Bamberg
Wohnungsbau

Wie Wohnen in Bamberg bezahlbar wird

Es ist mehr als ein Lückenschluss. Auf dem früheren Eberth-Gelände steigt die Stadtbau in ein vernachlässigtes Wohnungsbausegment ein.
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Norbert Tscherner vom Bürgerverein Gereuth ist froh darüber, dass nun auch die Altlasten auf dem ehemaligen Eberth-Grundstück entfernt werden. Die neuen   Häuser bekommen dadurch auch  einen Keller.  Michael Wehner
Norbert Tscherner vom Bürgerverein Gereuth ist froh darüber, dass nun auch die Altlasten auf dem ehemaligen Eberth-Grundstück entfernt werden. Die neuen Häuser bekommen dadurch auch einen Keller. Michael Wehner
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Für Norbert Tscherner ist es ein Heimspiel. Der Fraktionsvorsitzende des Bamberger Bürger-Blocks und Chef des Bürgervereins Gereuth stapft durch den Matsch an der Kornstraße, zeigt in ein Bauloch, in dem gerade die Maschinen brummen, und holt selbst wie ein Schaufelbagger aus: "Schauen Sie, das hier sollte alles auf dem Gelände bleiben. Man wollte mitten auf den Altlasten die Häuser bauen."

Doch auch Tscherner kann sich mittlerweile freuen. Wenn heute der Spatenstich für den Wohnpark Gereuth stattfindet, sind die Querelen von gestern so gut wie vergessen. Das Grundstück wird von den Altlasten befreit, die neuen Häuser haben deshalb auch einen Keller.

Dabei war die Unsicherheit, was im Untergrund des ehemaligen Eberth-Bauhofs stecken könnte, nur eines von vielen Details, das den Start des Wohnungsbaus an dieser Stelle in der Stadt unnötig in die Läge zog. Die Gretchenfrage, die Veit Bergmann und sein Team von der stadteigenen Wohnungsbautochter Stadtbau nach dem Kauf des Grundstücks vor fünf Jahren beantworten mussten, lautete: Wie kann es gelingen, Wohnungen zu bauen, die deutlich unter dem Marktpreis vermietet werden können?

Weitgehend vorgefertigt

Wie die Antwort aussieht, kann Bergmann heute schon in computergenerierten Ansichten zeigen. Die ersten drei Häuser mit insgesamt 39 Wohnungen sind fünf und vier Geschosse hoch. Sie haben alle einen Balkon und werden in einer kostengünstigen, weil weitgehend vorgefertigten Mischbauweise errichtet. Die Decken bestehen aus Beton, Wände und Rahmenkonstruktionen aus Holz. So kommt es, dass die Fassaden schon in einigen Wochen in die Höhe wachsen. Etwa in einem Jahr sollen die ersten Mieter einziehen. "Das ist sensationell schnell", findet Bergmann. Und er gibt den künftigen Bewohnern ein weiteres Versprechen mit auf den Weg: "Wir wollen mit den Gebäuden das gesamte Areal aufwerten. Auch das Umfeld soll neu geordnet werden. Bäume sollen gepflanzt und ein neuer Spielplatz gebaut werden."

Wenn Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) heute die Gäste zum Spatenstich begrüßt, dann sind vor allem drei Zahlen wichtig: 7,50, 6,50 und 5,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Ein nach Einkommensklassen gestaffeltes Mietmodell soll den davongaloppierenden Preisen auf dem Bamberger Wohnungsmarkt etwas entgegensetzen, auch wenn die nächsten Bauabschnitte mit 80 weiteren Wohnungen wegen des Bahnausbaus noch auf sich warten lassen. Marktüblich wären bei Neubauwohnungen an dieser Stelle 8,50 Euro pro Quadratmeter.

Dass der erste Bauabschnitt nun begonnen werden kann, ist vor allem der vor zwei Jahren wieder erhöhten Bundesförderung für den sozialen Wohnungsbau zu verdanken. Sie ist es, die die Stadtbau in die Lage versetzt, ohne Verluste ein solches Projekt zu verwirklichen. "Lange Zeit war es einfach nicht wirtschaftlich", sagt Bergmann.

"Endlich ist es so weit"

Es ist also eine Trendwende, wenn die Stadt nach jahrelanger Pause erstmals wieder auf klassisch geförderten sozialen Wohnungsbau setzt. Noch 2017 hatten die Bamberger Grünen den Stillstand in der Gereuth angeprangert: "Prestige-Unternehmen mit Lobby-Potenzial haben offensichtlich Vorrang gegenüber dem sozialen Wohnungsbau", kritisierte Ursula Sowa mit Blick auf die zu diesem Zeitpunkt längst eröffnete Baskidhall. Heute hört sich ihr Kommentar freundlicher an: "Endlich, endlich, endlich ist es so weit."

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