Bamberg
Unser Thema der Woche // Genuss

Zeitloses Gemüse

Im Bamberger Sortengarten werden alte Haussorten von der Bamberger Zwiebel bis zur blauen Kartoffel angebaut. Ulrike Aas und ihre Mitstreiter bewahren damit regionale Genüsse vor dem Vergessen.
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Ulrike Aas im Bamberger Sortengarten Fotos: Ronald Rinklef
Ulrike Aas im Bamberger Sortengarten Fotos: Ronald Rinklef
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Der Rettich "Brauner Fridolin" und die birnenförmige Bamberger Zwiebel, Haussorte Maier, befinden sich in einer kunterbunten Gesellschaft von 30 Gemüsesorten auf einer 400 Quadratmeter großen Fläche. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Gärtner- und Häckermuseum geht es weniger ums Ernten, als ums Bewahren von Genuss, dazu gehören auch zahlreiche Haussorten Bamberger Gärtner. "Wir wollen ein kleines Sandkorn gegen Monsanto und Bayer sein", sagt Ulrike Aas, hinter deren Haus in der Mittelstraße sich der Bamberger Sortengarten erstreckt. Mit zehn Mitstreitern aus dem Verein "Bamberger Sortengarten - Grünes Erbe Bamberg" will sie hier Saatgut von Gemüse gewinnen, das es nicht mehr überall zu kaufen gibt.

Jeder Gärtner hatte eigene Sorten

"Früher hat jeder Gärtner seine eigenen Rettich- oder Wirsingsorten gezogen, davon würden wir gern möglichst viel bewahren", sagt die 64-Jährige. Einige alte Sorten müssen länger und intensiver bewirtschaftet werden als moderne Kreuzungen. "Wir haben hier den Druck nicht, dass wir etwas verkaufen müssen und stehen auch nicht in Konkurrenz zu den Gärtnern. Aber wir erzeugen samenfestes Saatgut, das im nächsten Jahr wieder genau die gleiche Konfiguration hat wie in diesem."

Beim Blick über die Beete, über Mangoldpflanzen, Buschbohnen, fünf Kartoffelsorten und blühenden Weinbergknoblauch stutzt der Besucher, wenn er plötzlich Paprika und Chili sieht. "Ich dachte auch zuerst, das passt nicht nach Bamberg. Aber über eine Flüchtlingsoma sind auch diese Sorten vor 70 Jahren nach Bamberg gekommen und gedeihen hier ganz wunderbar." Der besondere Liebling der Sortengärtnerin ist der Schwarzkohl: "Der ist viel leichter und feiner als Grünkohl", sagt die 64-Jährige.

Eingerichtet wurde der Schaugarten 2012 im Rahmen des Projektes "Urbaner Gartenbau", seit Juli 2013 ist der Bamberger Sortengarten ein gemeinnütziger Verein.

Im Gewächshaus vorgezogen

Während der Gartensaison bewirtschaften und pflegen die Mitglieder des Vereins den Schaugarten im Herzen der Gärtnerstadt. "Das Projekt hängt maßgeblich von unserer Zweiten Vorsitzenden, der Gärtnermeisterin Julia Neubauer, ab. Ohne deren Wissen hätten wir Laien wohl viel mehr Lehrgeld zahlen müssen." Neubauer ziehe viele der Gemüsepflanzen im Gewächshaus vor, was für den Verein eine große Erleichterung sei. Mindestens einmal die Woche treffen sich die ehrenamtlichen Helfer, unterstützt durch das fachkundige Wissen Bamberger Gärtner, im Sortengarten, um hier die seltenen Lokalsorten zu kultivieren, zu bewässern und von Unkraut zu befreien. Im Herbst wird dann das wertvolle Saatgut für die kommende Saison gewonnen.

"Vor dem Krieg hat es 120 verschiedene Salate gegeben, heute vielleicht noch 15 oder 20, bei den Kartoffeln das Gleiche", beklagt Ulrike Aas. "Für die Entscheidung, was bleibt, war der Geschmack nicht immer das ausschlaggebende Kriterium." Über das Saatgut, das unter anderem im Gärtner- und Häckermuseum erhältlich ist, will der Sortengartenverein zur Vielfalt beitragen.

"Ich schätze das unheimlich, was die Gärtner leisten", sagt Ulrike Aas. Sie wünscht sich, dass möglichst viel von der Bamberger Gartenkultur erhalten bleibt. Und damit ein reicher Schatz, den man auch schmecken kann. Chancen, den zu erhalten, biete nicht zuletzt die Direktvermarktung über Hofläden.

Bei Feinschmeckern kommt das jung gebliebene Gemüse an, seit einigen Jahren liegen zum Beispiel Bamberger Hörnla, Grünkohl oder Mangold wieder voll im Trend.

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