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Wir suchen das Abenteuer: So begeistern Sie Kinder fürs Wandern

Wandern ist die ideale Freizeitbeschäftigung für Familien. Aber nur, wenn die Kinder Spaß haben: Sven Hähle erklärt, wie eine Wanderung zum Erlebnis wird.
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Wandertrainer Sven hilft Lotte und Leo, mit ihren gesammelten Schätzen ein Bild zu legen.  Foto: Barbara Herbst
Wandertrainer Sven hilft Lotte und Leo, mit ihren gesammelten Schätzen ein Bild zu legen. Foto: Barbara Herbst
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Die Kastanien vom letzten Jahr müssen noch mit: Lotte und Leo haben gesammelt. Lotte ist sechs Jahre alt, ihr Bruder vier. Ihre Naturschätze legen sie auf der Wiese vor der Bamberger Altenburg zu einem Bild zusammen, und Sven Hähle hilft dabei. Der Leiter der Akademie des Bayerischen Wanderverbands weiß, was Kindern Spaß macht: "Sie wollen etwas erleben, etwas anfassen, ausprobieren, mitmachen." Mit seinen Tipps lassen sich Kinder für die Natur und das Wandern begeistern. Viel Action Naturkinder sind ruhiger, ausgeglichener, interessierter, wissbegieriger, aufgeschlossener gegenüber Neuem und Unbekannten: Sven Hähle erklärt, was der Nachwuchs beim Wandern fürs Leben lernt. Vor allem jede Menge über die Natur - aber es muss spannend vermittelt werden. Eine Möglichkeit zeigen Lotte und Leo mit ihrer Sammlung: Kleine Wanderer können Eicheln, verschiedene Blätter, Zapfen und schöne Steine suchen. "Keine geschützten Arten wie Orchideen pflücken lassen!" Wird mit den gesammelten Materialien nach der Wanderung ein Naturbild auf den Boden "gemalt", können die Jungs und Mädchen erzählen, was ihnen unterwegs aufgefallen ist. Grundsätzlich geht es darum, dass sie selbst etwas machen können: mit einer Becherlupe das Wasser eines Baches untersuchen und schauen, welche Tierchen darin schwimmen. Oder sich in eine Sommerwiese legen, Blumen und Insekten beobachten - und dann die Augen schließen und lauschen. Ein schönes Spiel für kurze Touren ist, Nüsse zu verstecken und später wieder zu suchen. Wie das Eichhörnchen im Winter. Meist haben die Erwachsenen das schlechtere Gedächtnis. Moderne Technik Kinder finden Handys super. Diejenigen, die völlig fasziniert vom Bildschirm sind, lassen sich durch Technik oft auch dazu bewegen, die Natur zu erkunden. Wandertrainer Sven spricht von Spielen wie "Munzee": "Weltweit kleben Leute wetterfeste Aufkleber mit QR-Codes irgendwohin. Andere Spieler suchen solche Markierungen." Wer einen Munzee (gesprochen Munzi, abgeleitet vom deutschen Wort Münze) findet, scannt den Code mit der Smartphone-App ein. "Dafür gibt's im Spiel ein paar Punkte und eventuell ein paar Infos." Die Basisversion ist kostenlos. Das Spielprinzip erinnert an das seit fast 20 Jahren bekannte Geocaching: Bei dieser Schatzsuche mittels GPS werden Behältnisse versteckt, und Kinder können kleine Spielsachen daraus tauschen. Dies geht wiederum auf das "Letterboxing" zurück, das bereits 1854 entstand: Der englische Wanderführer James Perrott deponierte im Dartmoor eine Flasche mit seiner Visitenkarte und forderte andere Wanderer auf, diese zu suchen und ihre eigene Karte zu hinterlassen. Das Prinzip ist 150 Jahre alt, funktioniert aber immer noch - egal ob als klassische Schatzsuche oder mit GPS. Einen Tipp hat Wandertrainer Sven noch für Technikbegeisterte: Handy-Apps, mit denen sich die Realität erweitern lässt (Augmented Reality). "Es gibt Apps wie Peakfinder, mit denen sich herausfinden lässt, wie die Berge am Horizont heißen, oder solche, mit denen Pflanze und Tiere durch Fotoerkennung bestimmt werden." Spannender Weg, cooles Ziel Überschaubare Streckenlängen, wenig Höhenmeter, aber abwechslungsreiche, auch mal hügelige Wege und viele Erlebniselemente: Das macht eine familienfreundliche Strecke aus. Außerdem braucht's ein Ziel, das sich aus Sicht der Kinder lohnt. Sven Hähle empfiehlt Ruinen, Burgen, Schlösser, Höhlen und Schaubergwerke, Freilichtmuseen und Märchenparks. Badesee oder Freibad kommen gut an, bei größeren Kindern auch ein Klettergarten. "Es ist gut, wenn Türme oder Aussichtspunkte an der Strecke liegen. Ein Spielplatz sollte immer am Weg sein." Kinder brauchen regelmäßige Pausen. "Auch Spielpausen!" Und bei der Verpflegung kommt ein Picknick besser an als eine Einkehr. Nette Begleitung

Am meisten Spaß haben Kinder mit anderen Kindern. Also am besten ihre Freunde mit auf die Tour nehmen oder mit mehreren Familien losziehen. "Das geht auch bei den Familien- und Jugendwanderungen des Wanderverbands und seiner Mitgliedsvereine." Im Unterschied zu den Familienwanderungen sind bei Touren der Wanderjugend (für verschiedene Altersgruppen) keine Eltern dabei. Klar: Die Großen würden bei der Abenteuersuche ja nur stören.

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