Bamberg
Adventskalender

Wie Kunigunde nach Japan kam

Die auf dem Maxplatz beheimatete Heiligenstatue hat in Tokio einen Doppelgänger. Alt-Oberbürgermeister Herbert Lauer kennt die Hintergründe.
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Herbert Lauer blickt bewundernd zu Kunigunde empor, die eine japanische Zwillingsschwester hat. Foto: Eva-Maria Bast
Herbert Lauer blickt bewundernd zu Kunigunde empor, die eine japanische Zwillingsschwester hat. Foto: Eva-Maria Bast

Was hat die heilige Kunigunde nicht alles für Bamberg, diese Stadt, die sie von ihrem Gatten Heinrich II. als Morgengabe erhalten hatte, getan! Die Gründung des Klosters Michaelsberg hat sie unterstützt und sich für Arme und Kranke eingesetzt. Einer Legende zufolge soll sie die Stadt sogar während des Zweiten Weltkriegs vor den Bombenangriffen geschützt haben, indem sie ihren Witwenschleier in Form von Nebel über die Stadt legte. Und nun ist die Heilige auch noch zur Modeikone geworden und inspiriert tagtäglich rund 6000 junge Japanerinnen.

Wie es dazu kam und was es damit auf sich hat? Diese Geschichte erzählt schmunzelnd Bambergs ehemaliger Oberbürgermeister Herbert Lauer: "Die Universität Würzburg hat eine partnerschaftliche Beziehung mit einer Frauenuniversität in Tokio", erklärt er. "An diesem Bunka Fashion College im Stadtteil Shinjuku der japanischen Hauptstadt Tokio werden jährlich rund 6000 junge Japanerinnen in Modedesign unterrichtet."

Bei einem Besuch in Würzburg, der um das Jahr 2000 stattfand, habe die Delegation der Modeschule auch einen Ausflug nach Bamberg gemacht und dabei die Brunnenfigur der heiligen Kunigunde auf dem Maxplatz entdeckt.

Von Schönheit hingerissen

Die Japaner waren hingerissen von ihrer Schönheit. Diese Grazie! Diese Art und Weise, wie sie ihr Gewand trägt! Und überhaupt - das Gewand! Dieser Faltenwurf! "Die Japaner waren so begeistert, dass sie bei mir anfragten, ob sie eine Kopie davon anfertigen durften, und ich habe zugestimmt", berichtet der Alt-OB. "Und als ich 2006 mit der Musikschule Bamberg eine Reise nach Tokio gemacht habe, da hat's mich interessiert und ich habe Kunigunde dort einen Besuch abgestattet. Und ich muss sagen: Die Kopie ist technisch wirklich ganz fantastisch geworden."

Kunigunde steht in Japan in einem runden Blumenbeet, zu ihren Füßen befindet sich eine japanische Inschrift. Lauer hat sich diese übersetzen lassen: "Göttin aus Bayern steht da geschrieben, die Japaner können ja mit dem Namen ,Kunigunde' wenig anfangen", weiß er.

Und diese "Göttin aus Bayern" soll nun eben mit ihrem wunderbaren Faltenwurf die Studentinnen zu großartigen Modeschöpfungen inspirieren. Irgendwie schon skurril, denn so wirklich will das nicht zu der bescheidenen deutschen Königin und späteren Kaiserin, die 1200 heilig gesprochen wurde, passen. Für die hochgebildete Kunigunde, die zahlreiche Urkunden ihres Mannes mitunterzeichnete und in dessen Abwesenheit auch die Regierungsgeschäfte übernahm, waren Äußerlichkeiten wie schone Kleider und Habseligkeiten eher unwichtig.

Viel mehr Bedeutung schrieb sie ihrem brennenden Wunsch zu, den Armen und Kranken zu helfen, für die sie Siechen- und Krankenhäuser errichten ließ. Großzügig war sie obendrein und stand "durch reiche Schenkungen an der Wiege des 1007 gegründeten Bistums Bamberg", wie Joachim Schäfer im "Ökumenischen Heiligenlexikon" schreibt. Und nachdem sie nach dem Tod ihres Gatten interimsweise die Regierungsgeschäfte geführt hatte, bis ein neuer König gewählt war, trat sie als einfache Nonne in das von ihr gegründete Kloster Kaufungen ein. Äbtissin wollte sie nie werden, auf "äußere Würden", wie Schäfer schreibt, verzichtete sie. "[A]ls man sie auf dem Sterbebett als Kaiserin ankleiden wollte, lehnte sie dies harsch ab: Das sei ihr alles fremd geworden, ihr einfaches Ordensgewand verbinde sie mit dem Himmel."

Und ausgerechnet sie ist nun in Japan zur Modeikone geworden. Vielleicht ja gerade deshalb, weil sie ihr schlichtes Kleid mit würdevoller Bescheidenheit zu tragen weiß. Und das kleidet mehr als jeder Prunk. von Eva-Maria Bast

Unser Adventskalender Serie Viele Merkwürdigkeiten Bambergs enthüllen wir in diesem Jahr in unserem Adventskalender. Die einzelnen Folgen entstammen dem Buch "Bamberger Geheimnisse - Spannendes rund um das Weltkulturerbe mit Kennern der Stadtgeschichte", das im Verlag Bast Medien in Kooperation mit dem Fränkischen Tag erschienen ist. Es hat 192 Seiten, kostet 19,90 Euro (ISBN: 978-3-946581-54-3) und ist erhältlich in den Geschäftsstellen des Fränkischen Tags, in Buchhandlungen und online auf der Homepage www.bast-medien.de.

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