Mit 13:6 Stimmen hat sich der Gemeinderat Memmelsdorf für das Vorranggebiet Starkenschwind-West zur Gewinnung von Windenergie ausgesprochen. Weitere Vorrangflächen zur Aufstellung von Windrädern soll es in der Gemeinde dann aber nicht mehr geben. Etwa 55 Hektar der insgesamt 125 Hektar großen Fläche liegen in der Gemeinde Memmelsdorf/Gemarkung Merkendorf. Denkbar ist auf der Gesamtfläche die Aufstellung von vier bis sechs Rotoren.

Unterschiedlich interpretiert wurde im Gemeinderat eine Fragebogen-Aktion von Bauamtsleiter Michael Karmann unter den 111 Grundstücksbesitzern. 42 von ihnen hatten der Gemeinde mitgeteilt, dass sie ihre dortigen Flächen für das Vorhaben zur Verfügung stellen würden. 24 andere hatten dies abgelehnt. Die übrigen gaben an, dazu noch keine Entscheidung getroffen zu haben beziehungsweise äußerten sich nicht.

Eröffnet wurde die Debatte von VWG-Sprecher Alfons Distler, der nochmals auf die Abstimmung während der Bürgerversammlung in Merkendorf verwies. Dort habe es ein klares Bürgervotum gegen den Windpark Starkenschwind-West gegeben. Er teile die Sorgen der Bürger und sei gegen das Vorhaben. Die Abstände zur Wohnbebauung seien zu gering, der Modellfliegerclub könne seinem Hobby nicht mehr nachgehen. Es gelte, die fränkische Toskana zu erhalten; Windräder würden die Lebensqualität vieler einschränken. "Wir brauchen nicht die Welt zu retten, meinte Distler, "der Strom läuft ins Leere, weil keine Abnehmer da sind".

Bürgermeister Johann Bäuerlein (CSU/WLW) appellierte an die Räte, ihrer Verantwortung für eine saubere Energieversorgung gerecht zu werden. Die Gemeinde stehe hier in der Pflicht. Ihm selbst sei ein Windpark lieber als zum Beispiel eine Photovoltaik-Anlage, weil der Landverbrauch deutlich geringer sei. Die Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes hielten sich in Grenzen. Um die Wertschöpfung in der Region zu halten, werde man ein "echtes Bürgermodell" auflegen. "2015 wird das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld abgeschaltet", gab Bäuerlein zu bedenken. Dann müssten alle ihren Beitrag zur Energiewende leisten.

Sein Einverständnis für den Fall einer gemeinsamen Gesellschaft unter Regie der Gemeinde brachte Manfred Schrauder (SPD) zum Ausdruck. Ähnlich äußerte sich Barbara Vogt (Lichteneiche). "Wollen denn die Bürger überhaupt mit der Gemeinde?", fragte Alfons Distler dagegen. Andreas Saal (CSU) hob hervor, dass selbst von den 111 Eigentümern, die doch einen wirtschaftlichen Vorteil von dem Projekt haben müssten, sich bisher nur 42 für das Vorhaben aussprächen.

"Hat die Gemeinde überhaupt eine Möglichkeit zur Ablehnung?", warf Peter Nüßlein (WLW) ein. Auch er unterstütze die Windenergie, weil die landwirtschaftlichen Flächen damit zum großen Teil weiter nutzbar blieben.
Dem Modellflieger-Club versicherte Bürgermeister Bäuerlein, alles für den Erhalt des Vereinsgeländes zu tun. Im Übrigen seien die Grundstückseigentümer froh, dass die Gemeinde das Vorhaben in die Hand genommen habe. "Die Verwaltung soll das Vorhaben mit den Bürgern gestalten", meinte abschließend Erwin Beck (SPD). Beschlossen wurde weiterhin, dass der Gemeinderat auf der Grundlage eines Grundstückssicherungsverfahrens eine seriöse Umsetzung des Windparks betreibt. Die Belange des Motorfliegerclubs Merkendorf sind zu berücksichtigen.

"Wohl nicht zu realisieren" ist laut Bauamtsleiter Karmann auf einem Gehweg im Baugebiet "Klingen" ein zwei bis drei Meter großer Verteilerkasten zum Anschluss der Photovoltaik-Fläche "Am Steinig" an der Autobahn bei Drosendorf. Der Gemeinderat sprach sich mit 10:9 Stimmen gegen ein solches Vorgehen aus. Jetzt soll Eon nach einem alternativen Einspeisepunkt suchen.