Bamberg

Zelten für bezahlbare Wohnungen in Bamberg

Mit einer Aktionswoche will ein Bündnis auf das Thema "Bezahlbarer Wohnraum" aufmerksam machen. Studenten unterstützen das Vorhaben mit einem Protestcamp.
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Über Nacht entstand an den Universitätsgebäuden in der Markusstraße ein Protestcamp für mehr bezahlbaren Wohnraum in Bamberg. Ronald Rinklef
Über Nacht entstand an den Universitätsgebäuden in der Markusstraße ein Protestcamp für mehr bezahlbaren Wohnraum in Bamberg. Ronald Rinklef
Für viele Studenten dürfte er ein Held der Kindheit und Jugend sein: Harry Potter. Glaubt man dem "studentischen und zivilgesellschaftlichen Bündnis für städtischen Wohnraum", dann können Bambergs Studenten dem Roman-Zauberer in Sachen Wohnraum ohne Probleme nacheifern. Das ist nichts Positives, denn den Großteil seiner Kindheit verbrachte Harry in einem Schrank.

Wer die Bücher kennt, der schmunzelt über die Ironie des als Wohnungsannonce getarnten Plakats, mit dem das Bündnis auf die Problematik des für Studenten kaum bezahlbaren Wohnraums in Bamberg aufmerksam machen will. Den Schrank im Potter-Stil gebe es schon für "ortsübliche 320 Euro warm", Bad und Küche zur Mitbenutzung. Aber natürlich nur mit "Einkommensnachweis oder Bürgschaft der Eltern".


Kaum zumutbare Wohnungen

Es ist einer der Kritikpunkte, die das neue Bündnis in einer Aktionswoche anprangert: "Studenten finden in Bamberg entweder keine Wohnung, oder eine, die man nicht als solche bezeichnen kann", sagt Sprecher Julian Megerle. "Hier wird selbst die letzte Dachkammer vermietet. Und das zu Preisen, das ist ein Witz. Das ist ein Symptom dafür, dass es grundsätzlich an bezahlbarem Wohnraum mangelt. Darum werden hier Sachen angeboten, die in anderen Städten gar nicht auf den Markt kommen." Die Leidtragenden seien nicht nur Studenten, sondern auch Geringverdiener, Sozialhilfeempfänger, Familien, Studierende und Geflüchtete.

Aus Sicht des Bündnisses gebe es Maßnahmen, die recht schnell eine Besserung der Verhältnisse herbeiführen könnten: "Das sind die, die der Stadtrat beschließen kann", sagt Megerle. Konkret seien das eine stärkere Förderung des sozialen Wohnungsbaus durch die Stadtbau GmbH, eine Erhöhung der Sozialquote bei Privatbauten auf 30 Prozent und die Anpassung der Wohnheim-Mieten an den Wohngeldanteil des BAföG (250 Euro). Eine weitere Forderung richtet sich an das Studentenwerk Würzburg, das auch Bamberger Wohnheime betreibt: Da die Heime zu jedem Semester deutlich mehr Anfragen erhielten, als Plätze verfügbar seien, sollen mittel- und langfristig mehr Wohnheime gebaut werden. Der ÖPNV steht ebenfalls im Fokus, denn durch eine bessere Anbindung des Umlands könne man Druck vom städtischen Wohnungsmarkt nehmen.

Dass der schon seit längerem überhitzt ist, hatte Rechtsanwalt Thomas Kliemann, Vorsitzender des Mietervereins Bamberg, bereits im März auf Anfrage bestätigt: "Es macht den Anschein, als wollten viele Vermieter mitnehmen, was geht. Das ist wohnungspolitisch tragisch, zumal es einfach nicht genügend Wohnraum gibt."


Spontane Unterstützung

Teil der Aktionswoche sind eine Kundgebung und eine Podiumsdiskussion an der Universität, an der auch Stadtratsmitglieder beteiligt sein werden. Spontan unterstützt wird das Bündnis außerdem von einer Gruppe Studenten, die an den Uni-Gebäuden in der Markusstraße eine Protestcamp eingerichtet hat. "Das kam über Nacht", sagt Bündnis-Sprecher Julian Megerle und freut sich über die unerwartete Solidarisierung: "Das hat auch uns überrascht."

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