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Entwicklung

Wo gibt es im Landkreis noch Bauplätze?

Die Nachfrage n nach Bauplätzen hält an. Doch wo findet man noch Grundstücke? Der FT hat nachgefragt und eine Familie besucht, die zeitig dran war.
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Das jüngste Baugebiet in Burgebrach, in dem Familie Waltrapp sich ansiedeln konnte. Aber jetzt sind alle Plätze vergeben. Foto: Anette Schreiber
Das jüngste Baugebiet in Burgebrach, in dem Familie Waltrapp sich ansiedeln konnte. Aber jetzt sind alle Plätze vergeben. Foto: Anette Schreiber
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Laura und Dominik Waltrapp haben es geschafft: Das Paar aus dem westlichen Landkreis hat sich den Traum vom eigenen Heim verwirklicht und ist rundum zufrieden: In Burgebrach haben die Lisbergerin und der Trunstadter eine neue Heimat gefunden. Zuvor hatte das Paar vier Jahre in Bischberg gewohnt, wo man eigentlich bauen wollte. Doch in Bischberg wären die Preise unerschwinglich gewesen, an Bamberg erst gar nicht zu denken. In Burgebrach haben Waltrapps ihre eigenen 655 Quadratmeter um über die Hälfte günstiger bekommen, als sie sie in Bischberg hätten zahlen müssen.

In fast allen stadtnahen Gemeinden, allen voran Hallstadt und Bischberg gibt es im Moment so gut wie keine gemeindeeigenen Bauplätze. Private gibt es wohl noch einige, allerdings dann zu Quadratmeterpreisen auch weit über 300 und bis 500 Euro, so Bürgermeister Johann Pfister (BI).

In Burgebrach jedenfalls haben Waltrapps vor drei Jahren für den Quadratmeter voll erschlossenen Baulandes für 95 Euro bekommen. Zusammen mit dem Haus, in dem allerdings sehr viel Eigenleistung steckt, so Dominik Waltrapp, hat die Familie rund 280 000 Euro investiert. Innerhalb von 25 Jahren und bei einem Zinssatz von 1,6 Prozent will die Familie das Haus abbezahlt haben. "Wir haben jung genug gebaut", steht für den 29-Jährigen fest. Er wie seine Frau Laura sehen sich nun in der Entscheidung für Burgebrach bestätigt. Die nun vierköpfige Familie fühlt sich gut aufgenommen, man engagiert sich in Vereinen und schätzt die vielen Einrichtungen am Ort.

Als Neubürger wollten der Bank-Filialleiter und die Fremdsprachenkorrespondentin in ein Neubaugebiet, weil da alle in der gleichen Situation sind, auch die Einheimischen, erklärt Laura Waltrapp eine Überlegung.

Burgebrach gehört zu den Gemeinden, die sich besonderer Nachfrage erfreuen, wie viele, die bis etwa 15 Kilometer von Bamberg entfernt liegen. Burgebrachs Bürgermeister Johannes Maciejonczyk (CSU) berichtet von 120 verkauften Bauplätzen in den vergangenen drei Jahren.

Gut nachgefragt ist auch Baugrund in Scheßlitz oder in Baunach. Allein in Baunach werden heuer zwar 31 Bauplätze fertig, sie sind jedoch bereits alle vergeben. Für eine gewisse Entspannung auf der Nachfrageseite könnten dann 19 Bauplätze im Gemeindeteil Dorgendorf bringen, mit deren Erschließung begonnen wird. Auch Scheßlitz weist weiteres Bauland aus, allerdings, so wie nahezu alle der boomenden Gemeinden, vor allem in Gemeindeteilen.

Vor Anfragen kaum retten kann sich auch Hallstadt. Doch herrscht hier bei der Baulandentwicklung nahezu Stillstand. Ganze drei Baugrundstücke hat die Stadt Hallstadt zu vergeben. Dazu wird gerade über einen komplexen entschieden, in dem Nicht-Hallstadter wohl kaum eine Chance haben dürften, zum Zug zu kommen. Und für die Ausweisung eines größeren, neuen Baugebietes fehlen der Stadt schlicht die Flächen.

