Bamberg
Unterhaltung

Wie tickt der Humor in Franken?

Angeblich geht der Franke zum Lachen in den Keller. Und wenn er lacht, dann eher inszeniert wie bei der "Fastnacht" im Fernsehen. So ein Schmarrn! Wir haben das lustige Dutzend der "Lacharbeiter" aus Franken befragt und erfahren: Aber hallo : Franken HAT Humor.
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Oliver TissotArchiv/privat
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Ephraim Kishon hat die Frage mal so gestellt: Gibt es den typischen jüdischen Humor, und wenn ja, warum nicht? Schade, dass er kein Franke war, denn auch der kann zweierlei besonders gut: um die Ecke denken und über sich selber lachen.

Das ist die hohe Kunst, die die fränkischen Humor-Lacharbeiter auszeichnet, von denen wir ein gutes Dutzend befragt haben. Erwin Pelzig und Urban Priol mussten aus Zeitgründen passen, und Thomas Gottschalk fand's auch nicht lustig.

Die anderen nahmen das ernste Thema nicht auf die leichte Schulter und tauchten tief ein in die fränkische Seele und in das Wesen des fränkischen Humors. Der steckt tief in jedem Franken drin, meint etwa der Liedermacher Wolfgang Buck aus dem Landkreis Bamberg . So tief, dass er oft nicht in Form von Lachen zum Gesicht vordringt ... Außerdem kommen zu Wort: Michl Müller aus Bad Kissingen, Sebastian Reich und Amanda aus Würzburg, Helmut Haberkamm aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt, Volker Heißmann und Martin Rassau aus Fürth, Oliver Tissot, Matthias Egersdörfer und Roman Sörgel alias Bembers aus Nürnberg, Manfred Mäc Härder und Helmut Vorndran (ehemals Totales Bamberger Cabaret) sowie Stefan Eichner ("das Eich") aus Kulmbach.

Ernsthaft: Humor ist ein fränkischer Wesenszug mit Tradition, denn wie anders wenn nicht augenzwinkernd würde der Franke die Okkupation durch fremde Mächte ertragen. Jean Paul hat den fränkischen Humor literarisch veredelt, und Lothar Matthäus hat es zum Weltmeister damit gebracht, weil er eben nicht den Sand in den Kopf gesteckt hat.

Raus in die Welt! Längst lacht die Welt mit, nicht mehr über die Franken. Die Protagonisten des fränkischen Humors sind, wie zu erfahren ist, auf Kreuzfahrtschiffen in der Antarktis unterwegs und leisten ihren Beitrag zur globalen Erwärmung. Rätsel bleiben: Wie schafft es eine Fränkin zur Bundesministerin für Digitales? Wie lange muss man üben, um die harten und weichen Ds richtig zu setzen?

Egal. Der fränkische Humor ist eine Bastion, der Franken schützt. Ein Franke hat es zum Ministerpräsidenten in Bayern gebracht. Lustig ist das nicht. Deshalb Schluss jetzt ...

Diese Fragen haben wir den fränkischen "Lacharbeitern" gestellt; die Antworten folgen.

Der Franke gilt gemeinhin als eher humorlos. Jedes fränkische Haus hat ja einen (Wein)Keller, wohin man zum Lachen gehen kann .... Ernsthaft gefragt: Sehen Sie das auch so, hat der Franke tatsächlich weniger Sinn für Humor als andere Volksstämme - und wenn dem so ist - warum?

Gehen wir einmal davon aus, dass es ihn doch gibt, den fränkischen Humor: Ist er anders als Humor etwa in München oder in Berlin? Die Frage lässt sich mit Ihrer Tournee-Erfahrung ja sicherlich beantworten ....

Wenn Sie den fränkischen Humor charakterisieren müssten - was ist seine besondere Eigenart? Ist es vielleicht der Dialekt, der von vorneherein für Nicht-Franken irgendwie witzig klingt?

Für Sie ist Humor ja nicht einfach nur Unterhaltung, in Ihren Programmen darf das Lachen ja durchaus auch mal im Halse stecken bleiben. Hilft das Fränkische dabei - lassen sich böse Spitzen leichter setzen, weil sie weicher rüber kommen?

Lachen Franken anders als andere Volksstämme bzw. umgekehrt?

Humor-Menschen gelten ja gemeinhin als eher humorlos ... wie würden Sie sich selbst einschätzen?

Worüber können Sie lachen - im besten Fall: Ihr Lieblingswitz?

Oliver Tissot

Der Franke geht ja gar nicht zum Lachen in den Keller, sondern zum Bier- oder Weinholen. Flaschen nimmt er nämlich gerne hoch.

Der Berliner hat eine freche Schnauze, die Münchner sind komische Käuze, wir aber sind wie Laotse, der alte chinesische Philosoph. Zwar nicht schlitzäugig, aber schlitzohrig in unserem (Un)vermögen, das (Un)aussprechliche (un)nötig (un)verständlich (unter)zubringen.

Witzig ist nicht unsere Sprache, sondern was die Anderen sprachlos macht, wenn Sie uns hören. Nicht ohne Grund hat das Land mit der härtesten Währung der Welt, nämlich die Schweiz, ihr Geld nach uns benannt: Franken! Es gibt nämlich nichts härteres!

