Bamberg
Konversion

Wer kriegt die Offiziershäuser in Bamberg?

Jahre standen sie leer, nun sollen 31 Einfamilienhäuser in Bamberg aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden. Zwei werden abgerissen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Früher lebten hochrangige Offiziere der US-Armee in der Siedlung an der Buchenstraße. Nun sehen 31 Häuser einer aufwändigen Sanierung entgegen.  Archiv-Bilder: Ronald Rinklef
Früher lebten hochrangige Offiziere der US-Armee in der Siedlung an der Buchenstraße. Nun sehen 31 Häuser einer aufwändigen Sanierung entgegen. Archiv-Bilder: Ronald Rinklef
+1 Bild

Vier Jahre nach dem Abzug der Amerikaner hat die Stadt die ehemalige US-Offizierssiedlung gleich neben der Pödeldorfer Straße erworben. Rund 31 Häuser am östlichen Stadtrand Bambergs sehen einer Sanierung und ab dem Ende des Jahres 2019 einer Vermietung entgegen. "Dies ist ein weiterer Baustein unserer Strategie, Wohnraum zu schaffen", freut sich Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD).

Doch nicht alle betrachten die Nachricht aus dem Rathaus als eine Erfolgsmeldung. "Wir hätten es viel besser gefunden, wenn die Stadt die Häuser an junge Familien weiterverkauft hätte. Die hätten dann die Gelegenheit, die Häuser selbst kostengünstig herzurichten", urteilt Dieter Weinsheimer. Nun, befürchtet der Vorsitzende der Bamberger Allianz, dass die Stadtbau die Immobilien teuer sanieren werde, um sie dann "hochpreisig" zu vermieten. "So wird nur wieder eine weitere privilegierte Wohnsiedlung geschaffen."

Die Stadt hat die 33 Häuser samt Umgriff für knapp über fünf Millionen Euro erworben, "zum Schnäppchenpreis" wie der Bamberger Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn (CSU) bereits 2017 kommentierte. "Will die Stadt selbst Geld an den Häusern verdienen, statt sie günstig an die Bürger weiterzugeben?", fragt Christine Lawrence von der Initiative "Armygelände in Bürgerhände". Hört man die Aktivistin hätte Bamberg gut daran getan, sich ein Beispiel an Schweinfurt zu nehmen, wo bereits vor zwei Jahren vergleichbare Offiziershäuser zum Preis von 90 000 bis 120 000 Euro an interessierte Bürger weiter verkauft worden sind.

Dort hatte die Kommune lediglich für die Erschließung gesorgt. Hedwig Luster von "Armygelände in Bürgerhände" empfiehlt deshalb dringend, von einer Luxussanierung in Bamberg Abstand zu nehmen und die Kosten für den Umbau möglichst niedrig zu halten . "Es genügt doch, die Häuser in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen."

Zwei Häuser werden abgebrochen

Tatsächlich handelt es sich bei den Arbeiten um ein Großprojekt, das im Frühling 2019 starten soll. Die Stadtbau, die das Vorhaben im Auftrag der Stadt nach ähnlichem Schema wie in der Pines-Siedlung an der Zollnerstraße durchführen will, rechnet vorbehaltlich der Ergebnisse noch ausstehender Schadstoffuntersuchungen mit Kosten im zweistelligen Millionenbereich für die Erschließung der ganzen Straße, einer Lärmwand an der Pödeldorfer Straße und die Modernisierung aller Häuser - von den Böden bis zu den Fenstern. Das Vorhaben umfasst auch die komplette Erneuerung aller Leitungen in sämtlichen Häusern.

Soviel steht zudem heute schon fest: Zwei der in den 50er Jahren gebauten 33 Häuser sollen als Teil der Maßnahme abgebrochen werden, kündigt Stadtbau-Geschäftsführer Veit Bergmann auf Nachfrage an. Bei ersten Untersuchungen habe sich eine hohe Belastung der Häuser mit Asbest ergeben.

Trotz der aufwändigen Sanierung sollen die übrigen 31 Offiziershäuser nach einem sozialen Punktekatalog unter der Vorgabe "familienfreundlichen Wohnens" vermietet werden. Den Preis, den Bambergs OB, bereits vor einiger Zeit genannt hatte, 7,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, bestätigt Bergmann als angestrebtes Ziel. Ende 2019 sollen die ersten Häuser bezugsfertig sein.

Laut Bergmann war das Schweinfurter Modell eines Verkaufs der Häuser in den zuständigen Gremien diskutiert worden, aber auf Ablehnung gestoßen. Mit der Vermietung hoffe die Stadt der Aufgabe kostengünstigen Wohnraum zur Verfügung stellen zu können, besser gerecht zu werden als mit einem Verkauf.

Zustimmung findet dieses Vorgehen auch bei den Grünen in Bamberg. Ursula Sowa betont, dass die Stadt durch dieses Angebot den freien Markt ergänzen wolle, so dass auch solche Familien in den Genuss eines Einfamilienhauses kämen, die keine Chance hätten, eines zu kaufen. Dieses Ziel verfolgt auch die Bamberger CSU. Wie Kreisvorsitzender Christian Lange sagt, sei es ein vorrangiges Ziel der CSU, "insbesondere attraktive und finanzierbare Angebote für junge Familien zu machen".

Sollte die Stadt den genannten Preis von 7,50 Euro pro Quadratmeter halten können, werden sich die Kaltmieten pro Haus zwischen 877 und 1125 Euro belaufen. Dazu kommen bei Flächen von 117 bis 150 Quadratmetern allerdings noch erkleckliche Nebenkosten.



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren