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Bamberg
Corona-Krise

"Wir wollen etwas zurückgeben"

Zwei junge Syrer in Bamberg wollen mithelfen, die ältere Generation vor der Infektion zu schützen.
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Mostopha und sein Bruder Ibo Mohamed kümmern sich. Foto: Julian Megerle
Mostopha und sein Bruder Ibo Mohamed kümmern sich. Foto: Julian Megerle

Schulen und Kindergärten geschlossen, öffentliche Behörden dicht, der Fernverkehr wird zurückgefahren und jetzt geht es auch dem Nachtleben an den Kragen: Das Coronavirus hat auch Bamberg fest im Griff. Jetzt, da das öffentliche Leben Schritt für Schritt einschläft, müssen trotzdem ganz alltägliche Dinge geklärt werden: Auf den Gang zur Apotheke oder in den Supermarkt lässt sich nicht verzichten wie auf ein Seidla in der Kneipe. Besonders für Menschen ab 60 Jahren, welche zur Risikogruppe zählen und mit größerer Wahrscheinlichkeit schlimmere Folgen bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen erwarten könnten, ist die Lage derzeit kompliziert.

"Ich habe angefangen, in meiner direkten Nachbarschaft nachzufragen, ob jemand Hilfe braucht", erzählt Ibo Mohamed am Telefon. 2015 kam er aus Syrien nach Deutschland. "Wir sind damals sehr herzlich aufgenommen worden und wir wollen jetzt in dieser schwierigen Situation etwas zurückgeben", erklärt der Auszubildende seinen Antrieb.

Egal ob Lebensmittel oder Medikamente: Mit einer Gruppe von sechs Menschen haben sein Bruder Mostapha und er sich zusammengeschlossen, um den älteren Menschen in der Stadt die täglichen Besorgungen ins Haus zu bringen. Seinen Facebook-Post dazu haben mittlerweile 150 Menschen geteilt. Auch eine WhatsApp-Gruppe mit fast 30 Mitstreitern ist bereits eingerichtet. Auch eine von ihm unabhängige Facebook- Hilfsgruppe, welche bereits über 800 Mitglieder verfügt und sich über auch den Landkreis erstreckt, existiert bereits.

"Wenn es schwierig wird, muss man als Gesellschaft zusammenstehen, um gemeinsam diese Krise zu überwinden", gibt sich Mohamed zuversichtlich. Wer Zeit habe, könne sich gerne der Hilfsgruppe anschließen. Vor allem junge Menschen sieht er in der Pflicht, sich jetzt einzubringen. Schüler und Studenten könnten hier ihre freie Zeit sinnvoll nutzen.

Unterstützung wünscht sich der Organisator aber auch von anderer Seite: "Es wäre sehr hilfreich, wenn die Stadt Bamberg auf uns zukäme, damit wir uns besser koordinieren können." In den Apotheken hat Mohamed bereits Infoblätter aufgehängt, um auf die Gruppe aufmerksam zu machen.

Nur haben sich bis jetzt kaum Menschen gemeldet, welche die Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Soziale Medien und Messenger sind nicht die Kommunikationswege, über welche die älteren Generationen erreichbar sind. Vielleicht klappe es jetzt über die klassische Zeitung. Mohameds Nachbarin braucht derweil noch keine Unterstützung - aber wird sie sehr gerne in Anspruch nehmen, wenn die Lage sich verschärft.

Kontakt zur Hilfsgruppe E-Mail nachbarschaftshilfe-corona-bamberg@outlook.de

Whatsapp https://chat.whatsapp.com/GvqR9IMrnAk9rTffOomBiJ Facebook "Corona Care Bamberg und Landkreis"

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