Selbst harte dialektische Schläge klingen durch unseren weichen Dialekt-Zungenschlag nicht so böse, wie sie gemein(t) sind. Wo Hochdeutsches schnell auf den Geist geht, können wir Geistvolles hochkarätig unterjubeln, weil sich unser lallendes Idiom so schön idiotisch anhört, so dass wir auch Sturköpfe für uns gewinnen, bevor die merken, was eigentlich gespielt wird.

Gelacht wird mit den Backen. Überall auf der Welt. Und zwar mit denen im Gesicht. Alles andere ist für"n Arsch.

Fragen Sie nicht Ihren Arzt oder Apotheker, lieber meine Frau oder Kinder. Ich kalauere, bis der Arzt kommt.

Als Lachverständiger bin ich unentwegt mit Komischem konfrontiert, bei dem ich mir ständig denke, das könne nur ein großer Witz sein: Die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn, veganes Cordon bleu in der Supermarkt-Fleischkühltheke, Abschlagszahlungen an Handwerker, die dauernd was aufschlagen. (Aber besser als Politiker, die selbst dicke Gehälter noch als Diäten bezeichnen). Ach, übrigens auch die trampelhaften Tweets von Trump und so weiter und so fort ...

Mäc Härder

Sehe ich nach 30 Jahren auf der Bühne nicht so. Es mag im Landkreis Kronach um Tettau herum oder im Landkreis Wunsiedel Richtung Oberpfalz Ecken und Winkel geben, die humorresistent sind, aber die Hauptunterscheidung nach 3.000 Auftritten in Franken ist: Wein- und Bierfranken. In Bierfranken sagt der Zuschauer nachher, wenn´s hochkommt: "Gut wors" oder in der persönlichen Variante sogar "Gut worst" und geht. Das Publikum entlang des Mains lacht viel entspannter und bleibt nachher sitzen und lädt dich zum Glas Wein ein: "Des war klasse! Gut haste dei Zeug gemocht. Komm her, trink n Schoppn mit uns."

Der Franke kann es überhaupt nicht leiden, als "Freiwilliger" auf eine Bühne zu müssen. Das zeigt sich visuell, wenn der Saal nicht komplett voll ist. Dann entsteht eine Hufeisenanordnung. Hinten und an der Seite sind die Plätze besetzt, in der 1. und 2. Reihe Mitte sind sie leer. Ist mir erst letzten Sonntag in Pegnitz passiert. Dagegen ist im Rheinland die 1. Reihe als erstes belegt.

Die Frage lässt sich aus anderer Perspektive beantworten. Ich habe neulich wieder mal auf einem Kreuzfahrtschiff gespielt, es ging in die Antarktis, so weit kann man mit fränkischem Kabarett kommen. Auf so einem Boot mit deutschsprachigen Gästen kann ich nur kleine fränkische Schnipsel einbauen, aber auch diese Besonderheiten verstehen sie nur selten. Wir Franken fragen nicht: "Wer ist gestorben?", wir fragen "Wer ist wieder gstorben?" oder sogar in der speziellen Form "Wer ist wieder a weng gstorbn?" Daraufhin setzt überall in Franken ein höllisches Gelächter ein, auf dem Kreuzfahrtschiff ein unverständliches Erstaunen.

Lachen, weiß ich gar nicht, loben tun wir anders. Sehen Sie, das dritthöchste Lob in Franken: "Net so schlecht!". Das zweithöchste: "Passt scho:" Und das Höchste? Wenn ich Leute frage, wie Ihnen meinen Programm gefallen hat, antworten sie in Franken regelmäßig: "Doch!"

Existiert demnach eine ironische Form des Lobens?

Zumindest eine unbemerkte Form. Ist das nicht eigenartig, dass wir unsere Art der Bewunderung folgendermaßen ausdrücken: "Du bist auf dem Bild so gut getroffen, ich hab dich fast net erkannt!"

Ach, ich lache gerne. Wenn die Pointe gut ist, sogar über mich.

Im übrigen ist mein Motto: "Wer austeilt, muss auch einstecken können!"

Lieblingswitze gibt es verschiedene. Wenn wir schon in Bamberg sind, dann präferiere ich einen katholischen.

Der Oberrabbi aus Jerusalem kommt zu Besuch zum Bamberger Erzbischof. Dieser äußert, man könne hier mit Gott telefonieren. Ungläubig hebt der Oberrabbi ab. Tatsächlich, der Allerhöchste am Telefon. Sie reden und reden und nach 20 Minuten legt der Oberrrabbi auf und fragt: "Kostet das was?"

Der Ludwig Schick schaut auf die Uhr und sagt: "Oh, 20 Minuten - das kostet 20.000 Euro!"

Zwei Wochen später ist der Bamberger Erzbischof in Jerusalem. Sagt der Oberrabbi: "Man kann hier jetzt auch mit Gott telefonieren."

Tatsächlich. Auch der Bamberger Bischof telefoniert 20 Minuten mit dem Allerhöchsten und fragt dann: "Wie viel kostet das?"

Antwortet der Oberrabbi: "1 Euro - war ein Ortsgespräch."

Bembers alias Roman Sörgel

Also grundsätzlich würde ich nicht sagen, das der Franke humorlos ist und zum Lachen in den Keller geht. Wer behauptet das denn eigentlich - gibt´s da einen Bundeshumorbeauftragten, der mit seinem Lachometer in Deutschland Messungen durchführt und den Franken als gemeinhin humorlos einstuft. So ein Quatsch - die Verteilung an Leuten die Spaß haben und auch Spaß wollen und verstehen ist genauso wie in anderen Regionen unserer Republik.

