Bamberg
Diskussionsforum

Zukunft: Wie wohnen und leben die Bamberger in 32 Jahren?

Wie wohnen wir? So lautet eine der Fragen, die bei der Denkwerkstatt "Bamberg 2050" diskutiert werden.
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Wie könnte die Konversionsfläche Lagarde im Jahr 2050 aussehen? Um Fragen wie diese geht es bei der Denkwerkstatt zum Thema "Wie wir wohnen".
Wie könnte die Konversionsfläche Lagarde im Jahr 2050 aussehen? Um Fragen wie diese geht es bei der Denkwerkstatt zum Thema "Wie wir wohnen".

Wer über das Wohnen der Zukunft redet, begegnet auch Vertrautem. Früher war es selbstverständlich, dass mehrere Generationen unter einem Dach leben. Inzwischen ist das Mehrgenerationenhaus wieder in den Mittelpunkt gerückt. Über das Wohnen der Zukunft, über Zeitabschnittsimmobilien und überbaute Parkplätze sprechen wir mit Veit Bergmann, Geschäftsführer der Stadtbau Bamberg GmbH. Bei der Denkwerkstatt "Bamberg 2050" ist Bergmann der Experte für den Bereich Wohnen. Das offene Diskussionsforum wird von der Volkshochschule Bamberg-Stadt und dem Fränkischen Tag veranstaltet und findet am Samstag, 27. Januar, von 13 bis 18 Uhr bei der Mediengruppe Oberfranken statt. Wer teilnehmen möchte, kann sich hier bereits anmelden.

Schon heute ist es nicht leicht, eine Wohnung oder gar ein Haus in Bamberg zu finden. Wird sich diese Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten wieder entspannen?
Nun ja, das ist sehr schwer zu prognostizieren. Bislang sind die meisten Bevölkerungsprognosen gefloppt und Bamberg ist dynamischer denn je. Bamberg ist ein Magnet und zieht alle Bevölkerungsschichten an.
Insofern muss auch für alle Bevölkerungsschichten Wohnraum geschaffen werden, zum Beispiel würde ab 2025 ja das Gelände der Aufnahmeeinrichtung wieder für ergänzende Wohnungen zur Verfügung stehen. Wenn der S-Bahn-Halt kommt, könnte die Stadt für viele noch attraktiver werden. Ob also freie Flächen parallel mit der Geschwindigkeit des Wachstums der Stadt mithalten können, hängt auch mit globalen und nationalen Tendenzen ab, die ich mittelfristig nicht beurteilen kann.

Wird künftig anders gebaut?
Eine innerstädtische Wohnraumverdichtung kennt meistens nur eine Richtung. Gebäude werden höher, Dächer steiler. Dieser Trend wird sich bestimmt noch verstärken. Aber das ist kein für Bamberg typisches Phänomen. Sicher wird es auch in diesem Zusammenhang auch um die Kombination von Mobilität und Arbeit gehen. Wie werden wir baulich diesem Trend gerecht? Wer braucht 2050 noch ein Auto? Wer nutzt Carsharing? Wer arbeitet von zuhause aus? Daraus lässt sich folgern, wie viele Parkplätze dann noch gebraucht werden. Die Flächen könnte man anderweitig nutzen oder überbauen. Sehr spannend ist in diesem Zusammenhang das Pilotprojekt am Münchner Dantebad. Dort wurden über dem öffentlichen Parkplatz 100 neue Wohnungen errichtet, der Großteil der Parkplätze wurde dabei erhalten. Vielleicht kommt man in 30 Jahren auch auf die Idee, beispielsweise den Rhein-Main-Donau-Kanal zu überbauen. Lassen Sie uns, wenn wir über das Jahr 2050 spekulieren, im ersten Schritt spontane Visionen haben.

Für viele zählt das eigene Häuschen noch zum Lebenstraum. Wird es den auch 2050 noch geben?
Als neue, aber konsequente Wohnform der Zukunft könnten Time-Sharing-Gemeinschaften hinzukommen. Hier werden Zeitanteile verkauft und vermietet, Immobilien verzeitlicht. Die Menschen wollen beruflich offen, räumlich mobil und sozial disponibel bleiben.
Die Mobilitätsanforderungen im Beruf werden höher und die Familiengründung findet immer später statt. Diese Entwicklung fördert den Trend zur Lebensabschnittsimmobilie, was sich wiederum nachteilig für den Eigentumserwerb auswirkt. Junge Leute wollen sich durch ein Haus nicht in ihrer Bewegungsfreiheit eingeengt fühlen und ältere Leute sind froh, wenn sie durch einen Hausverkauf in ihrer Lebensplanung wieder freier werden.

Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich, steigen mit ihr auch die Anforderungen an das Wohnen im Alter?
Mit dem Wandel der Lebensphase ändern sich die Wohnbedürfnisse, es geht um Flexibilisierung deutlich mehr als um Normierung. So gesehen könnte es in Zukunft immer weniger normale Wohnungen geben. Mit dem demografischen Wandel wird die Familie bzw. die Zweigenerationenfamilie der Idealtypus der Gesellschaft sein.
Mit der Zunahme der Lebenserwartung muss jeder viele und vielfältige Lebensphasen und damit Wohnformen durchlaufen, die Immobilie muss also mobil werden. Das Wohnangebot muss für den Zusammenhalt mehrerer Generationen, wie für Nichtfamiliennetzwerke, förderlich sein. In zukünftigen Mehrgenerationenhäusern muss es möglich sein, dass alle unter einem Dach sind, aber auch jeder für sich sein kann. Solidarität wird in Zukunft pragmatischer verstanden: Man trägt auch bis ins hohe Alter Verantwortung für das eigene Befinden, damit man zuhause mit Familie und Freunden alt werden kann. Bescheideneres Wohnen mit sozialen Kontakten, mit Nestwärme, wird stärker wiegen als komfortableres Wohnen mit sozialer Isolation.

Was wünschen Sie sich für Bamberg?
Bamberg muss sich seiner baulichen Tradition bewusst bleiben und sorgsam mit ihr umgehen. Die Tür für Talente, Technologie und Toleranz muss sehr weit geöffnet werden. Es muss Bamberg gelingen, eine Symbiose aus Historie, zeitgenössischer Architektur und modernen Wohnkonzepten zu verwirklichen. Nur so entstehen heterogene Strukturen, die unser aller, von Toleranz geprägtes, Miteinander vereinfachen.

Viele Bamberger wünschen sich vor allem bezahlbaren Wohnraum.
Da tut sich bereits viel. Die Stadtbau Bamberg GmbH entwickelt im Ulanenpark circa 200 Wohneinheiten in unterschiedlichsten Wohnformen. Im Stadtviertel Gereuth werden bis zu 170 Wohnungen geplant und das größte Potenzial hat aktuell die Konversionsfläche Lagarde.
Allerdings ist es sehr schwierig aufgrund der Grundstückspreise, der energetischen Vorschriften, den steigenden Handwerkerkosten und den nationalen wie landestypischen Verschärfungen der Regelwerke tatsächlich günstig zu bauen und so den Erwartungen der Gesellschaft gerecht zu werden. Möglicherweise wird daher in Zukunft tatsächlich normierter und serieller gebaut werden müssen. Wir sind offen für neue Ideen, neue Konzepte und visionäre Gedanken. Vielleicht hilft uns ja die Denkwerkstatt, einen gemeinsamen Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Ich freue mich auf die Diskussion.


Anmelden für Denkwerkstatt "Bamberg 2050"

Hintergrund Die Denkwerkstatt "Bamberg 2050" vom Fränkischen Tag und der Volkshochschule (VHS) Bamberg-Stadt soll Abschluss und Höhepunkt des VHS-Semesters Herbst/Winter sein, das in seinen Vorträgen schwerpunktmäßig Bamberg als "Stadt im Wandel" beleuchtet.

Kontakt Für einen Platz bei der Denkwerkstatt am Samstag, 27. Januar, von 13 bis 18 Uhr im Verlagsgebäude der Mediengruppe Oberfranken (Gutenbergstraße 1, Bamberg) können sich Interessierte ab sofort bewerben - online oder telefonisch unter der Nummer 0951/188 108 (Montag bis Freitag, 8 bis 17 Uhr). Die Veranstaltung ist als offenes Diskussionsforum gedacht, bei dem sich alle Bürger mit ihren Ideen in die Entwicklung der Stadt einbringen können.

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