Lichteneiche

Zeugin hat Beobachtung verschwiegen

Eine Nachbarin sagt erst jetzt, dass sie die 77-Jährige, die für die Brände in Lichteneiche verantwortlich sein soll, mit Feuer bei Containern sah.
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Beim Verfahren am Landgericht ist die Öffentlichkeit zugelassen.Anette Schreiber
Beim Verfahren am Landgericht ist die Öffentlichkeit zugelassen.Anette Schreiber

Im Sicherungsverfahren gegen die 77-jährige Regina S. (Namen geändert), die für die Brandstiftungsserie in Lichteneiche zu Jahresbeginn verantwortlich sein soll, sorgte eine gleichaltrige Zeugin am gestrigen Donnerstag für Aufsehen. Praktisch nachdem die Zweite Strafkammer des Landgerichts die Frau zu den Bränden gehört hatte und schon aus dem Zeugenstand verabschieden wollte, wandte sie sich an das Gericht: "Darf ich noch was sagen, der Polizei habe ich es nicht gesagt?" Ein einigermaßen überraschter Vorsitzender Richter Manfred Schmidt erteilte noch einmal das Wort.

Im Anschluss gab es überraschte Minen und etliche, durchaus vorwurfsvolle Fragen an die Frau.

"Sie sollen nicht lügen, sonst werden Sie eingesperrt, das ist die Kurzversion", so fasste Manfred Schmidt die vorherige Zeugenbelehrung zusammen; nachdem die 77-Jährige sagte, sie habe nicht alles verstanden und erklärte, sie höre schlecht.

Bei ihren Ausführungen im regulären Teil hatte sie einen Mann mit Stirnlampe erwähnt, der nach einem Müllcontainerbrand den Müll durchwühlte. Die Zeugin wohnt in einem Haus zwischen den beiden Häusern in der Schlesienstraße (123 und 68), in deren Kellern und Müllhäuschen es brannte. Der Mann mit Stirnlampe sei in ihr Haus gegangen, so die Zeugin, erkannt habe sie ihn nicht.

Von den Kindern gedrängt

Nach dem "regulären" Zeugenbeitrag erklärte sie, ihre Kinder hätten sie gedrängt, von einer bestimmten Beobachtung zu berichten: Am 16. Februar habe sie wie immer "zur Brandzeit", also gegen halb acht, aus dem Fenster ihrer Wohnung im dritten Stock geschaut. Sie habe gesehen, wie jemand bei den Müllcontainern der Schlesienstraße 66 mit einem Feuerzeug spielte. Dann sei die Tür des Containerplatzes aufgegangen und heraus kam Regina S., man kennt sich bereits seit 45 Jahren, die Kinder haben früher miteinander gespielt, wie die Zeugin an anderer Stelle mitteilte.

Auf jeden Fall sei Regina S. dann weggelaufen und wenig später mit einem Müllbeutel wiedergekommen. Dann habe sie, so die 77-Jährige, eine Flamme gesehen, "die war zu groß für ein Feuerzeug" - und ist dann zu zu Boden gefallen. "Gebrannt hat nichts." Da habe doch die Frau S. nichts zu suchen, sie wohne doch in der Nummer 68, machte die Zeugin deutlich.

Sie habe sich noch gedacht, das sei "leichtsinnig, dass sie da mit Feuer rein ist". In Zeiten, wo es immer brennt. Das wollte sie der Frau S. eigentlich sagen. Am darauffolgenden Tag war die Zeugin dann mit ihrer Schwester Kaffee trinken und erzählte von dem Vorfall. Auch der Familie und dem Hausmeister. An dem Tag, als Frau S. mitgenommen wurde. Der Polizei hatte sie bei der Vernehmung nichts erzählt. Da war ich abgelenkt und bin davon abgekommen, gab sie zu verstehen.

Staatsanwalt André Libischer hielt ihr aus dem Polizeiprotokoll vor, dass sie gefragt worden sei, "ob Ihnen sonst noch was zu den Bränden und Frau S. einfällt". Worauf die Zeugin meinte, sie habe doch niemanden zu Unrecht beschuldigen wollen. Eh sie sich versah, fand sich auch die Nichte der 77-Jährigen im Zeugenstand. Sie hatte die Tante, die aufgeregt war, eigentlich nur zum Gericht fahren wollen. Auch ihr hatte die Tante ihre Beobachtung mitgeteilt. Worauf sie meinte, dass sie das sagen müsse. Die Tante habe gemeint, ihr sei erst hinterher alles bewusst geworden. Von Andreas Dräger, Verteidiger der 77-jährigen Beschuldigten, musste die Nichte sind die Frage gefallen lassen: "Sie selbst sind nicht auf die Idee gekommen, bei der Polizei was zu sagen, sich zu melden."

Weitere Zeugen befragen

Das Gericht signalisierte, dass dazu wohl nun weitere Zeugen befragt werden.

Gehört wurden an diesem Verfahrenstag drei weitere Zeugen, die in der Schlesienstraße 123 wohnten, darunter ein Paar. Das ist inzwischen umgezogen und hat gar keinen Kontakt mehr zu den anderen Mietern in dem Gebiet, das der Mann als "a weng a crazy Viertel" beschrieb. Er und seine Lebensgefährtin führten aus, wie man bei einem Müllcontainerbrand, den eine Nachbarin aus Nr. 125 entdeckt hatte, Wasser nach draußen reichte und bei einem zweiten die Feuerwehr rief.

Der Mann sowie eine weitere Bewohnerin der Schlesienstraße 123 bestätigten einmal mehr, dass die Haustüre öfters offengestanden hatte. Im Keller so die Bewohnerin, habe es öfters Probleme mit dem Licht gegeben, "wenn zu viele Geräte an waren."

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