Bamberg
Natur

Wildschafe "mähen" die Muna in Bamberg

Das Umweltamt der Stadt hat eine "Strategie für biologische Vielfalt" entwickelt. Das Ziel: Mehr Artenreichtum im Stadtgebiet. Das hat auch mit insektenfreundlichem LED-Licht in Straßenlampen oder Grasfressern statt Rasenmähern zu tun.
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Ein Mufflons-Weibchen blickt direkt in die Kamera. Die Tiere leben in Bambergs Osten im Naturschutzgebiet. Foto: Elisabeth Fischer/Umweltamt
Ein Mufflons-Weibchen blickt direkt in die Kamera. Die Tiere leben in Bambergs Osten im Naturschutzgebiet. Foto: Elisabeth Fischer/Umweltamt
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Wer hätte das gedacht: Wildschafe mitten in Bamberg - genauer gesagt, auf dem Konversionsgelände. Sie leben dort tatsächlich wild. Die Mufflons. 2009 wurden acht Tiere ausgesetzt, mittlerweile haben sie sich auf über 20 Tiere vermehrt. Die Biologen freut's. Warum?

Die Mufflonherde ist Teil der Bamberger "Kommunalen Biodiversitätsstrategie". Die Erklärung für den sperrigen Titel kommt gleich hinterher: "Das ist eine Zusammenfassung von Naturschutzstrategien", erklärt Ralf Haupt, Umweltreferent der Stadt Bamberg.

Warum braucht's das? Jürgen Gerdes, seines Zeichens Naturschutzbeauftragter der Stadt, holt aus: "Es gibt Biodiversitätsstrategien auf vielen Ebenen - EU, Deutschland, Bayern. Naturschutz ist Ländersache, doch können sich Städte auch freiwillig selbst verpflichten, mehr für die Artenvielfalt zu tun. Mit unserer Strategie kommen wir auf der untersten Ebene, der kommunalen, an."

Kommune für biologische Vielfalt

Die Stadt Bamberg ist eine von bundesweit 136 Städten, die sich zu dem Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt" zusammenschließen wollen. Dadurch will sich die Stadt dazu bekennen, beim kommunalen Handeln auf die Sicherung und Förderung der Artenvielfalt besondere Rücksicht zu nehmen.

Jenes Bündnis ist neben dem "Klima-Bündnis" das zweite kommunale in der Bundesrepublik, dem Bamberg bereits 1992 beigetreten ist. 2011 hat das Umweltamt am Wettbewerb "Bundeshauptstadt der Biodiversität" der Deutschen Umwelthilfe teilgenommen. In ihrer Kategorie (30.000 bis 100.000 Einwohner) erreichte die Stadt Platz 6 von 30.

Mufflons gegen Gehölze

Die Kriterien des Wettbewerbs zeigten auch auf, wie es noch besser geht. "Deswegen hat uns der Stadtrat beauftragt, eine Strategie zu entwerfen. Die Frage: Wie können wir durch freiwillige Maßnahmen die Situation von wild lebenden Tieren und Pflanzen in der Stadt verbessern?", erläutert Gerdes. Und: "Wie können wir dadurch Geld sparen?"

An dieser Stelle kommen die Mufflons im Naturschutzgebiet in der Bamberger "Muna" ins Spiel. Die Aufgabe der Wildschafe: fressen. In der Fachsprache: "In Voruntersuchungen wurde festgestellt, dass Mufflons besonders gut geeignet sind, die eingeschleppten Gehölze zu verbeißen, zu entrinden und auf diese Weise zurückzudrängen", wie es das Papier zur Bamberger Strategie für biologische Vielfalt erklärt.

Vor den Mufflons hielt der Bundesforst die Flächen der Muna durch Auslichtungen offen, um zu verhindern, dass sich Wald bildet. Das war allerdings aufwendig und teuer.

Auch andernorts in Bamberg wird gekaut statt gemäht. "Es gibt zum Beispiel eine gemischte Schaf- und Ziegenherde, die den Bereich um die Hochspannungsleitung der Bayernwerke im Hauptsmoorwald frei hält. Auch diese Fläche wurde früher gerodet", erklärt Jürgen Gerdes. In diesem Fall hätten die Bayernwerke sogar direkt einen Vertrag mit dem Schäfer, die fachliche Betreuung erfolge weiterhin durch das Umweltamt.

Nur ein Beispiel von vielen. So wurde Bamberg beim Wettbewerb der Deutschen Umwelthilfe besonders ausgezeichnet für Projekte wie das "Ökologische Grünflächenmanagement der Straßenränder auf Terrassensand" oder den "stadtökologischen Lehr- und Erlebnispfad".

16 strategische Ziele

Generell sieht die kommunale Biodiversitätsstrategie vor, dass im Stadtwald Urwaldparzellen entstehen und erhalten werden, öffentliche Grünflächen ökologisch aufgewertet und Äcker in Grünland zurückgeführt werden, wie zum Beispiel die Buger Wiesen.

Außerdem fordert die Strategie, dass überhaupt Flächen für den Artenschutz angekauft und geeignete Wände und Dächer als Lebensraum genutzt werden.

Falken auf der Erbainsel

Beispiel: Das Wanderfalkenprojekt auf der Erbainsel. Bergwacht, Alpenverein und die Initiative "Artenschutz in Franken" befestigten in Zusammenarbeit mit dem Umweltamt einen Nistkasten auf dem Erba-Schornstein in 60 Metern Höhe, wo das Vogelpaar seine Jungen aufzog. 2011 zogen die Falken vermutlich wegen der regen Bautätigkeit auf dem Erbagelände zur Oberen Pfarre um, wo sie ebenfalls Junge bekamen.

Im Kasten auf dem Erba-Schornstein haben es sich inzwischen Turmfalken gemütlich gemacht. Wer möchte, kann sie auf einem Monitor in der Gaustadter Sparkasse beobachten, auf den die Aufnahmen übertragen werden.

Insgesamt sind in Bambergs Biodiversitätsstrategie 16 strategische Maßnahmen und Ziele zusammengefasst, die besonders gut dazu geeignet sind, die Artenvielfalt im Stadtgebiet zu sichern. Sie sollen bis 2020 verwirklicht werden.

Da wird der Punkt "Renaturierung der Bäche im Stadtgebiet" genauso aufgeführt wie "mehr Wildnis im Wald". Sie soll in den nächsten sechs Jahren auf zehn Prozent der öffentlichen Waldfläche ausgeweitet werden.

Und dann taucht noch der Stichpunkt "Umstellung der Straßenbeleuchtung auf insektenfreundliches Licht" auf. Der Naturschutzbeauftragte der Stadt erklärt: "LED-Licht ist für Insekten nicht attraktiv." Und die Stadtwerke könnten wohl bei der Umstellung der Straßenlaternen auf LED Geld sparen. "Das wäre doch gut, wenn Ökologie und Ökonomie zusammentreffen."

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