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Bamberg
Weihnachten

Worte an die unheile Welt

An den Feiertagen strömten Christen in die Bamberger Kirchen. Herausragende Kirchenmusik streichelte Gemüter.
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Festlich-frohe Kirchenmusik wurde bei der Christmette in der Stephanskirche geboten.  Fotos: Barbara Herbst
Festlich-frohe Kirchenmusik wurde bei der Christmette in der Stephanskirche geboten. Fotos: Barbara Herbst
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Hans-Martin Lechner brauchte nur ein einziges Wort, um zu beschreiben, was die Menschen in hellen Scharen in die Christmetten strömen ließ: "Sehnsucht!" Der Dekan des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks Bamberg sprach in der Stephanskirche sogar von einer "großen Sehnsucht": die nach einer Auszeit, nach Heilung, nach Einsicht in grundlegendes Tun gegen den Klimawandel, nach Frieden. "Ich glaube, diese Sehnsucht hat an Weihnachten, vielleicht in dieser Stunde der Heiligen Nacht ihren besonderen Ort!", erklärte Lechner.

Denn diese Nacht erinnere daran, dass Gemeinschaft gelingt, Versöhnung geschieht und Frieden blüht, "wo wir einander in dieser Grundhaltung der Wertschätzung begegnen, uns füreinander interessieren über alle Grenzen von Nation, Hautfarbe und Religion hinweg". Der Prediger nannte es eine "weihnachtliche Erfahrung", dass kein Mensch über diese Erde gehe, den Gott nicht liebt. Es gehe dabei auch darum, dass um Christi willen alle Menschen Liebe und Wertschätzung erfahren und in Würde leben können, so Lechner. Und zwar auch die, "die in ihrer Sehnsucht bei uns wohnen wollen" - wie etwa die Tausenden Flüchtlingskinder in Griechenland. Das weihnachtliche "Welt-Wunder", das nur still bestaunt und lobend erfasst werden könne, "inspiriert und motiviert aber auch zum mutigen Handeln".

Eingebettet ins liturgische Geschehen dieser Christmette in St. Stephan war festlich-frohe Kirchenmusik. Dekanatskantorin und Kirchenmusikdirektorin Ingrid Kasper bot mit Orchester und Kantorei der Gemeinde ein berührendes weihnachtliches Repertoire an Liedern, das im Gemeindegesang von "Stille Nacht" mündete.

Worte an Herz und Verstand

Für emotional gestimmte Gemüter erklang natürlich auch im übervollen Dom entsprechende Musik in der Christmette: nämlich die Hirtenmesse in F-Dur des polnischen Komponisten Ignaz Reimann sowie Weihnachtsmotetten alter Meister, gespielt und gesungen vom Bamberger Domchor, Mitgliedern der Bamberger Symphoniker und Domorganist Markus Willinger. Die Gesamtleitung hatte Domkapellmeister Werner Pees inne. So auch am ersten Weihnachtsfeiertag im äußerst gut besuchten Pontifikalamt, in dem die Nelsonmesse von Joseph Haydn - "ein großes Glaubenszeugnis!" sagt Pees darüber - sowie Chorwerke von Georg Friedrich Händel und David Willcocks zu Gehör kamen.

Die herausragende Kirchenmusik streichelte die Seele. Umso kontrastreicher waren die Predigtworte von Erzbischof Ludwig Schick, die sich an Herz und Verstand richteten. Für den Erzbischof ist das Kind in der Krippe ein Aufruf, sich um die Kinder zu kümmern, und ein Protest gegen jede Vernachlässigung von Kindern. "Vielen Kindern geht es nicht gut in dieser Welt", sagte Schick. Das gelte für die 4000 Flüchtlingskinder, die sich derzeit unter schlimmsten Verhältnissen in Griechenland aufhalten und für viele Abertausende in der ganzen Welt.

Das Kind in der Mitte

Erzbischof Schick führte die vielen Kinder in Syrien und im Irak an, die seit ihrer Geburt nichts anderes als Krieg erlebt hätten. "Nur zu sagen, weil andere nichts tun, tun wir auch nichts, ist nicht Bethlehem konform." Es entspreche nicht der Botschaft der Weihnacht, die das Kind in die Mitte stelle und allen Kindern eine gute Zukunft schenken wolle. Der Erzbischof nannte aber nicht nur die Kinder in der fernen Welt, die missbraucht werden, die hungern und wie Erwachsene zur Arbeit gezwungen werden, anstatt zur Schule zu gehen: "Auch vor der eigenen Haustür werden Kinder vernachlässigt, misshandelt oder gar in der eigenen Familie getötet", beklagte Schick.

Weihnachten mit dem Kind in der Mitte könne nur mit ehrlichem Herzen gefeiert werden, wenn die Sorge um Kinder stimme. Der Erzbischof bat darum, "dass die Weihnachtsbotschaft uns alle anrührt und wir uns vom Kind in der Krippe inspirieren lassen, unsere Kinder zu lieben und für sie da zu sein". Zugleich appellierte er an die Politiker, Gesetzgeber und Verantwortungsträger, "den Kindern mit allen Möglichkeiten hier bei uns und durch Entwicklungshilfe und durch entsprechende Politik in den armen Ländern beizustehen, sie vor Schaden zu bewahren und ihnen Zukunft zu ermöglichen". Im Kind in der Krippe müssten alle Kinder dieser Welt "gesehen, geliebt und umsorgt werden".

Voll besetzt war der Dom auch zur Pontifikalvesper mit Erzbischof Schick am 25. Dezember sowie zum Pontifikalgottesdienst mit Weihbischof Herwig Gössl am zweiten Weihnachtsfeiertag. Dieser wurde von den katholischen Gläubigen als Gebetstag für die verfolgten und bedrängten Christen begangen.