Die meisten freien Baugrundstücke in kommunaler Hand hat Ebrach mit insgesamt zwölf. Trotz des sehr günstigen Preises von 40 bis 50 Euro für den erschlossenen Quadratmeter tut sich die westlichste Landkreisgemeinde schwer, Interessenten zu finden.

Ganz anders wird es sich in Kemmern verhalten. Die Gemeinde wird einen großen Wurf wagen: Im Jahr 2021 sollen laut Planung Bauwilligen rund 100 neue Baugrundstücke zur Verfügung stehen.

Die Speckgürtelgemeinde Memmelsdorf hat derzeit immerhin sechs Baugrundstücke im Angebot, was sie 2020 um zusätzliche 35 erhöhen möchte, in Gemeindeteilen. Nahezu überall lässt sich in den kommenden Jahren jeweils zumindest mäßiges Wachstum ausmachen. Wer sich noch gedulden kann, der dürfte in den Jahren 2020/21 eine größere Auswahl an Baugrundstücken finden, als es derzeit der Fall ist, grob überschlagen werden dann wohl über 800 Bauplätze auf dem Markt sein.

Bodenrichtwerte

Und aktuell? Gemeindeeigene, oder solche bei denen Gemeinden Mitspracherecht haben, stehen derzeit circa 100 Bauplätze zur Verfügung. Die meisten (19) in Gerach, Schlüsselfeld (14), Gundelsheim und Heiligenstadt (jeweils zehn). Die überwiegende Zahl der Landkreiskommunen kann derzeit keine eigenen Bauplätze anbieten. Was natürlich bei privaten die Preise steigen lässt, oftmals weit über die Bodenrichtwerte.

Alle zwei Jahre ermittelt der aus Fachleuten bestehende Gutachterausschuss am Landratsamt diese. Es handelt sich um den durchschnittlichen Lagewert des Bodens, der für baureife Flächen auf Basis einer Kaufpreissammlung ermittelt wurde. Waltrapps sind jedenfalls froh, bezahlbar gebaut zu haben.

KOMMENTAR:

Baulücken sind das Problem

Das große Problem sind Baulücken. In der größten Kreis-Kommune Hirschaid summiert sich deren Zahl auf rekordverdächtige 400. Vielen anderen Gemeinden geht es ähnlich: Eigentlich verfügen sie über einen Fundus an sofort bebaubaren Grundstücken, nur befinden diese sich in privater Hand und kommen gerade jetzt nicht auf den Markt. Der Grund dafür ist genau der gleiche wie für den seit einigen Jahren anhaltenden Bauboom - dauerhaft niedrige Zinsen. Eine besondere Erwähnung verdient freilich Lisberg, das es in fünfeinhalb Jahren geschafft hat, die Zahl der Baulücken zu halbieren.

Gerade die gefragten, stadtnahen Gemeinden sind trotz ihrer vielen freien Grundstücke gezwungen, neues Bauland auszuweisen. Günstige Preise lassen aber auch etliche Häuslebauer in etwas entferntere und damit günstigere Gemeinden ziehen. Freilich lockt auch die günstigste nicht dauerhaft, wenn Faktoren wie Nahversorgung fehlen.

Andererseits muss eine "entlegenere" Gemeinde wie Königsfeld mit 100 Euro pro Quadratmeter vergleichsweise viel verlangen. Einfach deswegen, weil Erschließung aufgrund der Bodenbeschaffenheit schwieriger, also teurer ist und umgelegt werden muss. Üppig Land auszuweisen wie noch vor 15/20 Jahren ist vorbei. Moderates kreisweites Wachstum zeichnet sich ab. Erfreulicherweise gerade in Gemeindeteilen. Was einen durchaus positiven Nebeneffekt in Sachen gleichmäßiges Wachstum darstellt.

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