Bamberg
Ausstellung

Wolf Schmidt: Die Kunst der Kontemplation

Mit altväterlicher Akkuratesse malt Wolf Schmidt großformatige Ölbilder. In den Räumen der Mediengruppe Oberfranken sind Werke aus 30 Jahren zu sehen.
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"Herbst" ist dieses Gemälde (Öl auf Leinwand) von Wolf Schmidt schlicht betitelt. Es zeigt eine Szene am Bamberger Regnitzufer.  Foto: Wolf Schmidt
"Herbst" ist dieses Gemälde (Öl auf Leinwand) von Wolf Schmidt schlicht betitelt. Es zeigt eine Szene am Bamberger Regnitzufer. Foto: Wolf Schmidt
Jeder kennt die hypnotisch wirkenden Landschaftsbilder des Caspar David Friedrich - Malerei der Romantik par excellence, geschaffen mit akribisch angewendeter Handwerkskunst. Nicht alle modernen Künstler kultivieren diese altväterlich wirkenden Techniken, ja, nach dem Zweiten Weltkrieg geriet eine realistische, gegenständliche Kunst generell in Verruf.

Solche Überlegungen spielen für Wolf Schmidt kaum eine Rolle; er hält sich fern vom kunsttheoretischen Diskurs. Realismus liegt dem 1948 geborenen Südbadener quasi in den Genen. Für den promovierten Architekten wären irgendwelche Traumgebilde und weltfremden Abstraktionen vermutlich eine Zumutung. Und so hält er sich in seinem eigenen Schaffen an vertraute Sujets und bewährte Verfahren - und schafft so in einer Art Retrokunst wieder überraschende Seherlebnisse.

Schmidt schafft Schönes. Schönheit hat keinen Zweck. Und doch haben einige seiner Aquarelle der Erhaltung von Schönheit gedient. Als der Baumeister nach Studium und Auslandsaufenthalten 1980 nach Bamberg kam, war er beim Landesamt für Denkmalpflege fürs westliche Unterfranken, z. B. Karlstadt, zuständig. Die Fronten zwischen Hausbesitzern und seiner Behörde waren verhärtet. Seine Bilder, Vorwegnahmen der Endansicht, überzeugten die Eigentümer problematischer Sanierungsfälle, es doch mit der Renovierung zu versuchen - und sie wie die Denkmalpflege waren zufrieden.

Von der Arbeit beim Landesamt ab Ende 1980 erholte sich Schmidt durch künstlerisches Schaffen - wobei er schon als Schüler und Student sich im Zeichnen und Aquarellieren geübt hatte, u. a. durch Fernkurse. Die im Frühjahr 2017 in der schlicht betitelten Ausstellung in den Räumen der Mediengruppe Oberfranken in Bamberg zu sehenden Werke stammen aus den Jahren von 1987 bis heute.

Bei einem Schriftsteller hieße es: geschaffen für die Schublade. Bei einem Künstler? Gemalt fürs private Depot vielleicht. Denn zum ersten Mal zeigt Schmidt seine Gemälde. Auch keine Sammelausstellungen, kein Betteln um Platz in Cafés oder Kaufhäusern. Vermutlich absorbierte den Architekten die berufliche Arbeit zu sehr. Für die bildende Kunst blieben die Wochenenden.


Fünf Bilder im Jahr

Zudem verhinderte die von ihm bevorzugte Technik größeren Ausstoß. Er malt großformatige Tafel- und Leinwandbilder in Öl, in vielen Schichten übereinander gelagert. Die (zeit-)aufwändige Lasurtechnik erlaubte nur zwei bis drei Bilder pro Jahr, jetzt im Ruhestand sind es fünf bis sechs. Den Perfektionisten verrät, dass er graphische Techniken ganz aufgab und seine Druckausrüstung verschenkte. Dafür fertigt er die Rahmen seiner Bilder selber. Seine bevorzugten Sujets sind Landschaften: der Schwarzwald, der Bodensee, aber auch der Bamberger Hain.

Die Beschäftigung mit der Perspektive kommt seiner Architekturmalerei zugute. Das "Pantheon" oder die "Sehnsucht" (aus der Basilika in Vicenza) verraten den quasi geometrisch geschulten Blick des Fachmanns, Architektur wird nicht fotografisch abgebildet, sondern inszeniert. Menschen sieht man selten. Eine Ausnahme ist das fein gearbeitete "Il Maestro delle Colombe", das einen Knaben mit Tauben auf einer Piazza in Verona zeigt. In kleineren Formaten, Aquarellen meist, widmet sich Schmidt auch Stillleben, Studien wie Tieren oder Türknäufen. Seit einigen Jahren gehören auch Porträts von ehemals am Bamberger Theater wirkenden Schauspielern zu seinem künstlerischen Portfolio.

Seine Ehefrau Gabriele Pfeff-Schmidt, ehemalige Kreisbaumeisterin, engagiert im Theaterverein, war an der Vermittlung der Porträtierten sicher nicht unbeteiligt. Den großen Porträtisten John Singer Sargent nennt Schmidt nach einigem Nachdenken als ein mögliches Vorbild, Jean-Honoré Fragonard vielleicht, Adolph von Menzel, alles Realisten, Caspar David Friedrich natürlich. Schmidt bewundert deren Finesse und Technik. Doch im Grunde ist er Solitär, auf sich bezogen auch durch seine Motive, die biografische Stationen widerspiegeln.

Es ist eine altväterlich wirkende Malerei. Oder doch auch wieder nicht? Die schlichten Motive, die genau getroffenen, durch Licht vermittelten Stimmungen strahlen Ruhe aus, beruhigen den Betrachter. Auch eine Methode der Entschleunigung.
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