Bamberg
Natur

Wie grün ist Bamberg wirklich?

Bamberg - das ist nicht nur Weltkulturerbe. Auch die Naturschätze können sich sehen lassen. Doch es gibt auch benachteiligte Stadtteile.
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Vor allem im Berggebiet schlägt das grüne Herz Bambergs.  Ronald Rinklef
Vor allem im Berggebiet schlägt das grüne Herz Bambergs. Ronald Rinklef
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Man muss kein Experte sein, um sich in Bamberg wohl zu fühlen, aber man kann. Zum Beispiel Martin Bücker. Wenn der Schmetterlingskundler von seinem Fenster am Kaulberg nach draußen blickt, sieht er auf die grünen Hänge der Altenburg: Uriger Laubwald und artenreiche Streuobstwiesen umgeben das Wahrzeichen der Stadt. "Man muss schon sagen, ringsherum haben wir in Bamberg ein kleines Paradies."

Das ist kein Lokalpatriotismus, der hier spricht. Als Wissenschaftler kommt Bücker viel herum in Franken. Nicht überall gibt es eine solche Perlen wie in Bamberg. Etwa der Bürgerpark Hain mit seinen dicken Eichen. Er gilt als Rarität nicht nur unter Kennern. Nur hier hat in Bayern der große Heldbock, ein Urwaldkäfer, überlebt. Oder die Streuobstwiesen rund um Michelsberg und am Teufelsgraben. Wo gibt es einen Kranz aus Wiesen und Wäldern, der an eine so schöne Altstadt grenzt?

Diesen Eindruck scheint auch die Statistik zu belegen. Wer im Landesamt für Umwelt den Anteil der Biotopflächen erfragt, wird feststellen, dass Bamberg mit 13,1 Prozent nur von Würzburg überflügelt wird. Bayreuth hat bei diesen hochwertigen Lebensgemeinschaften nur sechs Prozent zu bieten. Dabei sind in Bamberg die Konversionsflächen noch nicht einmal einberechnet. 2020 soll die neueste Kartierung vom Stadtrat abgesegnet werden.

Wie beliebt eine Stadt bei ihren Bürgern ist, wie lebenswert, hängt von der Qualität, aber auch von der Verteilung der Parks und Grünanlagen ab. Wie sieht es hier in Bamberg aus? So genannte Erholungsflächen, zu denen neben Parks auch Sport-, Freizeitflächen und die Friedhöfe zählen, umfassen in Bamberg 362 Hektar, das sind 6,6 Prozent der Stadtfläche. Bamberg ist damit auch in dieser Kategorie Spitzenreiter in unserem fränkischen Vergleichsfeld.

Rechnet man auch noch die Wälder dazu, wird Bambergs Sonderstellung noch augenfälliger: Über ein Drittel der Stadtfläche sind mit Forsten bedeckt. Auf 1500 Hektar kommen Bruder-, Michelsberger- und Hauptsmoorwald, so weit sie auf Stadtgebiet liegen. Das ist mehr als ein Viertel der Stadtfläche.

Die grünen Seiten von Bamberg - niemand kennt sie besser als Jürgen Gerdes, Biologe im Rathaus. "Die Grundlagen in Bamberg sind sehr gut", sagt Gerdes und hebt dabei nicht nur die Kerbtäler im Westen, die Grünzüge entlang von Regnitz und Main hervor. Aus seiner Sicht schlägt im Berggebiet Bambergs grünes Herz. "Ein Drittel der Biotopflächen befinden sich im Westen der Stadt."

Doch natürlich gibt es auch in Bamberg viele graue Zonen, wo Straßen und Beton dominieren - und diese liegen beinahe ausschließlich jenseits der Bahnlinie. So müssen sich viele der 20 000 Bewohner des Bamberger Ostens damit abfinden, dass sie keine Altenburg, keinen Hain um die Ecke haben. Im Gegenteil: "Zwischen Bahnhof und dem Berliner Ring herrscht ein markanter Mangel an Grün", sagt Gerdes - Folge der stürmischen Entwicklung Bambergs in den Nachkriegsjahren, als ganze Stadtteile aus dem Boden gestampft wurden. So kommt es, dass heute entlang der Memmelsdorfer, der Zollnerstraße, des Berliner Rings und der Starkenfeldstraße ein Nachholbedarf an Bäumen unverkennbar ist. Nicht zuletzt aus klimatischen Gründen drängt das Umweltamt der Stadt auch darauf, die wenigen vorhandenen Grünzüge im Osten weiter bis zum Volkspark jenseits des Berliner Rings zu führen. Zweifellos würde dies die Lebensqualität aller Menschen im Osten erhöhen. Allerdings, ein Selbstläufer ist diese Empfehlung nicht: Schon bei den Planungen für die Lagardekaserne wurde der Grünanteil gegenüber den ursprünglichen Wünschen deutlich zurückgefahren. Auch Wohnungen, Gewerbe und Parkplätze beanspruchen eben Platz.

"Im Osten könnte es deutlich grüner werden", lautet die Einschätzung von Martin Bücker. Der Biologe, der bei der BI für den Hauptsmoorwald in vorderster Front aktiv war, sieht die Benachteiligung des Stadtteils bei Parks und Grünflächen als einen Grund für den Aufschrei vieler Bürger gegen die Pläne im Hauptsmoorwald. Sein Mitstreiter Volker Braun, der selbst im Osten wohnt, kann das bestätigen. Der Grünanteil im Bamberger Osten sei ausbaufähig. In der Bürgerversammlung am Donnerstag hat Braun deshalb den Antrag gestellt, den Wald im Muna-Areal zum Bannwald zu erklären. Nicht auszuschließen, dass etwas daraus wird: Brauns Initiative muss in Kürze im Stadtrat behandelt werden.

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