Hallstadt
Landfrauentag

"Wir sitzen alle in einem Boot"

Dekan Hans-Martin Lechner forderte die Bauern in der Hallstadter Bettelseehalle auf, mit ihren Kritikern im Gespräch zu bleiben.
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Festredner Dekan Hans-Maritin LechnerJoseph Beck
Festredner Dekan Hans-Maritin LechnerJoseph Beck
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Eine ausgewogene Mischung von Informationen und Unterhaltung bot der Landfrauentag in der Bettelseehalle in Hallstadt. Organisiert hatte ihn der Kreisverband Bamberg des Bayerischen Bauernverbandes mit seinem Geschäftsführer Werner Nützel.

Der Landfrauenchor unter seiner Dirigentin Gudrun Kraus stimmte mit dem Lied "Sing ein Lied" musikalisch gekonnt in die Veranstaltung ein. Ihm folgte eine ebenfalls musikalisch unterlegte Meditation der Kreis-, Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller.

Dann zog schon Lisanne Melzer als "Margareta Sonnenschein" singend von hinten in den Saal ein.

Sie habe Hirn und dies und das und könne...könne...es wie die Hühner, sie gackerte und gackerte und brachte ein goldenes Ei zum Vorschein. Vor allem durch ihre Mimik und Gestik beim anschließenden Treffen mit einem Traummann lachten die Zuschauer immer wieder auf.

Vortrag und Predigt zugleich

Auf diese Darstellung als Clown ging dann auch der Referent des Tages, der evangelische Dekan Hans-Martin Lechner, ein. Er gestaltete seine Rede als Mischung zwischen Vortrag und Predigt und verstand es ausgezeichnet, seine Zuhörer über einen längeren Zeitraum zu fesseln. Dabei scheute er sich nicht, auch strittige Themen und Standpunkte anzusprechen, war aber auch offen, seine eigene Meinung zu sagen. Zum Clown sagte er, dass dieser nahe bei den Menschen sei und genau hinschaue.Ob schwermütig oder fröhlich, jener könne über sich selbst lachen.

Lechners Thema lautete: "Im Dialog bleiben." Und sofort ergänzte er: "Ja, wenn das nur so leicht wäre!" Spielerisch habe der Clown gezeigt, was ein Gespräch oder Zwiegespräch erschwere oder verhindere. Sein Gegenüber nicht sehen, nicht wirklich an ihm Interesse haben, sei ein Punkt. Weitere seien an ihm vorbeireden, weil man nur sein Eigenes sagen will. Dazu zeigte er auf das "Ich first der USA". Es helfe auch nichts, fuhr Lechner fort, wenn ich den anderen nur volljammere.

Landwirte nicht immer schuld

Kurz, aber deutlich kam der Dekan anschließend auf den ständigen Wettkampf und das Konkurrenzdenken auch innerhalb der Bauernschaft zu sprechen: "Konkurrenz kann befruchtend sein, aber kann auch kippen." Als Gegenbeispiel erzählte er: "Mein Großvater als Bauer war zufrieden und nicht geprägt vom ,immer größer werden und immer mehr wachsen müssen'."

Balsam goss der Redner dann auf die Wunden, als er erklärte, dass bei der Umweltzerstörung nicht immer die Landwirte die Hauptschuldigen seien. "Wir sitzen alle in einem Boot", ergänzte er und erhielt Zwischenapplaus. Eine klare Grenze zog er im weiteren Verlauf zur AfD mit ihren menschenverachtenden Parolen. "Man muss fragen, was dahinter steht, aber man muss trotzdem mit einander reden", forderte er.

Als Pfarrer meinte er, dass für den Dialog der christliche Glaube entscheidend sei und ging so schnurlos weiter zur Ökumene. Vor der fast nur aus Frauen bestehenden Zuhörerschaft forderte er mehr Frauen in der Kirche und erläuterte dies mit Berichten von Jesus aus der Bibel.

"Es muss etwas geschehen"

Nachdem die Bienen und das Volksbegehren auch beim Landfrauentag ständiges Thema waren, war es wohltuend, die kirchliche Stellungnahme dazu zu hören. Auch er habe unterschrieben, denn es müsse einen Gesprächsimpuls geben. Erfreulich nannte Lechner den runden Tisch mit Alois Glück. "Es muss etwas geschehen in der Gesamtgesellschaft", forderte der Dekan vehement und appellierte an jeden Einzelnen, Hausbesitzer und Verbraucher. Er war fast nicht zu bremsen in seinem Einsatz für Gott, die Schöpfung und die Menschen und erhielt nach seinem Schlusssatz: "Gott erhalte die bäuerliche Landwirtschaft" tosenden Applaus.

Diesen erhielten auch Anneliese Göller und Renate Kreck für ihren Sketch "Ehestreit", der aber eigentlich "Bikinistreit" hätte lauten müssen. Herrlich herausgespielt wurde von beiden das Verhalten eines älteren Ehepaares, bei dem es um Liebe, Geld und Schönheit ging.

Auch der Sketch "Die Letzten ihres Standes" strapazierte die Lachmuskeln. Der Kuhzüchter (Kreisobmann Edgar Böhmer) und der Schweinehalter (stellvertretender Kreisobmann Peter Schlund) wurden im Jahre 2055 von einer grünen Journalistin befragt. Die beiden Rollatorfahrer sprudelten nur so von den schönen Zeiten von 2019. Verfasst hatte das Stück Dagmar Deinlein aus Neudorf.

Politiker müssten nachsitzen

Beim großen Quiz wurden die Politiker und Amtsvertreter auf ihr Wissen über Bienenpflanzen in Balkonkübeln, die Länge von Blühstreifen und bienenfreundliche Küchenkräuter getestet. In der Schule wäre ein Nachsitzen angeordnet worden.

Grußworte sprachen Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder (CSU), Bundestagsabgeordneter Andreas Schwarz (SPD), Landrat Johann Kalb (CSU) und Sigrid Gebhardt als Leiterin der Landwirtschaftsschule. Sie warb intensiv für den Beruf der Hauswirtschafterin.

Nach der Dankesrede der Stellvertretenden Kreisbäuerin Marion Link sangen alle noch das Oberfrankenlied und beendeten so den Landfrauentag.

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