Franken ist ja auch groß, das darf man auch nicht vergessen und da wirkt vielleicht im ersten Moment der unterfränkische Weinfranke fröhlicher als der oberfränkische Bierfranke, aber der lacht dann dafür lauter und länger. Grundsätzlich würde ich sagen der Franke hat einen unter Garantie oberdurchschnittlichen Mittelhumor.

Der Franke ist ein ehrlicher weltoffener Mensch, der herzhaft lacht wenn´s lustig ist, egal wer einen Witz macht. Er ist dann aber auch ehrlich wenn´s nicht lustig ist und sagt dann freundlich aber deutlich "so, etz langd´s dann widder du Kaschber". In München oder besser in Altbayern herrscht diese "Mia san mia" Mentalität. Wenn ein Comedian kein bayerisch spricht, oder noch dazu nicht aus Bayern kommt, dann ist er sofort "a Preis" und dann kann der ja gar nicht witzig sein, weil der gar nicht wissen kann, wie die Bayern sind und was die Bayern witzig finden. In Berlin, Hamburg und in ganz Norddeutschland sind alle Bayern dumme Bauern und können gar nicht witzig sein, weil man sie nicht versteht und weil ein dummer Bauer nur dumme Witze machen kann. Die Rheinländer hingegen sind die aller witzigsten Menschen im ganzen Universum - meinen sie auf jeden Fall von sich selbst und das erzählen sie auch jedem, ob er es hören will oder nicht, solange bis man die überdrehte Schunkelbande am liebsten im Rhein versenken möchte. Im Ruhrpott lacht man über kurze flache Witze "Papi, warum hast du eigentlich Mami geheiratet?" - "Siehst du Ingrid, die Kinder können es auch nicht verstehen!" und im Schwabenländle lacht man so sparsam, da fehlt manchmal sogar die Pointe.

Alles Schwachsinn, erzähl einen guten Witz über Holländer oder Österreicher und ganz Deutschland lacht (Urlaubstipp vom Bembers: Funktioniert übrigens mit dem selben Witz über Deutsche auch in Holland und Österreich). Fakt ist, es gibt überall lustige Menschen und natürlich auch unlustige, da schenkt sich keine Region etwas.

Kann sein das es der Dialekt ist der witzig klingt auch wenn man mal derb wird, aber ich glaube der Franke nimmt sich selber nicht so ernst und kann sehr gut über sich selbst lachen und das macht ihn sympathisch.

Ja, wie oben schon erwähnt, fränkisch klingt witzig und vielleicht sogar ein bisschen niedlich auch wenn´s mal derb wird und weh tut.

Nein, die machen auch so komische Laute wie alle anderen auch. Es ist eigentlich überall das gleiche blöde "hahaha oder hihihi".

Ich bin den ganzen Tag wahnsinnig witzig und stell´ mir manchmal sogar Nachts den Wecker um bei einem Stückchen Jogurette ein bisschen zu lachen.

Liegt ein Ehepaar gelangweilt im Ehebett dann sagt der Mann zu seiner Frau" Ich glaube Du kannst mir nichts erzählen, was mich gleichzeitig glücklich, aber auch traurig macht" - dann sagt sie:"Ich glaube schon" - dann sagt er "Na dann erzähl mal!" - dann sagt sie "Du hast den schönsten Schwanz von all´ Deinen Freunden".

Sebastian Reich und Amanda

Amanda schreit gerade schon "Fake-News, der Franke hat Humor"! Spaß beiseite, der Franke ist definitiv ein lustiger Geselle. Wir erleben das ja regelmäßig auf Tour, dass Franken so richtig Spaß haben können. Manch einer braucht vielleicht ein paar Minütchen, bis er die Treppe aus dem Keller hochkommt, aber dann geht"s rund.

Ich unterscheide auf Tour ehr den "Freitags- und Samstags-Humor", da gibt es Unterschiede. Am Samstag sind die Zuschauer noch ein wenig entspannter, weil Wochenende ist. Einen regionalen Unterschied bei Pointen erlebt man allerdings auch schon, dass der Berliner an einer anderen Stelle lacht, wie der Münchner, wieso und warum, dass hat aber selbst das Nilpferd von Welt noch nicht herausgefunden.

Fränkischer Humor ist allein durch die Sprache schon etwas besonders. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass der Franke gerne mal über sich selbst und seinen Dialekt lachen oder schmunzeln kann. Und im "Ausland", wie letztens bei einem unserer Gastspiele in NRW hat man mit "Schäufele", "Schlenkerla" und "Drei im Weggla" besonders viel Spaß.

Böse Spitzen würde ich mir ja nie erlauben. Da ist es gut, wenn man ein Nilpferd an der Seite hat. Und wenn das dann auch noch fränkisch loslegen darf, dann hilft das definitiv. Einem fränkischen Schwergewicht wie Amanda verzeiht man dann sehr schnell.

Manch ein Franke schmunzelt erstmal etwas nach innen, bevor er dann kräftig loslacht. Als Kontrast hatten wir bei einem Open-Air in Nürnberg mal eine japanische Reisegruppe, die kein Wort verstanden hat, aber trotzdem schreiend gekichert hat. Über Volksstämme und Lacharten könnte man wahrscheinlich ein Buch schreiben...

