Bamberg
Kirche

"Woche für das Leben" in Gaustadt eröffnet

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Caritas-Seniorenzentrum St. Josef Gaustadt eröffneten Weihbischof Herwig Gössl und Regionalbischöfin Dorothea Greiner die "Woche für das Leben".
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Die meisten Hausbewohner des Seniorenzentrums St. Josef feierten den ökumenischen Gottesdienst mit. Foto: Bärbel Meister
Die meisten Hausbewohner des Seniorenzentrums St. Josef feierten den ökumenischen Gottesdienst mit. Foto: Bärbel Meister
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Nach einem Schlaganfall ist Waltraud Pfister (Name von der Redaktion geändert) nicht nur halbseitig gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Auch ihr Sprachvermögen hat gelitten, die alte Dame kann sich nicht mehr artikulieren. Doch sie kann singen: Deutlich kommt ihr die Liedzeile "Ich habe Frieden in meinem Herzen" von den Lippen. Waltraud Pfisters warme Altstimme bereichert den Hauschor des Caritas-Seniorenzentrums St. Josef in Gaustadt, in dem sie seit einiger Zeit lebt. Liebevoll umsorgt von den pflegenden Mitarbeiterinnen.

Besonders von den Ordensschwestern, den Assisi Sisters of Mary Immaculate (Assisi Schwestern von Maria Immaculata), die aus dem indischen Bundesstaat Kerala nach Bamberg-Gaustadt gekommen sind.
Schwester Telma Francis Sherly-James, Trägerin der Bamberger Stadtmedaille, leitet das Seniorenzentrum.
Mit Waltraud Pfister ist eine ganze Schar Hausbewohner von den Schwestern und Ehrenamtlichen in die Kapelle gebracht worden, um dieses besondere Ereignis mitzufeiern: den ökumenischen Gottesdienst, mit dem Weihbischof Herwig Gössl und Regionalbischöfin Dorothea Greiner für das Erzbistum Bamberg und den evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Bayreuth die "Woche für das Leben" eröffnen.

Die Vielfalt des Lebens

Die Feierstunde steht unter dem Motto "Herr, Dir in die Hände", zugleich Leitwort der "Woche für das Leben". Weihbischof Gössl spricht von dem "Leben in ganzer Buntheit und Vielfalt", das in diesen Tagen vorgestellt wird. So thematisieren Lieder und Gebete "Menschen in Gottes Hand": Familien, ungewollt schwangere Frauen, Kranke und Pflegebedürftige, Behinderte, Alte und Sterbende. "Leben und Würde vieler Menschen in dieser Welt und auch in unserer Gesellschaft werden immer wieder gering geachtet", heißt es in einem Text. Für den Schutz des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen müssten Christen durch ihr Wort und Zeugnis eintreten.

Als "halbe Sache gegen den Pflegenotstand" bezeichnet Bischöfin Greiner in ihrer Predigt die Erhöhung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung um 0,3 Prozentpunkte zum 1. Januar 2015. "Das wird nicht reichen", erklärt sie nachdrücklich. Greiner weist darauf hin, dass die Wohlfahrtsverbände eine Erhöhung des Beitragssatzes um einen vollen Prozentpunkt fordern sowie einen Begriff von Pflegebedürftigkeit, der auch demente Menschen einbezieht: "Das muss ein Hebel in der Diskussion werden, damit wieder der ganze Mensch Ziel der Zuwendung wird," betont die Bischöfin.

Ein Auseinanderdividieren von Körper, Seele und Geist sei kein Grundzug biblischer Theologie, sondern philosophische Interpretation: "Es braucht in der Pflege wieder den ganzheitlichen Blick auf den Menschen." In der Pflegeversicherung, die Leistungen "parzelliert in Tätigkeiten an einzelnen Körperteilen von Menschen" finanziere, sei eine "Wende zum ganzen Menschen" vonnöten.

Ja zum Kind

Die Verfassungsbeschwerde des Sozialverbandes VdK wegen unterlassener Hilfeleistung des staatlichen Gesetzgebers gegen die menschenunwürdigen Zustände in etlichen Pflegeheimen sei zwar problematisch, doch "sie leistet wenigstens dies, dass sie den Augenmerk auf den Pflegenotstand richtet", so Greiner: "Die Pflege braucht Pflege und Heilung, sie ist krank."

Dass der Anfang und das Ende des Lebens immer menschenwürdige Rahmenbedingungen vorfindet, "bezweifle ich", sagt die Predigerin. Sie beklagt, dass in Deutschland auf tausend Geburten immer noch 160 Abtreibungen kommen, dass über 100 000 ungeborene Kinder jedes Jahr abgetrieben werden. Dorothea Greiner appelliert, dafür zu sorgen, eine Gesellschaft zu schaffen, in der man Ja zum Kind sagen und in der Kinder kein Armutsrisiko seien.

An der Gestaltung des Gottesdienstes wirken der katholische Hausgeistliche Andreas Röckelein, der Vorsitzendes des Diözesan-Caritasverbandes Edgar Hagel sowie die evangelischen Pfarrer Hans- Friedrich Schäfer und Wilfried Geyer mit. Einige Stadträte sind zugegen und weitere Gäste aus dem öffentlichen Leben.
"Wunderschön war's", strahlt Hausbewohnerin Mathilde Stöcklein (Name geändert) am Schluss der Feier. Auch Waltraud Pfister schaut überaus glücklich drein. Mit anderen Gefährten bleiben die Frauen zum Sektempfang in der Caféteria, während einige Gäste die "Hausgemeinschaften" des Seniorenzentrums besuchen oder das benachbarte, mit der Caritas kooperierende "Haus Miteinander" der Joseph-Stiftung. In diesem Haus wird das Konzept des generationengerechten Wohnens in allen Lebensphasen umgesetzt.

Initiative Die "Woche für das Leben" ist eine Initiative der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland, die jährlich im Mai begangen wird. Mit verschiedenen Veranstaltungen wollen die Kirchen auf die vielfältigen Gefährdungen des menschlichen Lebens hinweisen.

Eröffnung Die zentrale Eröffnung der "Woche für das Leben 2014" wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst am vergangenen Samstag im Dom von Erfurt begangen.

Gottesdienste Im Erzbistum Bamberg und im Kirchenkreis Bayreuth werden in zahlreichen Orten bis zum 10. Mai weitere ökumenische Gottesdienste zu diesem Themenkomplex gefeiert.






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