Bamberg
Verbindungstechnik

Wieland aus Bamberg lässt Wolkenkratzer in China leuchten

Der Bamberger Spezialist für steckbare elektrische Verbindungen hat den 632 Meter hohen Shanghai Tower ausgerüstet - das derzeit zweithöchste Gebäude der Welt. Solche Fassadenbeleuchtungen liegen im Trend.
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Wieland-Mitarbeiter Stephan Lauer zeigt die in Franken produzierten Rundstecker, die im Shanghai Tower zum Einsatz kommen. Foto: Barbara Herbst
Wieland-Mitarbeiter Stephan Lauer zeigt die in Franken produzierten Rundstecker, die im Shanghai Tower zum Einsatz kommen. Foto: Barbara Herbst
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Noch ist das zweithöchste Gebäude der Welt nicht ganz fertig. Aber die Endhöhe von 632 Metern haben die chinesischen Bauarbeiter beim Shanghai Tower mittlerweile erreicht. Asymmetrisch schraubt sich die runde Konstruktion in den Himmel, auch um besser dem Wind standhalten zu können. Ein gigantischer Anblick.
Wenn schon Gigantismus, dann muss dieser auch nachts sichtbar sein. Die dafür nötigen unzähligen LED-Leuchten können in den nächsten Wochen schnell angeschlossen werden. Denn die Elektroinstallation für die nächtliche Beleuchtung des Shanghai Towers steht schon bereit. Geliefert hat sie die Firma Wieland Electric in Bamberg. "Je größer das Projekt ist, desto eher denken die Planer über Gesamtlösungen nach", sagt Stephan Lauer, Business Development Manager bei Wieland.

Das mehr als 100 Jahre alte Familienunternehmen Wieland mit seinen weltweit rund 2000 Mitarbeitern (davon derzeit 767 am Sitz in Bamberg) hat Erfahrung bei solchen Projekten. Wie schon bei den Petronas Twin Towers in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur oder an der monumentalen Christusstatue über der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro kommt auch hier das Stecksystem des Bamberger Unternehmens zum Einsatz. Dadurch lassen sich Kabel unkompliziert und schnell zusammenstecken und bei Bedarf wieder lösen. "Ich denke, dass wir für die Fassadenbeleuchtung knapp 10 000 unserer Rundstecker geliefert haben", erzählt Lauer.

Streifen und Krone

Die Wieland-Technik steckt dabei in zwei Teilen des Shanghai Towers: Der Leuchtenhersteller Traxon, eine Osram-Tochter, nutzt die Steckverbindungen, um einen farbigen LED-Streifen an der Fassade zu realisieren. Die chinesische Firma Panasign beleuchtet mit rund 1200 Flutlichtern die Krone des Wolkenkratzers, von Stockwerk 123 an. "Dazu muss der Stecker robust und wasserfest sein", sagt Lauer. Der verwendete Rundstecker, den Wieland vor ungefähr zehn Jahren auf den Markt gebracht habe, könne sogar untergetaucht werden.

Produktionsstandort in China

Wieland ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei solchen steckbaren elektrischen Verbindungen. Wenngleich die große Masse an Installationen in Gebäuden noch auf konventionelle Art erfolgt, so haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Kunden für das steckbare Angebot von Wieland entschieden. Laut Wieland-Geschäftsführer Ulrich Schaarschmidt nimmt das Geschäftsfeld Gebäudetechnik inzwischen die Hälfte des Umsatzes ein. Die andere Hälfte erzielt das Unternehmen mit Produkten für die Industrietechnik, zum Beispiel Teile für Schaltschränke oder Automatisierungskomponenten für verschiedene Branchen.
"Wir wollen die Internationalisierung unserer Gruppe weiter vorantreiben", sagt Schaarschmidt. Heuer sind Tochtergesellschaften in Japan und in der Schweiz hinzugekommen.
Um an solche Aufträge wie in China zu kommen, müsse man vor Ort sein. "Die Chinesen nehmen gerne lokale Firmen für ihre Projekte", berichtet Lauer. Wieland betreibt in China seit einigen Jahren schon einen Produktionsstandort. 120 Menschen inklusive Vertriebsmitarbeiter sind hier beschäftigt. "Die Kollegen von Wieland China haben für den Shanghai Tower ein komplettes Konzept mit Skizzen verkauft", erzählt Lauer. Die gelieferten Stecker und Verteilerboxen stammen aus Bamberg, Kabel und Leitungen aus China.
Im Frühjahr ist es laut Lauer geplant, den neuen Wolkenkratzer erstmals zu illuminieren. "Der Trend geht zur Außendarstellung bei Nacht mit Lichteffekten", sagt Lauer. Durch LED-Technik werde dabei nicht mehr so viel Energie benötigt wie früher. "Durch diese Umstellung auf LED wächst das Geschäft mit Fassadenbeleuchtungen." Auch wenn das Projekt Shanghai Tower für Wieland mit einem Umsatz im niedrigen sechsstelligen Bereich weniger Einnahmen bringt als gewisse Serienprodukte. Der Prestigegewinn eines solchen Auftrags ist nicht zu unterschätzen. Wenn der Turm im nächsten Jahr fertig ist, wird er ein Konferenzzentrum, Luxushotel sowie Büro- und Einzelhandelsflächen beherbergen.



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