Bamberg
Klimaschutz

Wie viel CO2 stößt Bamberg aus?

Seit Jahren hat die Stadt Bamberg keine CO 2 -Bilanz mehr vorgelegt. Dabei soll die Pro-Kopf-Emission alle fünf Jahre um zehn Prozent reduziert werden. Wie der Fußabdruck der Bamberger heute aussehen könnte.
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Ruslan/adobestock.com/Bearbeitung: Micho Haller
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Wie dick ist die Luft, die jeder Bamberger produziert? Um den CO2-Fußabdruck jedes einzelnen Einwohners festzustellen, werden komplizierte (Hoch-)Rechnungen aufgemacht: Zahlen für Strom, Wärme oder Verkehr im privaten wie im öffentlichen Bereich sowie in der energieintensiven Industrie aufsummiert. Zuletzt wurde so im Jahr 2007 die CO2-Bilanz für Bamberg berechnet. Heraus kam, dass jeder Bamberger rechnerisch 10,68 Tonnen CO2 pro Jahr ausstößt. Was deutschlandweit im Durchschnitt liegt.

Doch seither ist keine Erhebung mehr erfolgt. Die entsprechenden Mittel (rund 20.000 Euro) wurden aufgrund des knappen Haushalts nie im Stadtrat bereitgestellt. Die Grünen fordern nun, dass die Verwaltung den CO2-Ausstoß zwingend wieder bilanziert.

Reduzierungsziel geschafft?

Schließlich hatte sich die Stadt im Jahr 2010 das Klimaziel auferlegt, "den CO2-Ausstoß alle fünf Jahre um zehn Prozent zu reduzieren". Und weiter: "Dabei soll der wichtige Meilenstein einer Halbierung der Pro-Kopf-Emissionen (Basisjahr 1990) bis spätestens 2030 erreicht werden." Es ist ein Ziel, das sich Bamberg wie alle Kommunen im Klima-Bündnis gegeben hat, nachdem das ursprüngliche Ziel einer 50-prozentigen Reduzierung nicht erreichbar war.

Hat man seither eine Reduzierung geschafft? Der Klimaschutzbeauftragte der Stadt Bamberg, Günter Reinke, glaubt an eine Verbesserung: "Meiner Einschätzung nach kann es nur besser sein als 2007." Die Reduzierung sollte sich laut ihm bei der Pro-Kopf-Bilanz bei 15 bis 20 Prozent bewegen. "Wenn die Maßnahmen, die angestoßen wurden, zielgerichtet waren."

Reinke nennt für die Stadt Verbesserungen: "Wir beziehen Ökostrom in Form von Wasserkraft." Außerdem sei sehr viel im Bereich der öffentlichen Beleuchtung gemacht worden. Die Stadtwerke seien etwa dabei, die Lampen auf LED umzurüsten. Auch das Sanierungsprogramm des Immobilienmanagements bei öffentlichen Gebäuden zählt Reinke auf.

"Im privaten Bereich werden alte Geräte durch neue, effizientere ausgetauscht." In Privathäusern werde zwar mit Heizöl, Gas und Holz noch einiges an CO2 erzeugt. Doch würden die Heizungssysteme besser. Eine Initialberatung der Klima- und Energieagentur von Stadt und Kreis könne bei der Umstellung helfen. In Bamberg stünden auch Blockheizkraftwerke oder Fernwärme aus dem Müllheizkraftwerk zur Verfügung.

Beim Verkehr seien die Eingriffsmöglichkeiten für die Stadt dagegen relativ gering: "Wir haben viel Pendlerverkehr." Auf lange Sicht, glaubt Reinke, wird sich das Mobilitätsverhalten aber verändern. So werde der Besitz eines Autos nicht mehr primär im Fokus stehen. Allerdings müsse dazu auch die Mobilität, etwa der ÖPNV, attraktiv und zu einem vernünftigen Preis angeboten werden. Auch auf die E-Mobilität setzt der Klimaschutzbeauftragte.

Und auch die Zahlen beim Strom machen Hoffnung: Laut den Stadtwerken wurden noch im Jahr 2007 insgesamt 596 696 Megawattstunden verbraucht, im Jahr 2018 waren es 519 394 Megawattstunden - bei einem deutschlandweit besseren Strommix (CO2-Emission: 471 g/kWh). Die Stadtwerke selbst bieten inzwischen nur Ökostrom an. "Rechnerisch wird sich das darstellen", so Reinke.

Auch Bosch bezieht Ökostrom

Selbst der größte Arbeitgeber Bosch will ab 2020 CO2-neutral sein. Der Standort Bamberg ist laut Sprecherin Katharina Hogh-Binder bereits jetzt zu 99 Prozent CO2-neutral. "Seit Januar 2019 erfolgt die Strombelieferung zu 100 Prozent mit Ökostrom. Auch das Erdgas wird klimaneutral von einem bayrischen Erdgasversorger bezogen." Bis Ende 2019 würden die restlichen Emissionen kompensiert. Zuvor lag der Standort bei 90.000 Tonnen pro Jahr.

Auch für den Klimaschutzbeauftragten Reinke wird es Zeit für eine Bilanz: Damit wir sehen, wo wir stehen." Wieder geht sie los, die Rechnerei. Was man beachten muss: Bei der letzten Bilanz 2007 hatte Bamberg unter 70.000 Einwohner. Inzwischen leben 77.000 Menschen hier. Legt man die Reduzierungsziele zu Grunde, müsste der CO2-Fußabdruck eines jeden Bambergers heute bei 8,6 Tonnen pro Jahr liegen.

Kommentar von Sebastian Martin:

Anlass, um nachzudenken

Der tatsächliche CO2-Ausstoß eines einzelnen Bambergers lässt sich mit einer rechnerischen Bilanz, in der auch die Emissionen von Industrie und öffentlichem Bereich zusammengefasst sind, zwar nicht darstellen - dennoch bietet sie Anlass, um über den eigenen Fußabdruck nachzudenken. Gerade im individuellen Verhalten zeigt es sich, ob wir es mit dem Klimaschutz wirklich ernst meinen. Muss ich das Auto nutzen, um zur Arbeit zu fahren? Wäre es nicht an der Zeit, weniger Fleisch zu essen? Viele Felder gilt es zu beackern. Um den Druck etwas herauszunehmen: Im Vergleich zum Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland, der sich laut Statista im Jahr 2016 bei 8,7 Tonnen pro Jahr einpendelte, lag der Ausstoß von US-Amerikanern bei rund 15 Tonnen. Kein Grund sich auszuruhen, aber zumindest ein kleines Fleißkärtchen.

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