sagt Katrin. "Es geht sehr gut", sagt Gloeck. Katrin Schöffel hat einen Notendurchschnitt von 1,0.
Auch Philipp Jahn und Konstantin Hofmann sind zufrieden mit der vergangenen Woche. Die Elfjährigen brachten gute Zeugnisse und einen dritten Platz im Mannschaftswettbewerb von "Jugend trainiert für Olympia" nach Hause. Philipp spielt montags nach der Schule noch Gitarre, trainiert bis zu vier Mal wöchentlich - für Computerspiele bleibt da keine Zeit. "Das fehlt mir aber gar nicht", sagt der junge Münchberger, der die Tage in Nesselwang "schön und lustig" fand. In Sport hatte er schon immer eine Eins - nur einmal hat sich ein Lehrer in der Namensliste vertan, der überraschende Dreier wurde schnell korrigiert. Wenn sie Unterricht verpasst haben, helfen sich die Nachwuchssportler untereinander aus. Da bringt der eine Hefteinträge, der andere erzählt, was durchgenommen wurde. Konstantin trainiert fast täglich - einer der Übungsleiter ist sein Vater, von dem er die Langlauf-Leidenschaft hat. "Wir haben hier wirklich große Talente, aber nur durch den Einsatz der beteiligten Vereine sind solche Erfolge möglich", sagt Gloeck. Die Jugendarbeit der erfahrenen Vereinstrainer Stephan Popp (Gefrees) und Heinz Flade (Münchberg) macht sich für die Schulen bezahlt.
In Zeiten des G8 ist es für Schüler nicht gerade leichter geworden, Leistungssport zu betreiben. "Die Koordination wird schwieriger, aber wir kriegen das schon auf die Reihe", gibt sich Gloeck optimistisch. Es sei wichtig, dass die Kinder den Spaß am Sport behielten. Gerade "Jugend trainiert für Olympia" sei für die Schüler etwas Besonderes. Und was es im Schwarzwald neben den Loipen noch alles zu sehen gibt, hat er Katrin und ihren Mitstreiterinnen längst erzählt.