SEBASTIAN: Das kann ich für mich so nicht unterschreiben. Ich habe schon als Kind Prunksitzungen im Wohnzimmer gespielt und aus Vorhängen Zirkuszelte gebastelt, sehr zur Freude meiner Eltern. Und auch heute noch gehe ich privat mit viel Humor durch den Alltag und lache gern und viel. Es macht das Leben einfach leichter! AMANDA: Ich habe sehr viel Humor, anders ertrage ich den Typ neben mir auch nicht!

Ich schaue privat gerne mal Comedy, Kabarett und lustige Filme. Lachen ist einfach gesund. Wenn es dann noch ein Witz ist, wo der Franke sagt "des hat jetzt fei e biserle gebraucht", dann macht das besonders Spaß. Ein kleines Beispiel von Amanda: Was macht das Reh ohne Haare? Es geht in die Reha-Klinik.

Stefan Eichner - Das Eich

Auf der Bühne sage ich das immer so: Wir Franken, sind etwas gefühlskalt - können das aber nicht so zeigen! Und schon lacht auch der Franke. Generell ist es natürlich Quatsch, zu behaupten, der Franke ist humorlos - das sind wir definitiv nicht. Natürlich haben wir Humor, allerdings ist der Franke ja eher eine "unaufgeregte Natur" und das spiegelt sich natürlich auch beim witzig sein wieder. Wir müssen nicht wie ein Harlekin mit Pappnase umherspringen und jedem zeigen: "Schau, wie lustig wir Franken sind!". Wir bringen unseren Humor entspannt und furztrocken rüber - und das finde ich an uns sehr sympathisch.

Hopperla, da sind natürlich gleich zwei extreme Kontrastregionen angesprochen worden! Klar wird in unterschiedlichen Regionen über unterschiedliche Sachen unterschiedlich gelacht. Da hat jeder sein eigenes Naturell. In meinem ersten Bühnenprogramm war auch der Anteil fränkischer Themen größer, mittlerweile spiele ich überregional und sogar weltweit auf Kreuzfahrtschiffen, da bringst Du natürlich Themen, die im kompletten deutschsprachigen Raum funktionieren. Da muss ich mittlerweile sehr flexibel sein. In München eher zünftig, in Berlin geht´s sehr direkt zu und im Schmidt-Theater in Hamburg am Kiez darfst Du zur Mitternachtsshow nicht mit Wattebäuschen werfen - da will´s das Publikum schmutzig!

Die Frage habe ich teilweise schon beantwortet, was aber den Dialekt angeht: Wenn ein Auswärtiger uns zuhört, wenn wir uns breit fränkisch unterhalten, dann haut´s denen schon die Fragezeichen aus der Dattel. Das finden dann aber eher WIR lustig! Dialekt spielt auch bei meinen Eich-Shirts, die es auf meiner Internetseite und bei meinen Konzerten gibt, eine große Rolle. Der größte Renner ist da tatsächlich ein Shirt, dass ich mir privat mal für meinen Urlaub in Niedersachsen gemacht habe. Vorne steht: "Mir Frangn sind die geilsdn!" - das kapiert da oben natürlich kein Mensch. Dementsprechend sind auch die Gesichter zum schießen, die verzweifelt den Druck entziffern wollen. Wenn sie an mir vorbeigelaufen waren und sich umdrehten, habe ich noch den Rückendruck: "Schau net so bleed, des is fränkisch!". So einfach geht Spaß. Das Ding ist der Verkaufsschlager schlechthin.

Ja, wenn ich in Franken spiele, kann ich ja beim Dialekt aus dem Vollen schöpfen. Das hilft ungemein. Ich sammle ja im Grunde zwei Jahre Alltagsgeschichten, die ich dann auf die Bühne bringe. Genau deswegen kommen die Leute in meine Shows, weil das eben sehr nah am Volk ist. Und natürlich gibt es Geschichten, wo deftige Schimpfwörter unterstützen. Da haben wir Franken einen wundervollen Fundus und ein "Badschgluus", "Zündbläddla" oder "Rimpfieeech" klingt einfach charmanter als eine plumpes "Vollidiot" oder "A...loch".

Das hat nix mit damit zu tun, wo man herkommt. In meinem Programm "Der Schwachsinn galoppiert!" habe ich eine ganze Nummer über Lachtypen gemacht, die es überall gibt. Da erlebt man live Dinge, die glaubt man nicht. Der eine zischt, beim anderen klingt´s wie Schnarchen, der nächste zuckt nur tonlos mit hochrotem Kopf auf seinem Stuhl auf und ab und heult dabei. Und natürlich der Klassiker: Reihe 1, Füße weggestreckt, verschränkte Arme, den ganzen Abend null Reaktion. Das ist der Erste, der dann hinterher zu Dir kommt und sagt: "Ich hab mich lange nicht mehr so amüsiert!". Es gibt daher eine Standardfrage in unserer Branche in Richtung des Zuschauers: "Haben Sie Spaß?". "Ja.". "Ok, sagen´s Sie´s Ihrem Gesicht!"

