Bamberg
Auftritt

Wortgewalt, Akrobatik und Musikspaß

Der "Humorgipfel" im E.T.A.-Hoffmann-Theater entpuppte sich einmal mehr als Kleinkunst-Gipfeltreffen. Das Publikum tobte.
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Es kann losgehen: Bürgermeister Christian Lange auf dem OP-Tisch beim Schönheitschirugen Alexander Göttlicher. Foto: Bertram Wagner
Es kann losgehen: Bürgermeister Christian Lange auf dem OP-Tisch beim Schönheitschirugen Alexander Göttlicher. Foto: Bertram Wagner
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Das Zusammentreffen dreier fränkischer wortwitziger Kabarettisten, einem britischen Duo mit besonderem Musik-Humor und ein internationales Akrobatik-Trio ließen den 3. Fränkischen Humorgipfel zu einem Gipfeltreffen auf den Bühnenbrettern im (ausverkauften) Großen Haus des E.T.A.-Hoffman-Theaters werden.

Gastgeber und Moderator Mäc Härder hatte bei der Gästeauswahl ein "goldenes Händchen", was die Vielseitigkeit und das Kleinkunst-Niveau betrifft. Den 400 Zuschauern wurde es bei der Gipfelerstürmung nicht langweilig, der zweieinhalbstündige Aufstieg mit den Komikern, Sprachkünstlern und Akrobaten ging flott voran und wurde mit viel Beifall begleitet.

Wie schon bei den Veranstaltungen in den beiden Vorjahren war diese Konferenz von Künstlern geprägt von der Mischung aus Staunen, sehr skurrilen Beiträgen und jeder Menge Geschichten aus dem Alltag, die satirisch bestens aufgearbeitet
wurden und die Zuschauer in bestimmte Situationen hineinkatapultierte. So traf Mia Pittroff den Nagel auf den Kopf, als sie schilderte, dass ihr (alter) Vater gar nicht alt werde und mit seinem durchtrainierten Körper Marathon und Kitesurfen betreibt. Auch könne man in Bamberg noch "normal" Kaffee trinken, während in Großstädten die Cafés Großraumbüros mit Smartphones und Laptops ähneln.

Apropos Bamberg: Kulturreferent Christian Lange (CSU) wurde auf der Bühne einer schmerzfreien Schönheits-OP unterzogen und Kabarettist Alexander Göttlicher ließ die Aktion auf Großleinwand übertragen. Nach dieser Verschönerung des Bürgermeisters glänzte der "falsche Doktor" noch mit fränkischen Zwei- und Dreideutigkeiten, die zum Nachdenken und Schmunzeln anregten ("warum gibt's koa Ameisen in der Kirche, weils In-Sekten sind").

Noch eins drauf legte der Humorgipfel-Initiator persönlich: "Dsädäbän, airahma, su schee ko`s sei, värädsd mäs?" - stellte sich die Frage ob das Fränkische arabische, japanische oder gar finnische Wurzeln hat. Mäc Härder suchte sich aus seinem reichen Fundus einer langen Kabarett-Karriere die "Sahnestückchen" als Moderationsübergänge heraus. Dazu gehört natürlich auch seine traditionelle Fußball-Jonglage: Mit drei Bällen sah er in die Zukunft Richtung EM-Finale 2016 in Paris zwischen Deutschland und Spanien, er ließ "klein-klein" spielen, zeigte Hakentricks und hohe Flanken, animierte eine hektische Schlussphase und ließ Deutschland am Ende mit 2:1 Toren jubeln.

Weitaus skurriler und verrückter traten die Waliser Mark und der Ire Simon im Doppelpack auf: Sie ließen Uli Hoeneß "schwedische Gardinen" bestellen, produzierten Persiflagen wie am Fließband und zündeten ein Feuerwerk an Pantomime und Klamauk. Die Komödianten mit gut verständlichem "Dschinglisch" karikaturierten zahlreiche Popgrößen. Frank Sinatra und Elivis Presley live on Stage! Das "Große Haus" tobte angesichts des britischen Humors mit Gags im Expresstempo!

Aber auch fränkische Sprachvirtuosen bewiesen ihre Klasse, bester Beweis dafür ist der Nürnberger Oliver Tissot, der ganz genau bei seinen Vorgängern zuhörte und diese Infos mit in seine Gags einbaute. Sehr pointenreich ging er auf das Publikum los ging. Er tadelte die "unvorbereiteten" Zuschauer, auch der Bürgermeister bekam sein Fett ab, des weiteren lästerte er über Rauchbier und den Bamberger Reiter ("eine Statue, von der bis heute keiner weiß, wie sie hierher gekommen ist"). Aber auch seine Selbstironie kam sehr gut an: "Nürnberg besitzt als einzige bayerische Stadt eine Autobahn mit Ampel" und machte sich über den Frankenschnellweg lächerlich.
Vier der Zuschauer mussten nicht nur den Hohn und Spott des Oliver Tissot ertragen, sie wurden mittels Keulen auch noch - von Mäc Härder - auf die Bühne gelockt. Nachdem sie saßen, wurden ihnen nach und nach die Stühle entrissen, es bildete sich ein menschlicher Rahmen mit liegenden Männern - und mittendrin jonglierte Härder mit vier Keulen!

Bodenakrobatik aus dem Stegreif, ehe als krönender Abschluss Galatée, Tim und Marius als "Trio Satschok" dafür sorgten, dass dem ein oder anderem Zuschauer angesichts der Akrobatik-Elemente der Atem stockte. Einen dreistöckigen "Menschenturm" hat man schon oft gesehen, aber nicht, dass eine zierlich wirkende Französin in der Mitte steht und mittels ihrer Power einen gut durchtrainierten Mann Richtung Theaterdach hochhebt - von den zahlreichen Saldi der Akrobatin ganz zu schweigen. Der "Höhepunkt" des Abends im wahrsten Sinne des Wortes. Passend auch das Schlussbild: Aufgebaut in zwei Stockwerken wurden die Künstler samt Gastgeber frenetisch gefeiert.

Bleibt die Kardinalfrage nach dem dritten Humorgipfel: Hat Mäc Härder das "Große Haus" für den 12. September 2015 schon gebucht?











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