LKR Kitzingen
Interview

Woidboyz: Vom Wald aufs Wasser

Die einen nehmen Reißaus. Die anderen machen einen Luftsprung. Wenn plötzlich die "Woidboyz" ("Waldjungs") aufkreuzen, reagieren die Menschen verschieden - je nach aktuellem Gemütszustand und genereller Lebenseinstellung.
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In Kitzingen haben die "Woidboyz" Basti, Uli und Andi ein Fahrschulboot geentert, um weiter nach Dettelbach zu kommen. Links im Bild der "überfallene" Kapitän Timo Lang, der sagt: "Die Aktion hat echt Spaß gemacht."  Foto: Eva Schatz/ BR
In Kitzingen haben die "Woidboyz" Basti, Uli und Andi ein Fahrschulboot geentert, um weiter nach Dettelbach zu kommen. Links im Bild der "überfallene" Kapitän Timo Lang, der sagt: "Die Aktion hat echt Spaß gemacht." Foto: Eva Schatz/ BR
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D ie "Wo i dboyz" - das sind Bastian Kellermeier (Basti), Ulrich Nutz (Uli) und Andreas Weindl (Andi). Sie sind per Anhalter, mit Rucksack, Kamera und Mikrofon, in ganz Bayern unterwegs, quatschen wildfremde Leute an und teilen ein Stück des (Lebens- )Wegs mit ihnen. Für jede Folge der BR-Sendung "Wo i dboyz on the Road" lassen sie sich einen Tag lang dahin treiben, wohin sie der Zufall führt. Kürzlich sind die abenteuerlustigen Drei in Kitzingen und rund um die Mainschleife zu Matrosen geworden. Andi und Uli erzählen davon.


Wer hat den schönsten Job der Welt?
Andi: Ich.
Uli: Ich. Ich wäre auch gern Pilot geworden. Aber noch lieber Woidboy.

Diesen Beruf habt Ihr selbst erfunden, oder?
Andi: Wir sind quasi bei uns selbst in die Lehre gegangen, ja!
Uli: "Woidboyz" ist Bayerisch-Englisch für "Jungs aus dem Woid", dem Bayerischen Wald, wo wir alle mehr oder weniger herstammen.

Wie habt Ihr Euch kennengelernt?
Uli: Das war beim Medientechnik-Studium in Deggendorf. Wir hatten einfach Spaß als "Rampensäue" - ich hab' mehr beim Andi auf der Couch gewohnt als daheim. Wir haben zusammen Videoprojekte gemacht, fürs Studentenfernsehen. Dann sind wir mit unseren Parodien auf die Mutproben der MTV-Wildboyz auf YouTube gelandet. Und dann beim BR.
Andi: Und jetzt haben wir mit den Wo idboyz schon unser Zehnjähriges hinter uns. Bald auch das Zwölfjährige. Wir sind schon wie ein altes Ehepaar - halt zu dritt (grinst)...

Aus Spaß wurde Ernst - beziehungsweise ein Full-Time-Job. War das so geplant?
Uli: Sowas kannst du nicht planen. Bevor der BR auf uns zugekommen ist, war Fernsehen kein Thema. Aber als der BR uns dann nach einem Konzept für eine Sendung gefragt hat, haben wir uns ans Werk gemacht. Zum Schluss sind wir bei "Woidboyz on the Road" hängen geblieben. Spontan sein - das können wir gut.

Anfangs seid Ihr ohne Geld durch Bayern getrampt. Das macht Ihr mittlerweile nicht mehr, oder?
Uli: Nein. Das war nur in den ersten zwei Staffeln so. Mittlerweile haben wir immer ein Taschengeld für den Bäckerbesuch oder die Wurschtsemmel dabei. Schließlich geht es uns nicht darum, uns durchzuschnorren. Wir wollen Bayern kennen lernen - mit und durch die Menschen, die hier leben.

Wie lange seid Ihr pro Folge unterwegs?
Andi: Normalerweise ergibt jeder Tag eine 30-Minuten-Folge. Wir sind meist fünf Tage am Stück auf der Straße, drehen also fünf Folgen hintereinander.

Und wer schneidet das Rohmaterial und entscheidet, welche Begebenheiten gezeigt werden - und welche rausfliegen?
Andi: Wir schneiden das Material selbst, in Abstimmung mit dem Redakteur. Mit dem streiten wir immer wieder. Manchmal muss man sich gegen eine Szene entscheiden, obwohl sie interessant ist - einfach weil sie zum Beispiel zu lang ist. Aber wir versuchen, Szenen, die's nicht in die Sendung schaffen, zum Beispiel auf Facebook zu erzählen.

Ihr seid ja schon ganz schön in Bayern herumgekommen. Wie gefällt es Euch in der schönsten Region Bayerns, in Franken?
Uli: Franken is schööö! Wir waren schon mehrfach hier: Marktheidenfeld, Hammelburg, Würzburg, Aschaffenburg, Wipfeld, Schweinfurt, Bamberg... Wir sind ja fast mehr in Franken als in Altbayern.
Andi: Die Franken sind sehr offen, haben Lust auf Kommunikation! Das ist anderswo nicht immer der Fall.

