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Politik

Wie viel Feuer brennt noch in OB Starke?

Nach Andreas Starkes Ankündigung, erneut für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren zu wollen, richten sich die Bamberger Parteien auf den Wahlkampf ein. Hauptfaktor dabei dürfte Starke selbst sein.
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Ein geknickter OB nach dem schlechten Ergebnis bei der Bezirkstagswahl 2018.  Foto: Matthias Hoch
Ein geknickter OB nach dem schlechten Ergebnis bei der Bezirkstagswahl 2018. Foto: Matthias Hoch

Eine Person, zwei Fotos aus unterschiedlichen Jahrzehnten und mit unterschiedlichen Stimmungen: Links der frisch gewählte Oberbürgermeister Andreas Starke 2006 bei seinem Triumphmarsch ins Bamberger Rathaus. Rechts Andreas Starke nach der enttäuschenden Bezirkstagswahl 2018, wo er mit nur 19,44 Prozent gegen CSU-Kandidat Thomas Söder verlor. Von dem Feuer von einst ist auf diesem Bild nichts zu sehen. Am Montagabend im Sternla, als Starke ankündigte, wieder kandidieren zu wollen, sah das schon deutlich energischer aus. Dennoch stellt sich die Frage: Wie viel Feuer brennt noch?

"Das Feuer ist nicht geringer geworden, es ist bestenfalls größer geworden." -Klaus Stieringer (SPD)

Für den Fraktionssprecher der SPD im Stadtrat ist die Antwort eindeutig. Als guter Bremen-Fan wisse der OB, dass man nach der Halbzeit nicht aufhöre. Wer Starke kenne, wisse: Wenn er antrete, dann mit voller Kraft. "Ich habe ein hörbares Aufatmen in der Bevölkerung insgesamt gespürt. Ich wurde von Wildfremden angesprochen, die sich gefreut haben, dass der OB wieder antritt", berichtet Stieringer.

"Ich biete den Bambergern eine klare, eine lange Perspektive. Die andere Frage müssen andere beantworten." -Christian Lange (CSU)

Ebenfalls viel Rückenwind aus der Bevölkerung nimmt Christian Lange wahr, der für die CSU bereits im Januar seine Kandidatur angekündigt hat. Diese Klarheit komme bei den Leuten gut an. "Ich werbe für den Politik- und Generationswechsel." Von Starkes Kandidatur sei er nicht überrascht gewesen, berichtet der Zweite Bürgermeister. Die Zusammenarbeit mit Starke im Rathaus sei vertrauensvoll. Der Wahlkampf solle fair verlaufen. Die eigenen Vorzüge stellt Lange dennoch gerne heraus: "Ich bin jetzt 47 Jahre. Ich bin im besten Alter. Ich möchte für sechs Jahre kandidieren und danach sechs Jahre weitermachen."

"Ich habe damit gerechnet. Starke selbst hat ja keine Wahl, es war keine freie Entscheidung. Es gab keinen in der SPD, also musste er es machen."

-Jonas Glüsenkamp (Grüne)

Dritter Bewerber um den Chefsessel im Rathaus bisher ist Jonas Glüsenkamp, den die Grünen als designierten Kandidaten vorgestellt haben. Die Partei strotzt bundesweit vor Selbstvertrauen. Zu seinen eigenen Chancen gegen den Amtsinhaber sagt Glüsenkamp: "Als ich das erste Mal im Rathaus war, wurden wir von Groko-Politikern ausgelacht, dass wir gegen das Gewerbegebiet im Hauptsmoorwald kämpfen." Später sei ihnen das Lachen vergangen. Das habe ihn zur Kandidatur motiviert: "Ich habe Starke - und das ist vielleicht normal, wenn man das Amt so lange macht - nicht mehr auf Augenhöhe mit den Bürgern erlebt." Es brauche einen neuen Politikstil.

"Die Hinweise waren eindeutig. Die auf über zehn Plätze aufgestockte Pressestelle könnte Starkes Wahlkampfbüro werden." -Dieter Weinsheimer (BA)

Kritik übt auch Dieter Weinsheimer. Konkret an "mangelnder Information" von Seiten des Oberbürgermeisters und "Winkelzügen" im Rathaus. Die verstärkte Presseabteilung sei Wahlkampf auf Steuerzahlerkosten. Trotz alledem sagt der Sprecher der Bamberger Allianz über Starke: "Bei den jetzigen Kandidaten wird er eindeutig gewinnen." Seine Gruppierung habe noch Schwierigkeiten, einen eigenen Kandidaten zu finden. Im Oktober wolle man sich äußern.

