Bamberg
IG-Metall-Automobilkonferenz

"Wir brauchen eine Batteriezellenfabrik"

Der Bezirksleiter der IG Metall in Bayern, Jürgen Wechsler, sieht eine Gefahr für Bayerns Schlüsselindustrie.
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Jürgen Wechsler Foto: Andreas Gebert, dpa
Jürgen Wechsler Foto: Andreas Gebert, dpa
Die IG Metall in Bayern sieht die Schlüsselbranche Automobil infolge des technologischen Umbruchs in Gefahr, vom asiatischen Markt abgehängt zu werden. "Wir brauchen eine Batteriezellenfertigung hier in Bayern", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler bei einer Automobilkonferenz in Bamberg, zu der die Gewerkschaft Betriebsräte von Autoherstellern und Zulieferern aus ganz Bayern eingeladen hatte.
Der Weg hin zu Elektrofahrzeugen ist laut Wechsler inzwischen programmiert. "Leider gehen mittlerweile die Chinesen da vorneweg", sagte Wechsler. Und irgendwann würden diese entscheiden, dass 20 Prozent aller importierten Fahrzeuge elektrisch fahren müssen. "Beim Thema Batteriefertigung sind wir hier meilenweit entfernt."
Wechslers These ist, dass bei einem Boom der Elektrofahrzeuge sich irgendwann die Frage stelle: Wer bekommt von den Chinesen überhaupt noch eine Batteriezelle? Bald würden dann nur noch Batteriepacks angeboten, und Deutschland sei nicht mehr in der Lage, in dieser Antriebstechnik mitzuforschen.
Wechsler forderte deshalb für Bayern eine aktiv gestaltete Industriepolitik, um "einen geregelten Transformationsprozess" in Gang zu setzen. Nur so könne Massenarbeitslosigkeit vermieden werden. Schließlich bilde die Autobranche mit 400 000 Beschäftigten, davon 215 000 direkt im Straßenfahrzeugbau, die Kernstruktur der bayerischen Industrie.


SPD für Bildungsfreistellung

Um Antworten von der Politik zu bekommen, wie die Transformation in der Autoindustrie vonstatten gehen soll, hatte die Gewerkschaft gestern, am Ende der Konferenz, unter anderem alle Parteien zu einer Podiumsdiskussion geladen. Da der CSU-Vertreter abgesagt hatte, saßen allerdings nur Vertreter der Opposition im bayerischen Landtag auf dem Podium.
Natascha Kohnen, Vorsitzende der Bayern-SPD und Landtagsabgeordnete, forderte unter anderem ein Bildungsfreistellungsgesetz. "Wir haben nur einen Rohstoff, und das ist Bildung. Ich glaube, man muss die Neugier auf Bildung wieder wecken." Was ihr auf den Wecker gehe, sei das Zögern in der Dieseldiskussion. Die Verunsicherung gehe dadurch weiter. Es müssten dringend klare Bedingungen her. Eine blaue Plakette würde Klarheit bringen, sagte Kohnen.
Markus Ganserer, Mobilitätssprecher der Landtags-Grünen, forderte eine Nachrüstpflicht, "und das nicht auf Kosten der Verbraucher". "Wir verschlafen die Zukunft, wenn wir nicht Weltmarktführer bei sauberen Fahrzeugen werden", sagte er.
In diese Kerbe schlug auch Thorsten Glauber, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler. "Das Problem ist doch nicht der Diesel, sondern die Abschaltautomatik. Die Autoindustrie hat herumlaviert." Die Dinge hätten längst geregelt gehört.
Christine Völzow, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik bei der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, schlug vor, die Grenzwerte für Stickoxide zu ändern. Dem wollten weder Ganserer noch der Referent für Verkehrspolitik beim BUND, Jens Hilgenberg, folgen. Das sei nur wieder eine Ausrede, sagte Ganserer.


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