Ich bin privat der größte Kindskopf überhaupt und unterscheide mich kaum zum Eich auf der Bühne. Ich habe schon als Kind viel Spaß am Blödsinn gehabt und mich dazu entscheiden, mir das so lange es geht zu bewahren. Wenn ich abseits der Bühne der größte Piesepampel wäre, würde ich auch auf der Bühne nicht authentisch rüberkommen. Und dann wäre ich fehl am Platz und sollte lieber Daheim bleiben und Socken rollen.

Ich kann über so ziemlich alles lachen, aber nicht jeder Witz ist "druckfähig". Ganz aktuell lache ich jeden Tag über den Abreißkalender vom "Postillon". Jeden Tag gibt´s da den Newsticker. Mein bisheriger Favorit: "Fällt vom Stuhl - Mistkäfer hat Lachanfall." Über sowas kann ich mich wegschmeißen!

Volker Heißmann und Martin Rassau

Es ist ein absoluter Trugschluss, dass der Franke an sich keinen Humor hat. Und dieses Klischee können wir deshalb überhaupt nicht bestätigen. Überall dort, wo wir hinkommen, wird nämlich gelacht - und das kann ja nicht nur an uns liegen... Im Übrigen beweist schon die Fastnacht in Franken, dass wir als Volksstamm sehr humorvoll sind und uns sogar selbst auf die Schippe nehmen können. Sonst hätte diese Sendung nicht seit so langer Zeit einen solch großen Erfolg!

Natürlich ist der Humor überall ein bisschen anders - der Berliner lacht vielleicht etwas lauter über derbere Witze als der Schwabe, der Franke frotzelt mit dem Münchner, und der Altbayer freut sich, wenn die Preußen eine auf den Deckel bekommen. Aber letztendlich geht es doch immer nur darum, seiner Fröhlichkeit freien Lauf zu lassen. Lachen ist eine ganz natürliche Reaktion, vielleicht sogar das wichtigste Ausdrucksverhalten eines Menschen überhaupt. Deshalb lieben wir unseren Beruf ja auch so sehr: Es gibt nichts Schöneres, als das Publikum zum Lachen zu bringen. Wenn wir uns einen Sketch überlegen und auf der Bühne merken, dass er funktioniert, ist dies das größte Kompliment für uns als Komödianten. Dann haben wir unseren Job gut gemacht.

Auch das ist so ein Klischee: Wenn wir außerhalb Frankens spielen, hat uns noch niemand gesagt, dass unser Dialekt "irgendwie witziger" klingt als andere Mundarten, was ja auch immer unterstellt, dass wir etwas einfältiger sind als der Rest der Republik. Das sind wir jedoch ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Die fränkische Sprachfärbung wird außerhalb Frankens als überaus sympathisch und freundlich wahrgenommen. Aber natürlich lässt sich mit dem Dialekt ein bisschen spielen, weil man mit seiner Hilfe auch unangenehme Dinge charmanter ausdrücken kann als auf Hochdeutsch. Der Ausdruck "Hefdlersmacher" ist halt etwas lieblicher als das Wort "Pedant", und die "Bridschn" klingt auch nicht ganz so abwertend wie das "Flittchen", um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Das lässt sich dann prima einbauen.

Humor darf ganz unabhängig von der Herkunft seiner Erzeuger durchaus auch mal böse - oder besser gesagt scharfzüngig - sein. Aber für uns gibt es eine klare Grenze: Der Spaß hört dort auf, wo sich andere Menschen in ihren Gefühlen verletzt fühlen könnten, ganz gleich aus welchem Grund. Unter die Gürtellinie geht es darum bei uns höchstens dann, wenn wir uns damit auch selber auf die Schippe nehmen. Wir machen uns gerne über die Dinge lustig, die uns ebenso betreffen oder passieren könnten wie allen anderen im Saal. Wir deuten aber nicht schadenfroh oder hämisch mit dem Finger auf Dritte, nur um des lautesten Applauses willen.

Klare Antwort: Nein. Gelacht wird, wenn's komisch ist. Und wenn etwas nicht witzig ist, lacht auch der Franke nicht. So einfach ist das!

Wenn wir keinen Humor hätten, könnten wir diesen Beruf gar nicht ausüben - nicht eine Sekunde! Und das gilt vermutlich für die meisten unserer Kollegen genauso. Schließlich müssen wir uns all den Unsinn ja auch ausdenken. Humorlosigkeit ist ein schlimmes Los. Wir sagen immer: Wenn jemand überhaupt keinen Humor besitzt, dann soll er auf den Friedhof gehen, sich ein Blumenstöckla kaufen und warten, bis er drankommt. Aber Komödiant zu sein, bedeutet ja nicht, dass wir den ganzen Tag durch die Gegend laufen und Witze erzählen. Wir sind selbstverständlich auch mal ernst, still oder traurig, wenn es die Situation erfordert. Alles andere wäre schlimm und vollkommen unnatürlich.

Den einen Lieblingswitz gibt es nicht. Schön ist alles, was kurz und knapp ist - und wo man einen kurzen Augenblick nachdenken muss. So was wie "Was steht bei einem Spanner auf dem Grabstein? Endlich weg vom Fenster!" Das finden wir zum Schießen...

Matthias Egersdörfer

Es fällt mir schwer Urteile über den Franken im Allgemeinen auszusprechen. Bei einigen Exemplaren aus Franken ist mir aber schon aufgefallen, dass diese ihre gute Laune nicht vor sich herfahren müssen wie stolze Eltern ihren Nachwuchs im Kinderwagen. Gut und gern behält man eine humorige Anwandlung auch einmal für sich und dann lacht man einmal über einen Witz auch im Nachhinein um niemanden mit der eigenen guten Laune zu stören.

