Bamberg

Wo Bedürftige günstig einkaufen können: Josefslädchen in Bamberg braucht dringend neuen Transporter

Das Bamberger Josefslädchen braucht dringend einen neuen Transporter. Menschen mit wenig Geld bekommen in diesem besonderen Geschäft erschwingliche Lebensmittel. Die Kunden stehen dafür auf der Straße Schlange.
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Brigitte Herold, Anne Wild und Marianne Bach arbeiten ehrenamtlich im Josefslädchen der Caritas. Fotos: Stefan Fößel
Brigitte Herold, Anne Wild und Marianne Bach arbeiten ehrenamtlich im Josefslädchen der Caritas. Fotos: Stefan Fößel

Fünf vor eins herrscht ganz kurz Ruhe vor dem Ansturm. Brigitte Herold rückt das Gemüse ein letztes Mal zurecht, Anne Wild verteilt noch etwas Obst im Regal, Marianne Bach verschafft sich einen abschließenden Überblick. Dann verliest Silvia Emmert die Nummern der ersten sechs Berechtigungskarten.

Sofort betreten fünf Frauen und ein Mann das Josefslädchen. Hochkonzentriert und fast ohne ein Wort nehmen sie die Regale ins Visier. Nur einen Einkaufskorb dürfen sie jeweils füllen, daher wählen sie jeden Gegenstand mit Bedacht. Konservendosen, Obst, Gemüse und Backwaren sind besonders begehrt. "Wir schauen schon drauf, dass nicht eine Kundin drei Päckchen Lachs nimmt und dann für die anderen nichts übrig bleibt", erläutert Emmert.

Josefslädchen in Bamberg: Bedürftige stehen draußen Schlange - und es werden immer mehr

Mehr Bedürftige dürfen in der ersten Runde nicht hinein, um in den knappen Räumlichkeiten einen geordneten Einkauf zu ermöglichen. Draußen stehen noch zehn weitere Menschen und es werden minütlich mehr. An manchen Tagen wollen 50 Bedürftige im Josefslädchen einkaufen, höchstens zweimal in der Woche dürfen sie kommen. Ein Farb- und Lossystem sorgt dafür, dass nicht immer die Gleichen als Erste in den Laden dürfen.

Eine Rentnerin ist mittlerweile mit einem gut gefüllten Korb bei Emmert angekommen. Die Koordinatorin nimmt alle Waren kurz in Augenschein und verlangt dann symbolische sieben Euro - die sich jedoch am tatsächlichen Warenwert orientieren.

Wenn Kunden ihre Einkäufe abgeschlossen haben, werden die nächsten hereingerufen. Wie Christof L. (Name geändert), der auch schon eine ganze Weile in der Kälte steht. Der Familienvater ist 2002 arbeitslos geworden, da war das dritte Kind gerade unterwegs.

In seinem erlernten Beruf hat er seitdem keinen Job mehr gefunden. L. musste lernen, mit deutlich weniger Geld über die Runden zu kommen. "Es ist gut, dass es das Josefslädchen gibt. Die Auswahl ist gut und es hat was von richtigem Einkaufen", sagt der Bamberger. Auch er blickt konzentriert in die Regale und wählt bewusst aus. "Ich hole Gemüse und Brot, hier ist es billig", sagt eine junge Mutter mit russischem Akzent.

40 Ehrenamtliche helfen mit

"Das Josefslädchen ist das Kernstück unserer karitativen Tätigkeit", erklärt Tobias Späth, der Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbands Bamberg.

"Die Bedürftigen müssen trotzdem noch woanders einkaufen. Aber sie sparen Geld und können sich manche Dinge leisten, auf die sie sonst wohl verzichten würden." Diese Form des Einkaufens mache es für viele Kunden leichter: "Es kostet Überwindung, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen." Direkt neben dem Josefslädchen befindet sich die soziale Beratungsstelle, in der auch die Berechtigungskärtchen ausgestellt werden. "Krisen können jederzeit entstehen. Wer heute noch in der Mitte der Gesellschaft ist, kann ganz leicht auch mal abrutschen", weiß Beraterin Beate Röllich. Maximal 30 Prozent über dem Hartz-IV-Satz (bei insgesamt gut 550 Euro) darf das Einkommen der Kunden liegen.

Caritas braucht dringend Spenden für neuen Kühl-Transporter

Wie berichtet, braucht die Caritas aber dringend Spenden für einen neuen Kühl-Transporter, mit dem die Lebensmittel aus den verschiedenen Supermärkten abgeholt werden können. Das alte Fahrzeug ist nach fast elf Jahren Dauereinsatz mittlerweile Dauergast in der Werkstatt.

40 Ehrenamtliche unterstützen abwechselnd das Josefslädchen. Während Männer vor allem als Fahrer helfen wollen, verteilen die Frauen die Waren im Laden, organisieren den Verkauf und räumen danach auf. Fünf Tage die Woche öffnet das Joseflädchen für je zwei Stunden, mit Vor- und Nacharbeiten sind die Helfer aber zwischen 8 und 17 Uhr im Einsatz. "Mittwochs kommt immer viel Ware", weiß Emmert. "Das ist manchmal Schwerstarbeit für uns."

Anne Wild spricht gerade mit einem Kunden, der sich scherzhaft beklagt: "Die da drüben will den ganzen Laden leerkaufen." Die Helferin, die sich seit zehn Jahren hier engagiert, erklärt ihm, dass die angesprochene Frau eine große Familie hat, und dass auch für ihn genug bleiben wird. "Ich wollte eine ehrenamtliche Beschäftigung und das Team hat mir gut gefallen", sagt Wild. "Man kennt inzwischen auch die Kundschaft."

Zum Mittwochsteam gehört auch Marianne Bach, die hauptberuflich in der Pflege arbeitet - und seit 19 Jahren ehrenamtlich im Josefslädchen. "Viele sind auf solche Angebote angewiesen und die meisten sind auch sehr dankbar", sagt Bach. Seit sechs Jahren hilft Brigitte Herold mit: "Wir verstehen uns gut und obwohl viel zu tun ist, macht es auch Spaß."

Draußen stehen inzwischen wieder zehn Leute. Darunter auch zwei warm eingepackte Seniorinnen. "Wir Alten werden auch immer mehr hier. Was will man machen, wenn die Rente nicht reicht?", sagt die eine und blickt schon durch die offene Ladentür. "Die Auswahl scheint heute noch richtig gut zu sein", sagt die Rentnerin zufrieden. Und gleich wird auch sie ihren Einkaufskorb für wenig Geld füllen.

So können Sie dem Josefslädchen in Bamberg helfen!

Spendenverein Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen sowie ihr Internetangebot jeden Tag unzählige Menschen. Das nutzt die MGO, um Hilfsbedürftigen in ganz Franken zu helfen. Seit 2009 gibt es daher den Spendenverein "Franken helfen Franken". Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an gemeinnützige Organisationen und in Not geratene Menschen in der Region. Die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken - Franken helfen Franken e.V.; Sparkasse Bamberg; IBAN DE 62 7705 0000 0302 1945 01; BIC BYLADEM1SKB. Als Verwendungszweck geben Sie "Josefslädchen" an, wenn Sie dazu beitragen wollen, dass das Josefslädchen einen dringend benötigten neuen Transporter anschaffen kann. In einer parallel laufenden Aktion sammelt FhF Geld, damit die Forschung zur Linderung von Ichtthyose unterstützt wird, an der die kleine Elli leidet (Verwendungszweck "Hautkrankheit").

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