Bamberg
Selbstschutz

Zahl der Kleinen Waffenscheine: Bamberger Bürger rüsten weiter auf

Die Zahl der Kleinen Waffenscheine im Landkreis hat die 2000er-Marke durchschossen - 600 sind es in der Stadt. Die Nachfrage hat sich beruhigt, aber nicht normalisiert. Hauptmotiv der Antragsteller: ein Bedürfnis nach Sicherheit.
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Schreckschusswaffen kaufen darf der Kunde auch ohne Kleinen Waffenschein. Nur für das Tragen in der Öffentlichkeit braucht es die Genehmigung.  Foto: Oliver Killig
Schreckschusswaffen kaufen darf der Kunde auch ohne Kleinen Waffenschein. Nur für das Tragen in der Öffentlichkeit braucht es die Genehmigung. Foto: Oliver Killig
Die 2000er-Marke bei der Zahl der Kleinen Waffenscheine im Landkreis ist pulverisiert - und das ganz sprichwörtlich. Die Statistik in der Stadt zielt in dieselbe Richtung: Die Gesamtzahl stieg auf über 600. Der große Boom von Schreckschusswaffen von 2016 ist zwar etwas verraucht, doch die Nachfrage hat sich noch nicht normalisiert. Als Hauptmotiv geben die Antragsteller weiterhin ein Sicherheitsbedürfnis an.
Bamberg führt die Bayern-Statistik bei der Kriminalitätsbelastung an. Gut möglich, dass bei solchen Nachrichten im Büro für Öffentliche Sicherheit von Christian Fößel im Landratsamt nun wieder mehr Betrieb einkehrt. Hier können die Antragsteller die Formulare abgeben, um eine Schreckschusswaffe legal tragen zu dürfen - zum Kauf braucht es keine Genehmigung.
Eine Begründung für den Schein müssen die Interessenten in den Ämtern nicht nennen, das sieht das Dokument nicht vor. "Wenn jemand einmal im Jahr an Sylvester oder zum Start der Ernte eine Waffe abfeuern will, dann kann er sie mit dem Schein legal tragen", nennt Fößel eine Motivation. Andernfalls kann das Tragen einer Schreckschusspistole ohne Berechtigung empfindliche Strafen nach sich ziehen. Den großen Andrang erklärt diese Motivation aber nicht. "In der Regel werden die Kleinen Waffenscheine zum Selbstschutz beantragt", berichtet Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. Das kann Christian Fößel im Landratsamt anhand der Gespräche mit den Bürgern bestätigen. Die "Grenzöffnung" im September 2015 wurde demnach als Auslöser für Verunsicherung genannt.


Statistische Ausschläge

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Mit dem Anstieg des Zuzugs an Flüchtlingen stieg auch die Nachfrage nach Kleinen Waffenscheinen. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht 2015/16 in Köln kamen die Beamten dann kaum mit der Bearbeitung der Dokumente hinterher. "Damals hatten wir einen Höchststand bei den Anträgen", berichtet Fößel. Mit dem Rückgang der Flüchtlingswelle gingen auch die Anträge zurück.
Blieb die landkreisweite Zahl in den Jahren 2009 bis 2014 stets unter 50, stieg sie 2015 auf über 100 - und vervielfachte sich auf 755 im Jahr 2016. Im vergangenen Jahr halbierten sich die Ausstellungen landkreisweit auf 324. Und heuer? "Die Nachfrage hat sich etwas beruhigt", sagt Fößel, der in den ersten sechs Monaten 82 Anträge bearbeitet hat.


Bundesweite Entwicklung

Bei der Stadt zeigt die Statistik parallele Ausschläge: mit einem Höchststand von 172 Anträgen im Jahr 2016, der sich im vergangenen Jahr wieder auf 69 reduzierte. Verglichen mit 2012 (12), 2013 (23) und 2014 (12) ist die Nachfrage also immer noch hoch und sogar größer als 2015 (60). Und heuer? Im laufenden Jahr haben laut Stadtsprecherin Siebenhaar bereits 26 Bamberger einen Kleinen Waffenschein beantragt.
Nicht nur die Behörden haben diese deutschlandweite Entwicklung zu spüren bekommen - auch die Waffenhändler. Die Bamberger Fachgeschäfte Hinz und Rost lehnen auf Nachfrage zwar jegliche Presseauskünfte ab und verweisen auf den Verband Deutscher Büchsenmacher. Dieser jedoch bestätigt die lokalen Statistiken. "Wir hatten 2015 und 2016 kurzeitig Lieferengpässe, weil die Nachfrage nach Schreckschusspistolen und Pfeffersprays zu groß war", berichtet Pressereferent Ulrich Eichstädt.


Die Polizei warnt vor Missbrauch

"Es gibt ein Sicherheitsbedürfnis", sagt Eichstädt. "Wenn es um Sekunden geht, ist die Polizei Minuten entfernt." Der Pressereferent rät allerdings von Schreckschusspistolen als Mittel der Selbstverteidigung ab. Die hätten eine reine Drohfunktion, um Zeit zum Weglaufen zu gewinnen. Pfeffersprays seien kleiner und wirkungsvoller. Dafür brauche es auch keine amtliche Genehmigung. Im Landratsamt sehen die Experten das ähnlich: "Ein Abwehrspray ist viel handlicher, als 500 Gramm Metall mit sich herumzuschleppen", erklärt Fößel und warnt vor Gefahren durch die Waffen.
Die Polizei sieht die Entwicklung ohnehin kritisch: "Das Gefahrenpotenzial nimmt mit jedem Kleinen Waffenschein zu", benennt Helmut Fischer als Sprecher der Polizei Bamberg-Land die Probleme durch Missbrauch. Schreckschusspistolen könnten im Nahbereich schwere Verletzungen verursachen. "Die Gefahren bei Missbrauch reichen von der Bedrohung bis zum versuchten Tötungsdelikt."
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