Oft einmal passiert der fränkische Humor mehr aus einem Versehen heraus wie man z.B. aus Unachtsamkeit ein Bierglas umstößt. In anderen Teilen des Landes betreibt man Humor wie ein Jäger, der mit der Flinte in den Wald geht. Aus einer direkten Absicht heraus vermeidet man oftmals in Franken den Humor wie man auch keine Lederhosen anziehen muss um Bier zu trinken.

Der Nicht-Franke lacht oft über den Franken wenn dieser z.B. in schlichter Ernsthaftigkeit über die Problematik der Existenz spricht. Wenn der Franke dann einmal etwas aus seiner Sicht Humorvolles ausspricht ist eine gute Laune oftmals beendet.

Ich habe durchaus nichts dagegen wenn bei meinen Programmen gelacht wird. Ich hoffe auch sehr, dass ein Lachen, das im Hals stecken bleibt, nicht ungute Auswirkungen auf die Gesundheit bewirken kann. Auf dem Land zeigt sich das Publikum oftmals fast erschreckt wenn ich etwas auf der Bühne sage, weil es so klingt als habe man es dort annähernd selber sagen können. In der Stadt hüllt sich das Auditorium oft in einen Schleier des Lachens, weil man dort froh ist, dass ich nicht dazu gehöre.

In Franken entsteht ein Lachen oftmals in Kopf und Bauch nahezu zeitgleich und entlädt sich dann im Rachenbereich und wird dann zwischen den Zähnen abgesondert. Ich habe einmal einen Mongolen dabei beobachtet bei dem sich die Falten um die Augen merklich verändert haben und ich hatte in dem Moment die Vermutung, dass dies seine Form des Lachens gewesen ist.

Die Schwerkraft im Allgemeinen und die Schwierigkeiten der Kommunikation mit anderen Mitmenschen im Besonderen plagen mich regelmäßig. Im Nachhinein flüchte ich mich dann in ein Lachen darüber. Vielleicht ist das Humor. Vielleicht ist das aber nur Ausdruck ein großen Not, die ich nicht anders überwinden kann.

Als ich gestern nach meinem Auftritt im Hotel einchecken wollte wurde mir mitgeteilt, dass Matthias Egersdörfer bereits in meinem Zimmer liegt und schläft. Im ersten Moment war ich erschreckt, weil es mich offensichtlich zweimal gibt. Ich habe dann ein anderes Zimmer bekommen und habe erleichtert gelacht. Jetzt traue ich mich nicht das Zimmer zu verlassen, weil ich fürchte, dass ich mir selbst im Aufzug begegnen könnte. Ich wüsste nicht was ich zu meinem anderen selbst sagen sollte ohne ihn zu erschrecken.

Michl Müller

Sagen sie mal, in welchem Silvaner-Fass haben sie denn heute Nacht geschlafen? Der Franke hat keinen Humor? Das habe ich ja noch nie gehört. Er hat sogar sehr viel Humor, den er halt sehr geschickt versteckt. Muss ja nicht gleich jeder mitkriegen, dass wir ein ziemlich lustiges Völkchen sind.

Meist kommt der Humor beim Franken auch sehr verschmitzt ums Eck und ist nicht immer gleich als Humor zu erkennen. Ja, ich glaube, das trifft`s!

Ich bin ja mittlerweile in ganz Deutschland und Österreich unterwegs und ich würde sagen, es gibt weder einen typisch fränkischen Humor, noch einen typisch Berliner oder Hamburger Humor. Gelacht wird eigentlich überall über die gleichen Dinge. Oder auch nicht! Man kann einen Witz in Franken genau so verhunzen wie in Österreich. Vielleicht merken es die Österreicher halt ein bisschen später... (Schmarrn, war ein Witz!)

Wie gesagt, ich denke der Humor ist international! Und wenn ein Nicht-Franke unseren Dialekt von vorneherein witzig findet, dann lacht er auch schon wenn ein Franke die Speisekarte in einem italienischen Restaurant vorliest. Es geht halt nix über eine "Bizza Magharidda und danach e Diramisu, gell Brigidde!"

Auf alle Fälle, "ein Bömble" klingt halt einfach viel niedlicher als "eine Bombe", ein "Derrorisd" hört sich viel freundlicher an als ein "Terrorist" und "Dhrombose-Schdrumbf der CDU" hört sich besser an als "Jens Spahn".

Das habe ich immer geglaubt, aber ich kann nach langjähriger Erfahrung bestätigen: Nein! Also es gibt schon Unterschiede, aber die würde ich nicht regional festmachen. Manchmal liegt es einfach nur daran, ob die Frau dabei ist oder nicht.

Ich bin komplett humorlos! Nein, Schmarrn! Ich bin schon ehr einer, der lachend durch die Welt geht.... Anders hältst du es ja nicht aus!

Laut einer Studie hat jeder vierte Mann schon mal einen Orgasmus vorgetäuscht. Aha! Manche Männer kommen also nicht mal mehr, bevor sie gehen!

Helmut Vorndran

Da habt ihr euch ja die schwierigste aller Fragen herausgesucht.

