Bamberg
Gesundheit

Zwischen Hysterie und Hygiene

Nach Ekelfotos aus dem Bamberger Klinikum ist im Netz eine Welle der Entrüstung über das Krankenhaus geschwappt. Das Gesundheitsamt bestätigt Hygieneverstöße, allerdings keine akute Gefährdung. Die Klinik gelobt Besserung.
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Rot verkrustete Flecken am Essenswagen, tote Fliegen auf dem Fensterbrett, Dreck am Handtuchspender: Eine Patientin am Klinikum Bamberg hat bei ihrem Aufenthalt in der Urologie einige Ekelfotos gemacht. "Ich bin privat ein ziemlich reinlicher Mensch und habe mich geekelt", erzählt die Bambergerin am Telefon. Die 28 Fotos hat sie dann in den sozialen Medien geteilt. Eigentlich nur mit ihren Freunden, wie sie berichtet. Dann jedoch sei sie gebeten worden, die Bilder öffentlich einsehbar zu machen. Das tat sie. So landeten die Fotos in einer mitgliederstarken Bamberger Facebook-Gruppe - und ein Sturm der Entrüstung brach über die Klinik herein.

Sofort Kontrolle eingeleitet

Die Sozialstiftung als Trägerin des Krankenhauses hat reagiert. "Wir bedanken uns für die Informationen und gehen den wertvollen Hinweisen bereits nach", schrieb die Pressestelle auf der eigenen Facebook-Seite. "Das Thema Sauberkeit ist für uns sehr wichtig. Deshalb arbeiten wir unter fortlaufender Kontrolle mit dem Gesundheitsamt Bamberg zusammen."

Das Gesundheitsamt hat nach eigenen Angaben sofort eine Überprüfung eingeleitet, nachdem die Bambergerin in der Behörde die Mängel beanstandet hatte. "Wir haben die Örtlichkeit besichtigt und die gleichen Fliegen vorgefunden, wie auf den Fotos zu sehen", berichtet Heinz J. Wagner, Leiter des Bamberger Gesundheitsamtes. Fazit seiner fachlichen Begutachtung: "Es sind Hygienemängel da, die beanstandet wurden." Die Gefährdung für den Patienten schätzt er aber nicht als hoch ein. In den Stationsräumen haben die Kontrolleure Verschmutzungen erkannt, die beanstandet wurden. Die Hygienemängel hätten sich aber hauptsächlich am Boden abgespielt, was nicht unmittelbar gefährlich sei für den Patienten, weil er nicht direkt in Kontakt damit komme, sagt Wagner. Ausnahme bilde ein verschmutzter Handtuchhalter: "So etwas geht gar nicht." Aus Sicht des Mediziners erklärt Wagner jedoch: "Gefährlicher als die sichtbaren Verunreinigungen sind die unsichtbaren, die Keime." Und nicht alles, was auf den Fotos dreckig aussehe, sei es auch. Unappetitliche Schlieren auf Metallgriffen hätten sich bei der Überprüfung vor Ort als Reste von Desinfektionsmitteln entpuppt.

Zusammenfassend meint Wagner: Die Hygienemängel könnten nicht toleriert werden. "Wir haben aber beim Besuch im Klinikum gesehen, dass das Thema sehr ernst genommen wird." Die Kontrolleure seien gleich von einem 20-köpfigen Gremium aus Klinikleitung, Pflegedienstleitung und Hygieneabteilung empfangen worden.

Aus seiner Erfahrung in der ganzen Region berichtet Wagner: Im Vergleich schneide Bamberg auch nicht schlechter ab als die anderen Krankenhäuser Oberfrankens. "Insgesamt ist das Klinikum Bamberg völlig in Ordnung. Es gibt immer mal Schwachstellen."

Thema Hygiene ernst nehmen

Im Klinikum nehme man die Sache sehr ernst, betont Finanzvorstand Johannes Goth, der die Echtheit der Bilder bestätigt. Zwar handele es sich bei den Verschmutzungen nicht um gefährliche Keime, aber: "Unser Anspruch ist, dass so etwas nicht passiert." Hygienefachkräfte in allen Abteilungen, eine eigene Hygieneabteilung und eine regelmäßig tagende Hygienekommission mit Mitgliedern aus der Klinikleitung: "Wir haben ein Qualitätssystem, mit dem wir im Haus vorgehen, um Hygienemängel zu finden und zu beheben", sagt Goth.

Ist genügend Personal da, um die Standards einzuhalten? "Unsere Personalbemessung ist nicht willkürlich, sondern marktkonform", antwortet der Finanzvorstand. Man wolle die Erweiterung um den vierten Bettenturm nutzen, die Qualität bei der Reinigung zu verbessern, etwa durch Putzmaschinen für die Gänge und Flure. "Damit mehr Zeit für die Zimmer bleibt."

Der Imageverlust für die Klinik ist durch den "Shitstorm" im Internet groß. Mittlerweile wurden die Bilder über 400-mal geteilt, hundertfach kommentiert. Mancher Nutzer berichtet von angeblich selbst erlebten Ekelgeschichten. Einige widersprechen auch: Bei ihnen sei alles sauber gewesen. Manche kritisieren auch, dass die Mängel im Internet veröffentlicht wurden, anstatt sie der Klinik zu melden.

"Ich habe mich selbst gewundert, dass das so hohe Wellen schlägt", sagt die Patientin, die den Stein ins Rollen brachte. "Ich finde es großartig, dass es in Bamberg ein Klinikum gibt, aber ich denke, einiges in der Krankenhauspolitik im Bereich Personal und Einsparungen muss sich ändern."



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