Bamberg
Ankerzentrum

Wird Bamberg bei den Flüchtlingen entlastet?

In Bamberg leben noch immer die meisten Flüchtlinge in der Region. Doch nun plant die Regierung eine Reduzierung der Gemeinschaftsunterkünfte.
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Die Ankereinrichtung Oberfranken führt dazu, dass über 25 Prozent aller Asylbewerber in Oberfranken in Bamberg leben. Die unterschiedliche Belastung im Regierungsbezirk wurde  im Integrationssenat angeprangert und soll jetzt entschärft werden.  Ronald Rinkllef
Die Ankereinrichtung Oberfranken führt dazu, dass über 25 Prozent aller Asylbewerber in Oberfranken in Bamberg leben. Die unterschiedliche Belastung im Regierungsbezirk wurde im Integrationssenat angeprangert und soll jetzt entschärft werden. Ronald Rinkllef
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Auch im Herbst 2018 ist es die Stadt Bamberg, die den mit Abstand größten Anteil an der Unterbringung von Asylbewerbern stemmt. Mehr als ein Viertel aller registrierten Flüchtlinge in Oberfranken leben in Bamberg, weitere 9,7 Prozent im Landkreis Bamberg.

Wie stark die Flüchtlingsquoten in den Städten und Landkreisen in Oberfranken voneinander abweichen, lässt sich an den Zahlen ablesen, die die Regierung von Oberfranken jetzt den Mitgliedern des Familien- und Integrationssenats vorlegte.

Demzufolge lebten in Bamberg zum 1. Oktober 2018 1724 Asylbewerber, davon 1295 in der Ankereinrichtung Oberfranken (AEO) mit ihrer Fluktuation von bis zu 300 Ab- und Zugängen pro Monat. Weitere 429 Personen sind aktuell in Bamberg in den vier Gemeinschaftsunterkünften und in einer Ausweichunterkunft untergebracht.

Zum Vergleich: In der kreisfreien Stadt Coburg liegt die Zahl der Asylbewerber mit 305 Personen deutlich niedriger als in Bamberg. Noch weniger Asylbewerber müssen derzeit die Stadt Hof mit 225 und der Landkreis Kronach mit 251 Menschen versorgen. Allenfalls der Landkreis Wunsiedel hat mit 613 Personen noch eine verhältnismäßig hohe Quote.

An diesen von Stadträten der SPD, der Bamberger Allianz und des Bamberger Bürger-Blocks kritisierten Verhältnissen hat sich in den letzten drei Jahren wenig verändert. Doch nun könnte "Bewegung in die Zahlen kommen", wie Richard Reiser vom Sozialamt sagte.

Reiser bezog sich auf ein im September gegebenes Versprechen des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU). Der hatte in einem Treffen mit Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) zugesagt, die neben der AEO in Bamberg betriebenen Gemeinschaftsunterkünfte sukzessive zu schließen und entsprechend auch die Zahl der Flüchtlinge zu reduzieren. Probe aufs Exempel sind die von der Stadt angemietete Unterkünfte Ludwigstraße 14 und 16, die Ende März 2019 geschlossen werden sollen. Denn dann laufen die bestehenden Mietverträge aus. Über 50 Personen wären betroffen.

Tatsächlich gab Stefan Krug von der Regierung von Oberfranken an, bereits ein Konzept erarbeitet zu haben, wie Bamberg dem Wunsch aus der Politik und der Bevölkerung entsprechend entlastet werden soll. Nach dem "Modell Zirndorf" soll die Neuregelung langfristig dazu führen, dass in Bamberg außerhalb der AEO keine Asylbewerber mehr untergebracht sind. Details sollen in den nächsten Tagen im Innenministerium besprochen und abgesegnet werden. Allerdings: Eine zeitliche Festlegung mochte Stefan Krug wohlweißlich nicht abgeben. Bekanntlich existieren für die beiden Gemeinschaftsunterkünfte an der Breitenau langfristige Mietverträge mit dem Hauseigentümer.

Dank an die Bevölkerung

Stefan Krug und Bambergs Bürgermeister Christian Lange (CSU) nutzten die Gelegenheit, um sich "bei der Bevölkerung in Bamberg für deren außergewöhnlichen Einsatz für Integration und für die Aufnahmeleistung zu bedanken. Bamberg habe durch die AEO die mit Abstand größten Lasten in Oberfranken zu tragen.

Dass das Ankerzentrum Bamberg noch mindestens bis 2025 einen starken Zustrom an neuen Menschen bescheren wird, zeigt eine Zahl, die so bisher noch nicht bekannt war. So bezifferte AEO-Leiter Markus Östlerlein, die Quote derjenigen Bewohner des Ankerzentrums, die eine Perspektive auf Anerkennung besäßen mit annähernd 50 Prozent. Zu der überraschend hohen Zahl trägt auch die in den letzten Monaten stark gestiegene Zahl von Zeugen Jehovas" bei, die derzeit in Bamberg leben - rund 300. "Die Mitglieder dieser Glaubensrichtung werden in Russland verfolgt und haben eine hohe Perspektive hier bleiben zu dürfen", sagte Markus Österlein.

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