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Bierernste Streitfrage: Wie viele Brauereien hat Bamberg?

Diese bierernste Streitfrage birgt Sprengkraft an den Stammtischen der Stadt. Simpel zu beantworten ist sie nicht - auch nicht für die Bamberger Brauer. Die Antwort hängt davon ab, wie man das Wort "Brauerei" definiert.
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"Schwierige Frage", antwortet Benjamin Gehrig in der Bierothek in Bamberg, wo immerhin 350 Sorten Bier verkauft werden.  Foto: Sebastian Schanz
"Schwierige Frage", antwortet Benjamin Gehrig in der Bierothek in Bamberg, wo immerhin 350 Sorten Bier verkauft werden. Foto: Sebastian Schanz

350 Sorten Bier verkauft Benjamin Gehrig in der Bierothek in Bamberg - und wie viele Bamberger? "Schwierig", gibt er zu. Klar, die Klassiker stehen im Regal. Dazu weniger bekannte Geschmacksrichtungen wie ein Helles aus dem Hause Schlenkerla oder ein Rauchbier von Klosterbräu.

Ist das Sterna die neunte, zehnte oder elfte Bamberger Brauerei?

Doch dazwischen eine Dose "Blech-Brut". "Dahinter steht auch ein Bamberger: Benedikt Steger. Gebraut wird aber in Gundelfingen. Gilt das?" Zeitgleich in der Langen Straße werkeln Arbeiter im Wirtshaus Sternla an einer neuen Brauerei. Wird es die neunte? Die zehnte? Die elfte? inFranken.de inFranken.de kam bei der jüngsten Zählung Ende April auf 13 Brauereien - ohne das Sternla.

Oberbürgermeister Andreas Starke hatte im Februar im Fränkischen Tag von "zehn Privatbrauereien" gesprochen und daraufhin prompt Widerworte von Lesern geerntet. Was also ist richtig?

"Das ist fast schon eine philosophische Frage", antwortet Matthias Trum schmunzelnd. Er muss es doch wissen, immerhin ist er Chef in Bambergs berühmtester Brauerei, dem Schlenkerla. Doch selbst der Herr über die weltbekannten Rauchbierbottiche traut sich keine letztinstanzliche Antwort zu.

Kann die Wissenschaft zur Erhellung beitragen? Eine Art Standardwerk der Bamberger Brau-Historie hat Christian Fiedler mit seinem Buch "Bamberg - Die wahre Hauptstadt des Bieres" verfasst. "Gegenwärtig setzen in Bamberg neun gewerbliche Braustätten Bier an, zudem betreibt auch die Mälzerei Weyermann ein eigenes Brauhaus", schreibt der Autor.

9 plus 1 oder 7 plus 2?

9 plus 1 also: Spezial, Schlenkerla, Keesmann, Mahr, Fässla, Greifenklau, Kaiserdom, Klosterbräu, Ambräusianum plus Weyermann.

Doch so einfach ist es auch nicht: "Üblicherweise spricht man von neun traditionellen Brauereien. Streng genommen sind es acht, weil Klosterbräu zu Kaiserdom gehört. Die Gasthaus-Brauerei Ambräusianum existiert erst seit 2004 - also 7 plus 1", schlägt Schlenkerla-Chef Trum vor, ist sich aber unsicher, ob er Weyermann nicht auch dazuzählen soll.

"Mit Sternla wären es zwölf", sagt Georg Wörner, Chef der größten Bamberger Brauerei, Kaiserdom, und Vorsitzender des Verbunds der örtlichen Brauer. Denn er zählt auch noch "Kronprinz" seines Sohnes Felix dazu. "Entscheidend ist ein eigenes Sudhaus." Und die Gaustadter Gasthausbrauerei bietet ein einsehbares Sudhaus. Die Macher lassen Biere in Whisky- oder auch Wein-Fässern reifen.

Auf fast 15 kommt dagegen Gerhard Schoolmann. Der 66-Jährige hat als Macher im Café Abseits eine Art analytische Annäherung an die Frage aus dem Bereich der Stammtisch-Philosophie geliefert. Die ist so detailliert, dass sogar die Pressestelle des Bamberger Rathauses auf seinen Blogbeitrag verweist.

Die Definition von Brauerei

"Es kommt ganz darauf an, wie man das Wort Brauerei definiert", meint Schoolmann. Technisch gesehen verfüge die Mälzerei Weyermann nämlich noch über eine zweite Brauereianlage, in der aber nur Röstmalzbier hergestellt werde - ein Extrakt, das zum Färben von Lebensmitteln verwendet wird.

"Noch kleiner ist Robesbierre, eine Hausbrauerei. Das heißt: Sie darf kein Bier vertreiben, sondern braut nur für den Eigenverbrauch", schreibt Schoolmann. Inhaber und Braumeister Robert Pawelczyk sei aber Profi, unterrichte Brauer und sei Prüfer bei der Gesellenprüfung der Handwerkskammer. "Eine weitere Hausbrauerei in Bamberg wurde 2014 gestartet: Hausbrauerei Gleisdreieck", erklärt Schoolmann.

Und dann wäre da auch noch der Hopfengarten der Gärtnerei Emmerling, wo nicht nur Hopfenpflanzen verkauft, sondern auch zum Brauen genutzt werden. "Die haben irgendwann angefangen, Keesmann-Biere mit Hopfen zu stopfen, später auch eigene Biere gebraut", erklärt Schoolmann.

Was eine Beantwortung der Frage weiter erschwert: Es gibt laut Schoolmann Bamberger Brauereien, die einzelne Sorten - etwa Weizen - im Lohnbrauverfahren in anderen Orten brauen lassen. Einige Bamberger Gaststätten bieten außerdem Biere unter eigenem Namen an, brauen aber nicht selbst.

Nachwuchsbrauer legen los

Wer meinte, eine einfache Antwort auf die Frage zu finden, wird weiter verwirrt: Denn es gibt laut Schoolmann noch einige Nachwuchs- und Craft-Beer-Projekte wie eben die "Blech-Brut"-Dosen in Benjamin Gehrigs Regal. Ein weiteres Beispiel ist "St. Erhard" eines Bamberger Existenzgründers, dessen Biere laut dem Autor im Landkreis Forchheim gebraut werden.

Oder auch "Landwinkl Bräu", ein 2019 gestartetes Projekt von Tom Land, der laut Schoolmann in der Hausbräu Stegaurach braut. Die Biere der Braumanufaktur "Alt-Bamberg" werden laut Schoolmann "gerüchteweise" in einer großen Bamberger Brauerei gebraut. "Frankenstoff" gibt im Impressum eine Bamberger Adresse an, gebraut wird laut Internetseite "im Bamberger Umland". Der Name "St. Michaelsberg" klingt typisch bambergerisch, steht aber unter dänischer Federführung.

Die Marke "Bamberger Hofbräu" ist im Eigentum der Mälzerei Weyermann. Bis in die 1970er-Jahre war die "Bamberger Hofbräu" an der Pödeldorfer Straße eine Bamberger Großbrauerei. Nachzulesen ist das im Standardwerk von Christian Fiedler. Dort steht auch, dass es noch 1818 ganze 65 Braustätten in Bamberg gab, die meisten davon in der Königstraße - ehe die Industrialisierung die Vielfalt auf weit weniger destillierte. Klein ist die Vielfalt aber auch heute nicht. Eine genaue Zahl der Brauereien? Ansichtssache.

Für alle, die beim Lesen Durst bekommen haben: Hier gibt es eine Auswahl von gemütlichen Bierkellern und Biergärten in Franken.

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