Bamberg

Wird der Traum vom Garnisonsmuseum wahr?

Seit über 30 Jahren ist Helmut Weis in der US-Garnison in Bamberg für den Recyclinghof zuständig. Doch seine große Leidenschaft gilt der Geschichte der Kaserne.
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Zusammen mit Manuela Harris hegt er einen großen Traum: ein Garnisonsmuseum in einem der historischen Pferdeställe. Foto: RiegerPress
Zusammen mit Manuela Harris hegt er einen großen Traum: ein Garnisonsmuseum in einem der historischen Pferdeställe. Foto: RiegerPress
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Auf dem Recyclinghof der Bamberger US-Kaserne herrscht reger Betrieb. Fahrzeuge des kaserneneigenen Fuhrparks liefern mehrmals täglich Sperrmüll an. Kaputte Möbel, Pappkartons und Altpapier krachen in die Container. Ein Gabelstapler flitzt hin und her und hilft bei der Entsorgung besonders sperriger und schwerer Gegenstände.

Helmut Weis hat ein Auge auf den emsigen Betrieb. Seit 1981 ist Weis (58) in der Kaserne angestellt. Mittlerweile kennt er jeden Ziegelstein der Warner Barracks. Aufgewachsen ist er ganz in der Nähe, im Gebiet um den Bamberger Volkspark. "Ich hab mich schon als kleiner Bub in der Kaserne rumgetrieben und hab mir im Sommer mein Erdbeereis erbettelt", erzählt er mit verschmitztem Lächeln.
"Die Militärpolizei hat sich einen Spaß daraus gemacht, uns Kindern nachzustellen." Auf dem Heimweg von der Schule hätten GIs ihnen Geldmünzen über die Kasernenmauer zugeworfen, die sie zuvor allerdings mit dem Benzinfeuerzeug heiß gemacht hatten, erinnert er sich.

Von Anfang an, so schildert Weis, hatte er ein großes Interesse an der Geschichte der Kaserne. Unter seinen Kollegen gilt er als intimer Kenner der Garnisonsgeschichte, als heimlicher "Garnisonshistoriker" und ausgewiesener Spezialist für die Bamberger Munitionsanstalt (Muna). Das Sammeln von Anekdoten, Fotos und Briefen ist für ihn "wie eine Sucht", wie er sagt.

Seine Leidenschaft fürs Sammeln von militärhistorischen Dokumenten und Gegenständen teilt er mit Manuela Harris. Die 61-Jährige ist seit fünf Generationen mit der deutsch-amerikanischen Geschichte der Bamberger Kaserne verbunden. "Mein Großvater war ein 17er Reiter, mein Vater dann Kommandeur der 'Second Cav.' der U.S. Armee", berichtet sie. Ihr Ehemann war ebenfalls US-Soldat und Kommandeur des in Bamberg stationierten 2. Bataillons des 78. US-Feldartillerie-Regiments. Der Schwiegersohn war schließlich Pionier beim kürzlich aufgelösten 54. US-Pionierbataillon. Die fünfte Generation, Harris' Enkel, besuchten die mittlerweile geschlossene US-Schule in den Warner Barracks.

Weis und Harris haben meterweise Aktenordner zusammen getragen und sich mit zahlreichen - oft hoch betagten - Zeitzeugen unterhalten und die Gespräche niedergeschrieben. So haben sie einen wahren Informationsschatz geborgen. Es ist eine detaillierte Sammlung von Artikeln, Fotos und Briefen, insgesamt über 500 Gigabyte digitalisierten Materials sowie zahlreicher militärischer Exponate, Abzeichen und Uniformteile. "Mehrere Tausend Euro", so Weis, hat er in den vergangenen Jahren in sein Hobby gesteckt, Fotos gekauft, in Archiven sowie im Internet recherchiert.

"Ich bekomme viele Anfragen aus Amerika und helfe gerne bei der Rekonstruktion. Wir sind für jede Info, für Bilder und Dokumente über die Kaserne dankbar, um den historischen Aspekt auszubauen", sagt Weis. Immer wieder hätten ihn Amerikaner gebeten, sie über die Warner Barracks zu führen und Einblicke in die Kaserne zu geben, als dort noch Königlich-Bayerische Infanterie, Reichswehr oder Wehrmacht untergebracht war. "Es ist ein Traum von uns, nach dem Abzug der US-Armee, ein Garnisonsmuseum zu eröffnen", sagen Weis und Harris. "Wir wollen die Tradition bewahren." Es gebe ein großes Interesse in der Bevölkerung, das habe man während der verschiedenen Vorträge zur Konversion des Militärgeländes immer wieder gemerkt.

In der Kaserne haben Weis und Harris im letzten Jahr eine kleine Ausstellung zusammengetragen. Die Hobbyhistoriker wurden dafür von zahlreichen privaten Sammlern unterstützt, von Reservistenverbänden und anderen Museen. Highlights waren etwa die Uniform des allerersten US-Kommandeurs Nathan Preston, ausgestellt neben der Uniform der letzten Bamberger Garnisonskommandeurin, Michelle Bienias. Daneben waren Fotos und Ehrensäbel und Paradehelme Bamberger Kavalleristen zu sehen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg, berichtet Manuela Harris, waren zu Höchstzeiten 2000 Pferde des 17. Reiter-Regiments, der Bamberger 17er Reiter, in der Lagardekaserne untergebracht. Der Wunschort für das Garnisonsmuseum liegt daher für die beiden auf der Hand: Die Sammlung, die die fast 125-jährige Garnisonsgeschichte Bambergs ausführlich beschreibt, soll in einem nahezu komplett erhaltenen Pferdestall aus Reichswehrzeiten in der Lagarde-Kaserne unterschlüpfen. Weis hat dort, im Heuboden unter Holzbohlen, Gerstenkörner der Reichswehrkavallerie entdeckt. Zwar ging die Saat im heimischen Garten noch auf, fiel aber über Nacht den Schnecken zum Opfer...

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