Laden...
Bamberg
Interview

Winterdienst in Bamberg: Nicht jede Straße hat Priorität 1

Bambergs verschneite Straßen werden nach einem bestimmten System geräumt. Dabei haben gewisse Strecken Vorrang. Doch manchmal kommt der Schneepflug auch einfach nicht durch zugeparkte Straßen. Florian Probst, Leiter der Abteilung Straßen- und Brückenbau beim EBB, erklärt das System "Winterdienst".
Artikel drucken Artikel einbetten
Harald Dix vom Entsorgungs- und Baubetrieb (EBB) lenkt dieser Tage seinen Lkw mit Schaufel, umgangssprachlich den "Schneepflug", durch Bamberg. Beim Räumen hat beispielsweise der Berliner Ring Vorrang vor einer kleineren Nebenstraße. Foto: Barbara Herbst
Harald Dix vom Entsorgungs- und Baubetrieb (EBB) lenkt dieser Tage seinen Lkw mit Schaufel, umgangssprachlich den "Schneepflug", durch Bamberg. Beim Räumen hat beispielsweise der Berliner Ring Vorrang vor einer kleineren Nebenstraße. Foto: Barbara Herbst
+1 Bild
Er ist doch noch gekommen, der Winter 2014/2015. An den Weihnachtsfeiertagen wurde es in Bamberg plötzlich kalt, weiß und glatt. Seitdem sind die Mitarbeiter des Entsorgungs- und Baubetriebs (EBB) im Dauer-Einsatz, um die Straßen befahrbar zu halten. Im vergangenen Winter hat die Mannschaft knapp 300 Tonnen Streusalz ausgebracht und noch einmal die gleiche Menge Splitt. In einem intensiven Winter kann die Menge auf bis zu 1000 Tonnen Streusalz und Splitt anwachsen. Aktuelle Zahlen zum Verbrauch gibt es noch nicht - "weil die Einsätze ja momentan laufen", sagt Florian Probst, Leiter der Abteilung Straßen- und Brückenbau beim EBB.

Herr Probst, wann rückt der Winterdienst aus und welchen Bereich betreut er?
Florian Probst: Nach dem Bayerischen Straßen- und Wegegesetz ist die Stadt Bamberg zum Streuen verpflichtet, wenn gefährliche und verkehrswichtige Straßen innerorts betroffen sind. Bamberg ist in insgesamt 45 Streubezirke eingeteilt, in denen wir Straßen, Bushaltestellen und Gehsteige streuen und räumen. Insgesamt betreuen wir rund 330 Kilometer: 270 Kilometer Straßen und 60 Kilometer Radwege. Neben unseren Fahrzeugen gibt es noch Handreinigungstrupps, die Kreuzungen, Fußgängerüberwege und Gehwege freihalten.

Das gilt für den EBB. Was müssen Anwohner wissen?
Grundsätzlich muss sich der Hauseigentümer um den Gehweg vor seinem Anwesen kümmern. Gibt es gar keinen Gehweg, ist eine Gehbahn freizuräumen und zu pflegen. In vielen Fällen übernehmen das mittlerweile Hausmeister-Firmen. Generell gilt: Wer streut, sollte versuchen, ohne Streusalz auszukommen.

Was soll man stattdessen nehmen?
Splitt oder Winterstreu, das ist eine Art gebrannter Ton oder Katzenstreu. In Ausnahmefällen ist auch Streusalz zugelassen, zum Beispiel bei Blitzeis oder Eisregen. Eben, wenn man eine schnell auftauende Wirkung benötigt. Das ist in der entsprechenden Ortssatzung geregelt.

Was verwenden denn die Mitarbeiter des EBB für die Straßen?
Wir fahren üblicherweise Feuchtsalz, das heißt, die trockenen Salzkörner werden mit Sohle besprüht und haften dadurch besser auf der Straßenoberfläche. Für einen Quadratmeter Straße benötigen wir rund 15 Gramm Salz (hält ein Glas mit der entsprechenden Menge hoch, siehe Foto Nummer 2).

Wie groß ist denn die Mannschaft für den Winterdienst?
Maximal sind bis zu 120 Mitarbeiter im Einsatz. Wir haben sieben Lkw, drei Schmalspurfahrzeuge und vier Kleintraktoren. Und natürlich die Handreinigungs trupps. In Teilbereichen unterstützt uns das Gartenamt, zum Beispiel beim Übergang zu Grünflächen. Ansonsten konzentrieren sich die Kollegen im Wesentlichen auf die Friedhöfe im Stadtgebiet.

Wie oft fährt der Winterdienst denn überhaupt raus?
Wir arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb, jeweils in Acht-Stunden-Schichten. Die zwei großen Schichten decken die Zeit von 4 bis 20 Uhr ab. Ergänzend dazu gibt es noch eine Nachtschicht. Erfahrungsgemäß schafft diese von 20 bis 4 Uhr viel weg, weil es keinen Berufsverkehr gibt.

Nach welchem System gehen die Mitarbeiter vor?
Es gibt einen Organisationsplan mit drei Dringlichkeitsstufen. Prioriät 1 haben etwa der Berliner Ring, die Wildensorger Hauptstraße oder die Straßen im Berggebiet. Auch das Klinikum ist natürlich ein Klassiker, ebenfalls Straßen, auf denen Linienverkehr fährt. Und dann gibt es noch solche, bei denen wir aus Erfahrung wissen, dass Fahrzeuge liegen bleiben, wie zum Beispiel im Maienbrunnen. Übrigens: Wir fahren im gesamten Stadtgebiet. Es existieren Straßen mit Priorität 1 im Berggebiet, aber genauso auch in Kramersfeld.

Mancher Anwohner hat gelegentlich das Gefühl, bei ihm in der Straße wird nie geräumt. Woran liegt das?
Möglicherweise wohnt er in einer äußerst untergeordneten Straße. Oder aber, sie ist so zugeparkt, dass unser Winterdienst-Fahrzeug nicht durchkommt.

Ist das ein Ausnahmefall?
Nein. Das ist leider sehr oft ein Problem, das unsere Fahrer Schweißtropfen kostet. Oft müssen sie die komplette Straße rückwärts rausfahren, weil sie nicht durchkommen. Ähnlich schwierig ist es mit Autos, die liegen bleiben, weil sie keine ausreichende Winterausrüstung haben. Da hängen wir mit unserem Lkw auch hinten dran und haben keine Möglichkeit, zu überholen.

Das Gespräch führte Anna Lienhardt.
Verwandte Artikel

Kommentare (5)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren