Bamberg
Bühne frei

Zwischen Schwer- und Übermut

Auf den "Dostojevskij Trip" begibt sich in den kommenden Wochen das ArtEast Theater. So verschieden die Ensemble-Mitglieder sind, eint alle die Liebe zur slavischen Kultur und der Wunsch nach unmittelbarem Publikumskontakt.
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Im Sommer 2019 bot das ArtEast Theater Bamberg "Nachtasyl" nach Maxim Gorki Foto: Peter Matis
Im Sommer 2019 bot das ArtEast Theater Bamberg "Nachtasyl" nach Maxim Gorki Foto: Peter Matis

Das ArtEast Theater Bamberg gibt es noch keine zehn Jahre und doch ist es bereits zu einer festen Größe in der Theaterlandschaft geworden - mit an die 1000 Besuchern im vergangenen Jahr. Im Interview berichten Christine Renker, Eugeniya Ershova und Katerina Shekutkovska für den Vorstand des ArtEast Theaters über das aktuelle Spielzeitmotto "Dystopia" und den Traum von einem gemeinsamen Raum für freie Kunst.

Was ist das Besondere an Ihrem Ensemble?

Alles, was uns zusammengeführt hat: die slavische Kultur und das gewisse Timbre der Literatur, vielleicht der Schwermut und gleichzeitiger Übermut der Kulturen, die doch organisierte aber gleichzeitig kreativ-chaotische Arbeitsweise.

Wie ist Ihre Leidenschaft für die darstellenden Künste entstanden?

Das ist zwar bei jedem Ensemblemitglied wahrscheinlich unterschiedlich, gemeinsam haben wir, dass die Ausdrucksweise ein Medium ist, mit dem man verbalisieren kann, was man sonst mit niemandem besprechen kann. Das müssen nicht immer Weltverbesserergedanken sein, sondern können auch ästhetische Grenzübertritte, literarische U- oder Dystopien, die Vermittlung von Bildern, wie die Welt noch wahrgenommen werden kann, sein und dabei eben der recht direkte und unmittelbare Kontakt zum Publikum.

Was sind Ihre aktuellen/anstehenden Projekte?

Unter unserem aktuellen Spielzeitmotto "Dystopia" steht im Januar "Dostojevskij-Trip" von Vladimir Sorokin auf dem Plan, inszeniert von Eugeniya Ershova und Christine Renker im CON Bamberg. Anschließend widmen wir uns im Frühjahr 2020 dem Zwillingsstück vom selben Autor, "Krautsuppe, tiefgefroren", inszeniert von Kristina Kroll. Im Sommer werden wir "G" nach Andrej Salomatov in einer Stückversion von Iuliia Senkovska sehen.

Dazwischen verbringen wir unsere Zeit noch mit der Reihe "SalonVinaigrette", einem Kulturabend, der sich bereits in der Vergangenheit mit verschiedenen Themen unter anderem der Unterhaltungskultur der Slaven (p.o.p. - primitiv oder pathetisch?) oder der Vielfalt der Bamberger Theaterlandschaft (Wer spielt denn heute?) beschäftigt hat. Zusätzlich organisieren wir noch eine Lesung zur Spielzeiteröffnung, bei der wir einen Abend mit Texten zum aktuellen Spielzeitmotto "Dystopia" verbringen oder....

Welchen Bühnenmoment werden Sie nicht so schnell vergessen?

Als der Meister und Margarita nicht gestorben sind, weil Voland vergessen hat, ihnen den vergifteten Wein anzubieten, als ein vier Kilo schwerer Brotlaib unseren Schauspieler fast erschlagen hätte, als ein betrunkener Schauspieler kurz vor knapp zum Stück mit den Worten "ich bin ein wahrer Künstler" ankam und danach erstmal aufs Klo musste, die Kissenschlacht bei der Lastergrube, das Pfeifen des Teekessels im Dunkeln nach dem Selbstmord von Stawrogin bei den Dämonen, es gibt unzählige davon, jeder hat da wahrscheinlich seinen eigenen besten "Bühnenmoment".

Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?

In einem gemeinsamen Raum, wo man mit anderen Kulturschaffenden etwas auf die Beine stellen kann, zusammen spielen kann, einem Raum für die freie Kunst, wo man in Austausch mit den anderen Gruppen und Künstler_innen treten kann.

Unser Ziel ist es, dass die Theater- und Kunstszene für alle Menschen zugänglich ist, unabhängig vom sozialen und bildungsbiographischen Hintergrund.

Eigentlich wollen wir auch ins Ausland mit der ganzen Truppe, Sack und Pack mit einem Mietbus auf dem Weg in den Osten, um dort zu spielen. - Back to the roots und so...

Die Fragen stellte Stefan Fößel. Termine: Dostojevskij Trip: 23./24./25./30./31. Januar, 1. Februar, CON Bamberg (Jäckstraße 35); VVK: Collibri

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