Wenn an einem 9. November in einem deutschen Landgericht Videos gezeigt werden, auf denen Rechtsradikale Sprengversuche durchführen, dann hat das etwas Gruseliges. Andererseits hatten die Handyaufnahmen, die am Freitag im Bamberger Neonazi-Prozess als Beweismittel vorgespielt wurden, auch etwas Lächerliches.

Wie sich die jungen Männer wie Lausbuben freuen, dass ein Kracher eine Regentonne 30 Meter hoch in die Luft katapultiert. Wie sich mancher Eigenbau als Rohrkrepierer erweist. Wie plötzlich ein Fahrradfahrer auftaucht und unbeeindruckt an der rauchenden Lunte vorbeifährt. Wie die Protagonisten ihre Raketen aufgeregt anzünden und dann unsportlich davontippeln.

"Man merkt Ihnen den Respekt vor den Dingern an, wenn man Sie so wegrennen sieht", kommentierte dann auch schmunzelnd der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt in Richtung des Angeklagten Peter F. (Name geändert). "Das wird der einzige Sport gewesen sein, den Sie damals getrieben haben, oder?" Auch der Angeklagte grinste und nickte.

Böller und Schlägereien

Wer also ist dieser Peter F.? Ein harmloser Möchtegern-Sprengmeister, der bei seinen Eltern wohnt? Oder ein brutaler Schläger, der kiloweise Sprengmittel bestellt und gehortet hat? Auch der Verhandlungstag am Freitag ließ diese Fragen offen.

Erneut verlas Richter Nino Goldbeck Chat-Dialoge, in denen der 26-jährige Maschinenbauer berichtet, wie sein komplettes Gehalt für die illegalen Böller und Strafen wegen Schlägereien draufgeht. Seine Kumpels aus der rechten Szene bestellen über den Fachmann mit - dann verabreden sich die Männer zu Sprengversuchen. "Heute Abend lassen wir es gescheit krachen, oder?", steht da zu lesen, oder: "Wann bist du daheim, du Lauch? Wollen wir was zündeln?"

Als am Abend dann die Handykamera läuft, versuchen die Amateur-Feuerwerker einen Jägerstand zum Einsturz zu bringen oder sprengen sie eine kaputte Mikrowelle. Mal umwickeln sie einen Böller mit Papier, mal stecken sie ihn dilettantisch in ein Rohr. Dann macht es Puff und alle freuen sich. Oder es macht nicht Puff und alle lachen. Ist das triviale Kinderei, wie die Verteidigung behauptet? Oder tastet sich hier ein Mitglied einer kriminellen Vereinigung autodidaktisch an die Geheimnisse des Bombenbaus heran?

Angeklagter beantwortet Fragen

Peter F. selbst beantwortete am Freitag alle Fragen des Gerichts zu den Mitwirkenden, dem polnischen Pyromarkt, zu den einzelnen Fabrikaten und Eigenbauten. Der Angeklagte wies sogar darauf hin, dass die eigentlich wichtigsten Handyaufnahmen noch gar nicht gezeigt wurden: Videos, auf denen er zwei lebensgefährliche Kugelbomben zündet. Kleinere Modelle der Profi-Feuerwerkskörper, die man später bei ihm beschlagnahmt hat - und von denen im Raum steht, die "Weisse Wölfe Terrorcrew" Bamberg habe sie irgendwann gegen Asylbewerberheime einsetzen wollen.

Wie gewaltbereit die Gruppe insgesamt war, berichtete am Freitag ein Polizist. Er war im Einsatz, als die vier Angeklagten eine Schlägerei in der Langen Straße in Bamberg angezettelt hatten. Nur durch den Einsatz von Pfefferspray habe er sich selbst schützen können, erzählte der Beamte. "Thorsten P. hat über meinen Kollegen und mich hinweg eine Person hinter uns geschlagen." P. soll bayerischer Sektionsleiter der "Weisse Wölfe Terrorcrew" gewesen sein.

In einem sichergestellten Chat mit seinem "Organisationsleiter" Oliver B. schreibt er: "Peter hat wieder eine Großbestellung am Laufen. Auch ich will davon etwas." Die Kugelbomben kamen nie bei Peter F. an. Die Polizei wartete tagelang vor seinem Elternhaus und fing die Lieferung ab.