Bamberg

Wie hält es Bamberg mit dem Klima?

Das Maßnahmenpaket, das die Stadt vorschlägt, geht vielen nicht weit genug. Und manche fürchten genau das.
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Erinnerung an ein prominentes Klimaopfer: Die Eiche im Luitpoldpark vertrocknete 2018. Vor kurzem wurde sie entfernt.  Foto: Michael Wehner
Erinnerung an ein prominentes Klimaopfer: Die Eiche im Luitpoldpark vertrocknete 2018. Vor kurzem wurde sie entfernt. Foto: Michael Wehner
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Es ist nur noch ein Loch im Boden, das an die alte Eiche erinnert. Der dicke Baum, der im Luitpoldhain die Spaziergänger erfreute, hatte mindestens 100 Jahre auf der Borke, doch die Dürre der Jahre 2018 und 2019 überlebte er nicht. Als die alte Eiche im Sommer 2019 nicht mehr grün wurde, sah sich die Stadt zum Handeln gezwungen und ließ das Baumskelett mit schwerem Gerät aus dem Park entfernen.

Der verschwundene Klimazeuge am Adenauerufer ist nur ein Baum unter vielen in Bamberg, die der außergewöhnlichen Trockenheit der beiden letzten Jahre zum Opfer fielen. Die Bilanz des Gartenamts, die am heutigen Mittwoch im Stadtrat erstmals vorgestellt wird, spricht von Vitalitätseinbußen, Schädlingsbefall und mehr oder weniger schnellem Absterben. Bamberg, so die Stadtverwaltung, gehört zu Deutschlands Regenmangelgebieten. Das pflanzenverfügbare Wasser sei im Talraum der Regnitz in zwei Jahren um 1,80 Meter gefallen.

Und die Trockenheit hat dem Stadtgrün sichtlich zugesetzt: 2019 mussten in Bamberg insgesamt 310 Bäume gefällt und ersetzt werden. Bei rund 200 von ihnen war der Tod eine Folge des Klimawandels, sagen die Fachleute. Was das Problem verschärft: Auch scheinbar unverwüstliche Altbäume können der Aufheizung immer weniger trotzen. So summierte sich der Verlust auch im schattigen Hainpark zu einer beachtlichen Zahl: 80 Altbäume sind hier 2019 vertrocknet.

Grund für die prekäre Lage ist nicht nur der zwei Sommer lang ausbleibende Regen.Wie sehr die Temperaturen und damit auch die Verdunstung gestiegen sind, das belegen Zahlen, die im Umweltsenat in dieser Woche vorgelegt wurden. Nach diesen Informationen stieg die von der Wetterwarte in der Südflur gemessene Durchschnittsjahrestemperatur von 8,0 Grad in den 50er Jahren auf mittlerweile 9,7 Grad - man kann darauf warten, bis erstmals ein Jahr mit elf Grad Mitteltemperatur in Bamberg gemessen wird.

Die Auswirkungen der Erwärmung treten immer deutlicher ins Bewusstsein. Doch kann eine kleine Stadt wie Bamberg dem weltweiten Phänomen entgegentreten? Für die Bamberger Linke Liste ist das keine Frage. Stadtrat Heinrich Schwimmbeck sorgte am Ende des Sommers mit seiner Forderung für Aufsehen, dass die Stadt den Klimanotstand ausruft. Alle Entscheidungen, so schwebt es Schwimmbeck nach dem Beispiel anderer Kommunen vor, müssten künftig unter dem Blickwinkel der Klimaverträglichkeit getroffen werden.

Nun kontert die Stadtverwaltung mit einem Gegenprogramm abseits "wenig zielführender Notfallrhetorik". Der Klimanotstand sei kein eingeführter Rechtsbegriff, begründet die Verwaltung ihre Skepsis und beruft sich dabei auf die Klimaallianz, die bereits im Jahr 2008 zusammen mit dem Landkreis gegründet worden war, um Klimaschutzziele zu definieren. Dazu könnten künftig elf Punkte gehören, unter anderem ein Klimaanpassungskonzept, die Bestellung eines Klimaschutzmanagers, eine nachhaltige klimaoptimierte Stadtplanung, mehr Dach- und Fasadenbegrünungen, ein Umweltbeirat und eine alle fünf Jahre erfolgende Evaluierung durch eine Kohlendioxidbilanz.

Unumstritten ist dieser Vorstoß nicht. Noch bevor das Programm im Umweltsenat am Dienstag in zweite Lesung verwiesen wurde, machte das Bamberger Klimaschutzbündnis Front dagegen: "Der vorgelegte Entwurf bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Er ist zu wenig konkret und lässt erkennen, dass die Stadt den Klimaschutz nicht wirklich ernst nimmt", kritisierte Tim-Luca Rosenheimer, einer der Sprecher des Klimaschutzbündnisses. Ein Argument, dem nicht nur die Grünen folgten, sondern auch die CSU. Bis Ende Januar will das Bündnis, dem unter anderen "Fridays for future" und der Radentscheid Bamberg angehören, ein eigenes Programm zum Klimaschutz in Bamberg vorlegen, das "umsetzbar ist und deutlich weiter geht", sagt Rosenheimer. Dazu gehört unter anderem eine jährliche Dokumentationspflicht über den Kohlendioxid-Ausstoß in Bamberg, auch wenn diese Berechnung zusätzliche Kosten aufwerfen sollte: "Damit wir wissen, wo wir stehen."

Wann es spannend wird

Freilich ist es mit dem Messen nicht getan. Wirklich spannend wird die Debatte im Rathaus dann, wenn es darum geht, ob es für einschneidende Maßnahmen zum Klimaschutz tatsächlich eine Mehrheit gibt. So verkörpert Daniela Reinfelder (BuB) in der Debatte derzeit die Gegenposition zu den Linken und den Grünen. Reinfelder erkennt für Bamberg keinen messbaren Trend nach oben und zweifelt gleichermaßen an den menschengemachten Ursachen des Klimawandels. Statt den Klimanotstand auszurufen und den kostenträchtigen Posten eines Klimamanagers zu schaffen, empfiehlt sie, die Stadt stärker zu begrünen, um sich gegen Hitzewellen zu wappnen. Sie sagt: "Der weltweite Klimawandel ist Fakt, einen Klimanotstand gibt es in Bamberg aber nicht." Kommentar des Autors:

Sich selbst überwinden

Die Kritik an der Klimapolitik der Stadt berührt einen wunden Punkt. Mit ein paar wohlfeilen Aktionen à la plastikfreies Bamberg wird es nicht gelingen, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen.

Wenn die Stadt es ernst meint mit dem Schutz der natürlichen Ressourcen, wird sie um eine Kehrtwende nicht herumkommen. Das ist leichter gesagt als getan.

Denn welche Stadt kann schon isoliert die Entschleunigung einer Wirtschaftsordnung angehen, die die ökologischen und sozialen Folgen ihres Handelns ausblendet oder anderen aufbürdet?

Hier geht es weniger um einen Technologiewechsel als um einen Bewusstseinswandel. Doch damit tut sich eine Spezies schwer, die die Erde ohne Rücksicht auf morgen benutzt, seit sie von den Bäumen gestiegen ist.

Doch es bleibt keine Wahl. Entweder überwindet sich der Mensch oder die Natur ihn.

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