Ja diesen Humor gibts, allerdings sind auch hier die Ausformungen und Geschmäcker verschieden.

So geht mir etwa der fränkische Fastnachtshumor in weiten Teilen am humoristischen

Geschmackssinn vorbei. Schon eher kann ich mich begeistern an spontanen

Humorkreationen, die an so manchem feuchtfröhlichen Biertisch auf dem Keller

entstehen und wieder vergehen, um beim nächsten Mal wieder neu erfunden zu werden.

Mir persönlich gefällt der fränkische Humor am Besten, wenn er hinterfotzig daherkommt.

Wenn der Mensch lacht, weiß aber erst einmal nicht genau warum. "Wie hat der des jetzt gemaant?"

Ja, der Franke lacht sehr gern, auch über sich selbst - und das kann man weiß Gott

nicht über jeden Volksstamm sagen, schöne Grüße in die Türkei.

Einen fränkischen Witz erzähl ich hier nicht, besser eine leibhaftige Geschichte, die mir einmal

beim Zusammentreffen mit einem ortsansässigen Würdenträger widerfuhr. Auf die Aussage seiner

Heiligkeit, er freue sich, mich auch einmal kennenzulernen, antwortete ich so ehrlich wie möglich:

"Machen sie sich keine Umstände Herr Bischof, ich bin heterosexuell"

Na, gelacht?

Wolfgang Buck

Nein, niemals! Der Franke vergisst nur, sein Gesicht darüber zu informieren, wenn er sich freut.

Der Oberbayer freut sich, wenn er einen anderen "derbleckn", also naufschießen kann, und kann daraus einen richtigen Wettkampf entwickeln, wohingegen ihm aber Selbstironie ziemlich abgeht (zumindest seit Karl Valentin nicht mehr unter den Lebenden weilt). Der Landfranke hat eher Selbstironie und Galgenhumor entwickelt, es ist also eher ein durch die harten Schläge des Lebens in Franken pessimistischer und skeptischer Humor. Der Nürnberger verwechselt Humor oft mit Fäkalverbalismus. In Würzburg kommen sich die Leute besonders lustig vor, sie brauchen aber dazu erst einmal mindestens zwei Schöbbli. Die Berliner sind eher schnoddrig, trocken und gewitzt. Die Humore sind auch untereinander ganz schwer kompatibel: Das Schlimmste war mal, als Gregor Gysi im Nachgespräch zum Nockherberg in einer Runde mit Markus Söder saß. Gysi hatte die Wirkung des Starkbiers definitiv unterschätzt und war irgendwie sehr berlinerisch-süß-schnoddrig, aber in seiner Artikulation ungewohnt schwerzüngig. Söder hat gemeint, er müsse diese temporäre Schwäche Gysis gnadenlos ausnutzen, und hat ihn regelrecht gemobbt und zeigte Null Humor, trotz vorherigem Nockherberg. Da hab ich mich für uns Franken fast ein wenig geschämt.

Ich bin mir nicht sicher. Es gibt ja auch dieses Bratwurstfränkisch, das manche Comedians pflegen, mit dem sie den Franken immer als "Debberla" hinstellen. Andererseits könnte man auch diese Kunstform schon wieder als Ausdruck von Selbstironie begreifen.

Das ist definitiv ein Vorteil. Der Franke lässt sich lieber auf den Arm nehmen, wenn der Spott nicht im für ihn manchmal arrogant wirkenden Hannoveranisch daherkommt, sondern schön weich und gedehnt. Nicht wie eine kalte Messerklinge, sondern wie ein weiches Sofakissen.

Sie lachen zumindest langsamer. Wenn ich auf Bühnen außerhalb Frankens unterwegs bin, bin ich immer über die schnelle Bereitschaft zum Lachen anderswo erstaunt. Die Zündschnur ist in manchen anderen Regionen wesentlich kürzer, etwa in Hessen oder Oberbayern. Da gibt es aber auch in Franken ein Stadt-Land-Gefälle, der fränkische Landbewohner lässt den Künstler erst mal kommen ("Der soll erschd amol wos leisdn") und wird erst ganz am Ende während des Klatschens nach einer Zugabe euphorisch. Die Schwaben sind nicht nur mit dem Geld geizig, sondern auch mit dem Lachen und dem Applaus.

Ich lache mehr nach innen. Darum setze ich mich in den Vorstellungen von Kollegen immer lieber nach hinten, sonst sehen die, dass ich nicht lache, und denken, es gefällt mir nicht. Was nicht stimmt.

Mein Lieblingswitz? Der Slibowitz.

Helmut Haberkamm

Das halte ich für ein Klischee, an dem zwar etwas Wahres dran ist, aber auch viel Unzutreffendes. Man trifft in Franken immer wieder auf eine bierernste Mauligkeit und Mumpfeligkeit, die auch tief drinsteckt in der hiesigen Mentalität und Mundart. Genauso findet man jedoch auch sehr viel trockenen Humor und Sarkasmus, viel Ironie und Selbstironie, ja sogar Lebensfreude und Heiterkeit. Franken wird ja neuerdings sogar als Kabarett- und Faschingshochburg gehandelt - und hat mit Jean Paul den sprachmächtigsten und geistreichsten Humoristen der deutschen Literatur hervorgebracht.

