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Wohnungsnot in Bamberg schadet der Wirtschaft

Wie teuer Häuser und Wohnungen in Bamberg geworden sind, zeigt der Vergleich mit anderen Städten im Umkreis. Das frustriert nicht nur die Wohnungssuchenden,auch die Unternehmen leiden unter dem Mangel. IHK und Handwerkskammer für Oberfranken kritisieren deshalb den geplanten Abriss von Wohnungen.
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Luxusbaugebiet im Bamberger Nordwesten. Nach Meinung des Vizepräsidenten der Handwerkskammer geht die ausschließliche Konzentration auf hochpreisige Wohnungen an den Bedürfnissen der meisten Bamberger vorbei.  Foto: Ronald Rinklef
Luxusbaugebiet im Bamberger Nordwesten. Nach Meinung des Vizepräsidenten der Handwerkskammer geht die ausschließliche Konzentration auf hochpreisige Wohnungen an den Bedürfnissen der meisten Bamberger vorbei. Foto: Ronald Rinklef
Wohnungsuche in Bamberg - es gibt Angenehmeres. Das wissen nicht nur jene, die mit durchschnittlichem Salär eine Bleibe in der Domstadt suchen. Es wissen auch die Chefs, die neue Mitarbeiter anwerben oder halten wollen. "Für uns ist es mittlerweile ein Standortnachteil, dass Wohnraum so teuer ist, gerade für die Dienstleistungsbetriebe", sagt Heribert Trunk, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken.

Dass durchschnittlich bezahlte Facharbeiter bei der Suche nach Wohnungen lange suchen oder ins günstigere Umland ausweichen müssen, ist unter diesen Vorzeichen nichts Neues. Doch das Problem hat sich verschärft, parallel zu dem Aufwind, in dem sich der Immobilienmarkt in ganz Deutschland befindet, und ganz besonders in Bamberg.
"Irgendwann hilft das Ausweichen ins Umland auch nicht mehr weiter, weil letztlich die Fahrtkosten die Einsparungen auffressen und der öffentliche Personennahverkehr ins Umland bekanntlich am Abend nur schwach ausgebaut ist", sagt dazu Trunk.

Auf welchem Niveau die Preise inzwischen angelangt sind, das zeigen nicht nur die Kosten für die viel zitierten Investorenvorhaben, die wie auf der Erba-Insel in Einzelfällen schon die 4000-Euro-Grenze pro Quadratmeter überschritten haben. Auch im Gebrauchtwohnungsmarkt ist es eng geworden, wie der neue Preisspiegel der LBS vor Augen führt.

Die Spannen bei gebrauchten Wohnungen in Bamberg bewegen sich demnach zwischen 1300 und 2200 Euro pro Quadratmeter, je nach Lage und Qualität. Den mit Abstand höchsten Preis müssen Immobilieninteressenten in Bamberg im Vergleich mit anderen Städten Ober- aber auch Unterfrankens für gebrauchte Reihenhäuser zahlen. Sie kosten zwischen 160 000 und 320 000 Euro. Ein gebrauchtes Einfamilienhaus schlägt in Bamberg im Schnitt mit 375 000 Euro zu Buche, wobei die Skala im Einzelfall nach oben offen ist.

Freilich, Investitionen im Immobilienmarkt in Bamberg sind nach wie vor wertbeständig. Das ist zumindest die Meinung der Sparkasse Bamberg, des Marktführers beim Verkauf von Eigenheimen und Wohnungen. "Es gibt mittel- und langfristig keinen Grund, in Panik zu geraten", sagt Thomas Winkler, Leiter der Immobilienabteilung der Sparkasse. Was ihn so zuversichtlich macht, sind viele Vorteile, die Bamberg auch über Jahrzehnte hinweg attraktiv erscheinen lassen. Die Landflucht werde auch in den nächsten Jahren anhalten und Bamberg zu den Gewinnern der demographischen Entwicklung machen, glaubt Winkler. Dazu kommen Bambergs natürliche Vorteile wie die günstige Verkehrsanbindung, die Ausstattung mit Bildungseinrichtungen aller Art, schließlich die vielen weichen Standortfaktoren samt einer sympathischen Größe.

Kasernenwohnungen attraktiv

Anders als manche seiner Kollegen aus der Branche teilt Winkler deshalb auch die Zurückhaltung der Stadtplaner und des Konversionsamtes bei den Kasernenwohnungen nicht. "Bamberg kann jederzeit mehrere Hundert neue Wohnungen verkraften, ohne dass der Immobilienmarkt zusammenbricht." Winkler sagt dies auch vor dem Hintergrund, dass Bamberg mit der Ansiedlung der Brose-Gruppe an der Breitenau und den geplanten Gewerbeflächen auf dem Kasernengelände etliche Arbeitsplätze hinzugewinnen werde. Im Gespräch befindet sich bekanntlich der Schaeffler-Konzern, der sich ein Logistikzentrums im Bamberger Südosten vorstellen kann. Aber auch für andere Speditionsbetriebe aus der Region ist die autobahnnahe Lage attraktiv.

Ebenso wie für die IHK stellt sich die Lage für die Handwerkskammer für Oberfranken dar. Vize-Präsident Matthias Graßmann hat wenig Verständnis für die Abrisspläne von Hunderten von Wohnungen, während gleichzeitig die Mitarbeiter vieler Handwerksbetriebe Probleme haben, preisgünstige Wohnungen zu finden. "Das geht soweit, dass wir die Fachkräfte nicht bekommen können, die wir wollen und weniger Umsatz machen als wir könnten", sagt Graßmann.

Die Aussage der Experten, dass der Bamberger Wohnungsmarkt kollabiere, wenn zu viele Wohnungen auf den Markt kämen, kann Graßmann nicht nachvollziehen. "Die großen Wohnungen wären die ideale Ergänzung für den hochpreisigen Bamberger Immobilienmarkt. Was auf der Erba-Insel gebaut wird, ist für die meisten Bamberger nicht erschwinglich."





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