"Den wird keiner aus dem Sattel heben. Wenn ich das junge Bübchen sehe, das die Grünen aufstellen. Und Lange hat zu bald angefangen."

-Norbert Tscherner (BBB)

Neutral im Wahlkampf will Norbert Tscherner bleiben, der für den Bamberger Bürger-Block im Stadtrat spricht. Andreas Starke habe sehr lange herumgezögert, ob er noch einmal antreten werde. Christian Lange habe schon 14 Monate vor der Wahl seine Kandidatur angekündigt, das habe viel Unruhe in die politische Landschaft hereingebracht, erklärt Tscherner, der Amtsinhaber Starke als klaren Favoriten sieht.

"Nach meinem Eindruck ist Andreas Starke nach wie vor sehr agil und hat ganz klar noch Feuer."

-Martin Pöhner (FDP)

Als amtierender OB habe Starke den Stadtrat sehr gut moderiert in den vergangenen Jahren - wichtige Voraussetzung für eine harmonische und konstruktive Zusammenarbeit, findet Martin Pöhner. Der FDP-Stadtrat sieht sehr gute Chancen für Starke, wiedergewählt zu werden. Dennoch habe sich seine FDP schon vor längerer Zeit dazu entschieden, selbst einen OB-Kandidaten aufzustellen - um im Wahlkampf in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden.

"Ich war nicht überrascht. Wenn ein Oberbürgermeister den Termin der Eröffnung des Gaustadter Toilettenhäuschens selbst wahrnimmt, will er wiedergewählt werden."

-Daniela Reinfelder (BuB)

Die Chancen Starkes auf eine Wiederwahl sieht Daniela Reinfelder (BuB) abhängig davon, wie sich das Bewerberfeld noch entwickelt. Als amtierender Oberbürgermeister habe er aber freilich große Vorteile. Zu einem eigenen Kandidaten - oder einer Kandidatin - ihrer politischen Gruppierung sagt Reinfelder: "Wir schließen nichts aus."

"Mich überrascht Starkes Schritt nicht, weil es sonst keine Lösung für die SPD gibt." -Heinrich Schwimmbeck (BaLi)

Heinrich Schwimmbeck erklärt für die Linken, ebenfalls einen Kandidaten aufstellen zu wollen. Im November soll es soweit sein, dann werde man an die Öffentlichkeit treten. "Wir haben mehrere geeignete Kandidaten." Starke mache seine Sache als Oberbürgermeister aber so, dass eine Mehrheit der Bamberger ihn wählen werde.

"Persönlich bin ich voller Hochachtung für Starke, dass er sich noch mal opfert, um seine SPD vor einem allzugroßen Absturz zu retten."

-Helmut Müller (CSU)

CSU-Fraktionssprecher Helmut Müller hat mit einer erneuten Kandidatur Andreas Starkes gerechnet. "Für mich war es keine Überraschung", sagt Müller und fügt hinzu: "An seiner Stelle hätte ich es nicht gemacht, weil die Zeiten schwieriger werden in einem zerstückelten Stadtrat."

Kommentar des Autors:

Wie groß ist das Feuer noch? Die Bamberger werden in den kommenden Wochen und Monaten vor der Wahl genau hinhören, wenn Oberbürgermeister Andreas Starke spricht, um diese Frage für sich zu beantworten.

Will Starke wirklich über die volle Distanz der Amtszeit gehen? Hat er seine Ziele für Bamberg noch nicht erreicht und will seine Missionen erfolgreich beenden? Oder will er eher gemütlich sein Chefbüro im Rathaus aufräumen? Will er seiner SPD noch einen Nachfolger aufbauen und dann vorzeitig und elegant "Ade" sagen? Für zwei oder drei Jahre wäre die Wählerstimme eigentlich zu schade.

In seiner Rede am Montagabend hat Starke betont, dass er längst noch nicht fertig sei. Außerdem hat er einige konkrete Themen angesprochen, die er realisieren wolle.

Es wird im Wahlkampf auch um die Aussagen zwischen den Zeilen gehen. Um das Gefühl der Wähler. Eine Art politische Wärmebildkamera, wie viel Feuer für das Amt in Starke noch brodelt.

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