Bamberg
Skateboarding

Neuer Skatepark in Bamberg: Wo man sich bewegt und begegnet

Auf Eigeninitiative der Bamberger Skater und mit Unterstützung der Stadt entstand in kurzer Zeit ein neuer Skatepark.
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Fabian Densch hat beim Bau des Skateparks selbst mit angepackt. Hier macht er einen Frontside Boardslide. Foto: Dan Oppel
Fabian Densch hat beim Bau des Skateparks selbst mit angepackt. Hier macht er einen Frontside Boardslide. Foto: Dan Oppel
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Rund 20 Menschen im Alter von 12 bis 45 Jahren erzeugen mit ihren Gefährten eine Geräuschkulisse, die sich kaum von den rollenden Autos über ihnen auf der Heinrichsbrücke unterscheidet. Nur klappert, quietscht und klickt es immer mal wieder an diesem sonnigen April-Nachmittag auf "Skate Island", dem neuen Bamberger Skatepark an der Jahnspitze. Ab und zu hört man auch jemanden fluchen.

Zwei junge Frauen machen ein Picknick auf der Wiese, hören Nirvana und sehen zu, wie Fabian Densch auf seinem Board losrollt. Vor einer steilen Rampe geht er in die Knie. Die Rollen klappern, er greift mit der rechten Hand hinter sich ans Board, ein Klicken, dann hebt er ab und dreht sich um 180 Grad in der Luft. "Early Grab" nennt sich sein Lieblings-Trick. Zwei Mal muss er in der Luft loslassen und seinen Körper ausbalancieren, um ohne Blessuren auf den Füßen zu landen. Kurzes Fluchen, neuer Versuch. Beim dritten Mal hält er den "Grab" (Griff) fast bis er aufkommt - diesmal mit seinem Skateboard, dessen Rollen auf dem Boden quietschen.

Der 24 Jahre alte Densch hat vor acht Jahren mit dem Sport angefangen. "Da waren wir nur eine Handvoll Leute", erinnert er sich. Mittlerweile gebe es mindestens 100 Skater in der Stadt.

Umso dringender brauchten sie einen Platz. "Früher sind wir nach Strullendorf oder Burgkunstadt gefahren", erzählt Bastian Zsigmond. Der Anfang 40-Jährige lebt seit 12 Jahren in Bamberg. Wie sich die Szene entwickelt hat? "Szene? Pff... Naja, jetzt haben wir einen richtig guten Park, jetzt kann sich hier eine entwickeln", sagt Zsigmond, der selbst planerisch mitgewirkt an.

OB: "Vorbildlicher Prozess"

"Ich bin schon echt stolz, wenn ich das hier so sehe", freut sich auch Steven Baker, Zweiter Vorsitzender der Bamberger Skatefreunde. Der Verein brachte seine Vorstellungen, unterstützt vom Jugendverein "Iso", bei der Stadt ein. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) gefiel die Idee der engagierten Jugendlichen. "Nach dem ersten Gespräch begann ein vorbildlicher Beteiligungsprozess", sagt Starke. "Die jungen Skater haben sich sehr für ihren Park engagiert." Viele halfen selbst aktiv mit, jeder brachte sich auf seine Weise ein. Dadurch kostete der Park mit 180 000 Euro auch 20 000 Euro weniger als geplant. "Das kommt bei Bauprojekten ja nicht allzu oft vor", bemerkt Zsigmond.

Vor drei Jahren gründeten Steven Baker und Alexander Bergmann den Verein der Skatefreunde, zunächst um Anfängerkurse anbieten zu können. Mittlerweile hat der Verein etwa 30 Mitglieder. Ende 2016 berichteten die Skater zusammen mit Iso dem Stadtrat von den schlechten Zuständen der Bamberger Skateparks. Anfang 2017 wurde ein Plan erarbeitet, den die Sportler wenige Monate später dem Stadtrat präsentierten. Das Gartenamt schätzte die Kosten auf rund 200 000 Euro. Die Skater organisierten Sponsoren, so dass die Stadt nur 150 000 Euro ausgeben musste. Im August 2018 begann der Bau.

Skater achten auf ihren Park

Die Skater arbeiteten fleißig mit. "So haben wir auch einen ganz anderen Bezug zu unserem Park", sagt BMX-Fahrer Christopher Tretbar. "Wir pflegen ihn auch gerne." Nicken in den Reihen der Skateboarder, am Rand des Parks liegt ein Besen. Schließlich solle es nicht nur ein Ort der Bewegung, sondern auch der Begegnung sein. Die Stelle am Kanal sei dafür besonders attraktiv. Der Familienvater komme gerne mit seiner Frau und seinen Kindern. "Das wertet Bamberg noch mal auf. Deshalb ist es uns auch wichtig, den Park in Schuss zu halten."

Auch qualitativ kam ein guter Park heraus. Der Profi-Skater Chris Pfanner aus Österreich sei auch schon zu Besuch gewesen und habe ihn als "besten Park bis München" bezeichnet, erzählt Skater Fabian Densch.

Neben Skatern und BMX-Fahrern sind auch Kinder mit ihren Tretrollern hier. Teils auch schon mit Skateboards. So könne die Szene wachsen, ohne das der Park wie andernorts zum "sozialen Brennpunkt wird", wie Zsigmond meint.

"Es freut mich auch zu sehen, dass sich immer mehr Frauen fürs Skaten interessieren", sagt Steven Baker von den Skatefreunden. Wenig später fragt eine 15-Jährige einen 45-Jährigen, wie man den Trick "Pop Shuvit" angeht, die Angst überwindet. Die Antwort: "Viel üben. Mit dem Board vertraut werden. Irgendwann klappt's."

Die junge Bambergerin habe erst im August 2018 mit dem Skaten begonnen. "Eine coole Sache für Frauen. Das steigert das Selbstbewusstsein." Es sei super, dass es in Bamberg nun eine gute Möglichkeit zum Skaten gibt. "Also Frauen, probiert's einfach mal."

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