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Bamberg
Umfrage

Wie haben bekannte Bamberger als Kinder gespielt?

Wie tobten sich Bamberger von Rang und Namen als Kinder in der Prä-Computerspiel- Ära aus? Wir befragten den Leiter der Polizeiinspektion, Stadtplaner Ullrich und die Rettl. Auch Citymanager Klaus Stieringer und Johanna-Wagner Zangl vom Theater am Michelsberg blickten zurück.
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Zurück in die Prä-Computerspielära führte eine Umfrage unter Bambergern: Rechts der Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt Udo Skrzypczak als Sheriff  Fotos: pr
Zurück in die Prä-Computerspielära führte eine Umfrage unter Bambergern: Rechts der Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt Udo Skrzypczak als Sheriff Fotos: pr
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Virtuelle Bauernhöfe, auf denen glückliche Schweine grunzen und muhende Kühe zu melken sind. Online-Spiele, bei denen Jungs Ferraris tunen und Mädels Manga-Girls partytauglich aufmotzen. Ego-Shooter, magische Anime-Welten: Nein, kein Kind braucht heute mehr das Haus zu verlassen, wenn es was erleben will. Kreativ sein musste man dagegen in der Prä-Computer-Ära beim Kampf gegen die Langeweile, zumal fernzusehen bis in die 80er-Jahre hinein bei drei Programmen keine Alternative war. Wir fragten bei Bambergern nach, wie sie sich früher die Zeit vertrieben.

"Tiefbohrungen" im Garten

"Ich grub in unserem Garten tiefe Löcher, um aus der Erde mit Nachbarskindern Mäuerchen zu bauen", erinnert sich Architekt und Stadtplaner Franz Ullrich. Eine Art Grundriss von Häusern entstand, die über 20 Zentimeter selten hinauswuchsen. "Auch Lego war für mich ein Thema", sagt der 42-Jährige, der aus den Steinen als Knirps Flugzeuge konstruierte. Was Brettspiele angeht, so setzte der Bamberger Bub auf "Risiko". "Da meinte mein Vater allerdings immer, niedere Instinkte würden beim Erobern der Welt geweckt." Glücklicherweise gab's noch "Memory", wo Kids ganz unschuldig auf (Karten-)Pärchensuche gingen.

"Ich spielte mit Freunden gerne Verkehrspolizei", berichtet Udo Skrzypczak als Leiter der Bamberger Polizeiinspektion Bamberg-Stadt. Natürlich übernahm er dabei die Rolle des Ordnungshüters, der Raser zur Räson rief und Verkehrssünder verhaftete. "Mein Vater war schließlich Verkehrspolizist und ich dementsprechend genetisch vorbelastet." Was Skrzypczak nicht davon abhielt, mit anderen Knirpsen wild herumzutoben - "so heftig, dass meine Knie von April bis Oktober durchgehend gepflastert waren". Zur Schlechtwetter-Beschäftigung gehörten in der kalten Jahreszeit Brettspiele wie "Malefiz", wo's immerhin einen Revolverheld zu schlagen gab. "Ja, fernzusehen war damals noch keine Option. Da drohte einem vielleicht noch ,Luis Trenker erzählt'", so Skrzypczak.

Welch grausige Vorstellung! Nurmehr zu toppen durch die Vorkriegsrealität, in der's noch gar keinen Fernseher gab. "Den brauchten wir auch nicht, wir spielten die Erwachsenenwelt nach - einen Gemüseladen beispielsweise, wo's frisch gezupftes Unkraut zu kaufen gab", erinnert sich die Rettl Motschenbacher. Prozessionen waren in der Domstadt ein Thema, wie die Urbani-Prozession: "Statt Sankt Urban trugen wir auf einem Brett meine Freundin herum, bis das Holz brach und Friedl schrecklich wütend wurde."

Glasdatzer in Gefahr

"Mutter, wie weit darf ich reisen?" und "Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?" spielte die Rettl. Mit "Winnetou" ging's auf in den Wilden Westen. Weitaus gefährlicher war für die Mädels aber das Datzern: "So nahmen uns die großen Buben die Glasdatzer ab, sobald sie sie sahen." Tonmurmeln einzulochen, war sicherer - ebenso wie mit Puppen zu spielen. Angesagt war im Prä-Barbie-Zeitalter beispielsweise Schildkröt-Puppe "Inge": "Die hatte eine modische 30er-Jahre-Frisur und bekam von uns aus Stoffresten noch die dazu passenden Kleider."
Statt Puppen auszustaffieren, verpasste sich Johanna Wagner-Zangl als Teenie lieber selbst den nötigen Chic.

Die Bretter, die ihr heute die Welt bedeuten, entdeckte die Intendantin des Theaters am Michelsberg zu dieser Zeit noch nicht. "Aber ich liebte Rollenspiele. Mal kam ich als Hippie zur Schule, dann wieder als Punk oder im Sekretärinnen-Look." Aufgewachsen war die heute 57-Jährige in einer ländlichen Idylle: "Wir hatten einen riesigen Garten, hielten Hühner und ich frühstückte bei schönem Wetter zusammen mit den Küken." Bis in den Himmel zu schaukeln - beziehungsweise das benachbarte Bienenhaus - war für die kleine Johanna das Größte. "Manchmal schwang ich mich auch auf die andere Seite, bis ich in unserem Buchsbaum landete." Und verhinderte Petrus mal wieder alle Outdoor-Aktivitäten, gab's noch die "Mühle"-spielende und dabei meist gewinnende Oma. "Sie war übrigens eine Verfechterin der fränkischen Tracht."

Und noch ein Tor

"Als Kind hielt ich mich vor allem auf dem Fußballplatz und dem nahe gelegenen Reiterhof auf - seltener in der Schule", bekennt Bambergs Citymanager Klaus Stieringer. Obwohl der Hanseat gerne während des Unterrichts Tore schoss - mit Bleistift und Papierkügelchen: "Nein, gut war ich darin leider nicht, dafür zahlte sich draußen auf dem Platz beim Sport meine Größe aus."

In die C64-Zeit wuchs Stieringer hinein, der als Teenie immerhin schon Pacman, Frogger und Donkey Kong spielen konnte. Ja, das war die Welt des kreativen Kopfes, der sich bei "Mensch ärgere Dich nicht" immer "am meisten, mehr als alle anderen ärgerte" und beim "Monopoly" eine Pleite nach der anderen erlebte: "Ich begnügte mich immer mit den billigen Straßen, während sich die Konkurrenz die Schlossallee unter den Nagel riss und gleich Hotels baute." Wie übrigens auch die Verfasserin des Artikels, die dafür beim Bolzen auf dem Platz eine Niete war.

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