Die Spielarten der Sprache sind unterschiedlich, weniger die Art des Humors. Im Laufe meines Lebens habe ich verschiedene Regionen näher kennengelernt, z.B. Wales, London, New York, Indianapolis, das Trentino. Als Quintessenz würde ich sagen: Die Menschen sind erstaunlich ähnlich. Humorlose, wortkarge, grantelnde Zeitgenossen fand ich überall - aber viel öfter liebenswürdige, aufgeschlossene, kontaktfrohe. Ich fand den englischen Humor dem fränkischen durchaus ähnlich, mit der sarkastisch-selbstironischen Schlagseite, dem Understatement, Zuspitzen und Andeuten ("tongue in cheek"). In Indiana im amerikanischen Mittelwesten sind die Menschen sehr pragmatisch und bodenständig, was auch auf die vielen Einwanderer aus Franken und Deutschland zurückzuführen ist. Ihr Humor ist dementsprechend hemdsärmelig zupackend und lauthals herausplatzend, ähnlich wie bei uns. Was woanders jedoch viel besser funktioniert, das sind Optimismus, Charme, Höflichkeit, Enthusiasmus. In dieser Hinsicht sind wir Franken schlecht ausgestattet und eher unbeholfen.

Jeder Dialekt klingt für Außenstehende "komisch", urig, witzig. Für einen Mailänder oder eine Florentinerin ist das Trentinische ebenso eigentümlich wie das schottische Englisch für eine Person aus Cambridge. Viel wichtiger und prägender erscheint mir beim Fränkischen die Verwurzelung in der bäuerlich-dörflichen Landkultur dieser Region, die bestimmt worden ist von Zersplitterung (politisch, konfessionell, kulturell, Arm und Reich, Bier und Wein usw.), Kleinräumigkeit, Unterdrückung und Gewalt. Das erklärt die Zurückhaltung, die Vorsicht, das Misstrauen beim Reden und Handeln. "Des werd scho widder so a Gschmarri sei!", lautet ein typischer Glaubenssatz hierzulande.

Auf jeden Fall. Dialekt schafft sofort Identifikation: Region, Menschenschlag, Typen werden unmittelbar verständlich und persönlich abrufbar. Deshalb arbeiten auch so viele Bühnenkünstler mit Mundart, weil sie intuitiv hörbar und anschaulich macht, wer wo wie gemeint ist. Es wird auf der Stelle emotional, direkt, persönlich. Es geht dich an, es geht unter die Haut, es wird dir warm, es ruft eigene Erinnerungen und Bilder hervor. Da der Humor der Zwillingsbruder der Melancholie ist, steckt im besten Humor stets auch der Kummer über die Welt und die Menschen - dass sie eben so sind, wie sie sind.

Das glaube ich eher nicht. Die Menschen, die ich getroffen habe, lachten über ähnliche Witze und Ironien auf ähnliche Weise, egal ob im Trentino, in England oder in Indiana. Die Unterschiede sind eher im Persönlichen. Eine Person, die eingebildet, kleinkariert oder einfältig ist, erweist sich überall als humorlos und dumm. Wahrer Humor ist ja mehr als bloßes Lachen über Späße oder über andere Leute. Wir dürfen nicht vergessen: Folterer und Menschenschinder haben ihren Spaß am Quälen, lachen herzhaft über ihre Opfer und singen am Abend mit Tränen in den Augen sentimentale Lieder. Das war im Dritten Reich genauso wie in Chile oder in Guantanamo. Wo Menschen lachen und singen, kann auch das Grauen wohnen.

Clowns und Humoristen sind privat oft melancholisch und traurig, weil sie um die Realität von Leid, Einsamkeit und Schwermut wissen. Ihre Komik kommt aus dem Schmerz, das macht sie so groß und universal. Bloße Witzbolde fliehen oft ins Lachen, weil sie Effekte erzielen wollen und ihr wahres Wesen verbergen. Herbert Hisel etwa, der Nürnberger Witzbold-Klassiker, war ja eine tragikomische Figur, der sich in den Alkohol stürzte aus purer Verzweiflung: Das Lachen-Müssen, das Witzereißen wird irgendwann unerträglich. Natürlich liebe ich Humor sehr, vor allem den, der spontan entsteht und immer präsent ist. Der geistreiche, sprachbewusste Humor eines Jean Paul. Der Humor als Bruder der Melancholie. Wahrer Humor beginnt ja erst da, wo der Spaß aufhört.

Witze mag ich schon, kann sie mir aber nur ganz schlecht merken. Humor zeigt sich vielmehr im Umgang mit der Sprache, mit den Widrigkeiten des Alltags, den Schlägen des Schicksals. Neulich hörte ich einen Witz, der mir gefiel, weil er so typisch für Franken ist.

Vater und Sohn stehen beisammen.

"Horch, Babba, ich hobb mich välibbt."

"Ja mei Buu, etz bist ja scho ball achzer. Wersder scho a scheens Madla ausgsucht hoom, odder? Hobb, sooch, in wen na?"

"Des soochi net!"

"Geh zu, soochmers halt! Des blabbd under uns. In die Schanedd?"

"Naaa, Babba!"

"In die Diffänie?"

"Naaa, Babba!"

"In die Schagglien obber net, die alt Schlora?"

"Naa, Babba! In Reiner."

"In Reiner? Spinnsd du? Also, des gedd aff goor kann Fall! Der is efangelisch!"



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