Ehrlich? Und dabei haftet uns das Klischee an, maulfaul zu sein...
Andi: Das is' lustig. Fast jede Region behauptet von sich, sie sei selbst ein bisschen maulfaul. Aber wir beweisen "on the Road" das Gegenteil.

Tatsächlich sieht es im TV immer so aus, als ob ihr jeden, wirklich jeden Menschen in ein Gespräch verwickeln könntet.
Andi: Das ist wahrscheinlich unser Talent. Unser einziges... (lacht) Wir haben wirklich schon oft überlegt, warum wir nicht das eine oder andere Mal eine gefangen haben.
Uli: Es kommt schon mal vor, dass Leut' grad keine Lust auf uns haben. Das liegt dann wohl an der Kamera!
Andi: Ich bin auch keinem bös', der uns abweist. Wer weiß, was der Mensch gerade durchmacht...
Uli: Dass wir abgewiesen werden, passiert aber wirklich eher selten!

Ihr habt ja auch schon ein paar Jahre Erfahrung, also einiges an Menschenkenntnis gesammelt. Wie alt seid Ihr?
Andi: Ich bin 36, der Uli 35 und der Basti is schon richtig alt: 38.

Ihr seht tendenziell eher jünger aus...
Andi: Das is', weil wir so oft in der frischen Luft Frankens unterwegs sind...

Zu wievielt seid Ihr eigentlich auf Tour? Da man Euch drei oft zusammen auf Fotos und im Film sieht, muss mindestens noch ein Kameramann dabei sein...
Andi: Ja, zusätzlich zu unserer Kamera, mit der wir spontan Szenen festhalten, filmt ein Kameramann, der auf Qualität achtet. Außerdem gehören zum Team noch ein Tonmann und eine Redakteurin, die sich um alles Organisatorische kümmert. Die fahren in einem Auto hinter uns her. Aber wir sind sehr autark.
Uli: Wir sind wie ein wild gewordener Hund, der sein Herrchen hinterher zieht!

Warum habt Ihr kein Woidgirl dabei?
Andi: Das ist Zufall, das haben wir uns nicht rausgesucht. Is' halt so passiert. Ist Pech. Oder Glück. Je nachdem.
Uli: Außerdem haben wir ja im Begleit-Team eine Frau. Sie bringt das nötige Maß an Ernst und Grundanstand in unseren Sauhaufen rein!

An welche Menschen, denen Ihr "on the Road" begegnet seid, erinnert Ihr Euch?
Uli: In den zwölf Jahren hat es unglaublich viele tolle Begegnungen gegeben. In letzter Zeit sehr prägend war zum Beispiel das Treffen mit einem jungen Mönch in einem Kloster. Da haben wir gesehen, dass das ein ganz normaler Mensch ist, der genauso seine Klamotten aufn Boden schmeißt wie ich.
Andi: Oft bleiben einem auch Menschen in Erinnerung, die Schicksalsschläge meistern müssen. Aber auch Leute, denen es super geht, die keine Probleme haben und einem gern was von ihrem Hochgefühl abgeben.

Die neuen Franken-Folgen habt Ihr im Frühjahr gedreht. Was ist dabei passiert?
Andi: Von Kitzingen aus wollten wir gern per Boot weiter. Am Main haben wir ein junges Mädel kennen gelernt, das auf einem Balkon stand. Der Nachbar war, wie es der Zufall will, Bootsfahrlehrer. So sind wir an diesem Tag Kapitän und Matrosen geworden.
Uli: Wir kamen auf dem Main nach Dettelbach. Da stand ein wunderschönes Fachwerkhaus, das früher ein Bordell war - interessant! Später in Volkach hatte sich die halbe Stadt am Marktplatz-Brunnen versammelt, zum Schöppeln im Sonnenschein. Das war sehr, sehr schön - ein perfektes Ende der Staffel.

Gibt es etwas, dass Euch drei Woidboyz auseinanderbringen könnte?
Uli: Den Andi und mich bringt bestimmt nix auseinander.
Andi: Den Basti und uns auch nichts.
Uli: So lange Leute unsere Sendung anschauen, so lange wird's unser Trio geben. Ihr werdet's uns nicht los!
Andi: Erst, wenn wir mal mit allen Menschen in Bayern gesprochen haben, könnte es eng werden.
Uli: Aber es kommen ja immer neue Menschen nach...


INFO: Die "Woidboyz on the Road" sind immer donnerstags um 23.15 Uhr im BR-Fernsehen zu erleben. Am 7. Juni sind die Drei zu sehen, wie sie von Altfeld nach Kitzingen unterwegs sind, am 14. Juni ziehen sie weiter, von Kitzingen über Dettelbach bis Volkach. Weitere Infos: br.de/Woidboyz und www.facebook.com/woidboyz.
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