Um wenig wird in Bamberg so gestritten so wie um die Verkehrspolitik und um Parkplätze. Und nirgends ist die Enttäuschung so groß - und auch der Dissens.
Mehrere Generationen von Gutachtern haben sich an der Stadt bereits erfolglos abgearbeitet. Ein Bürgerbegehren verpuffte zwischen den Fronten, und auch das mit hohem Aufwand gestartete Mediationsverfahren Berggebiet konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Im Gegenteil: Nach wie vor leiden viele Bewohner der Altstadt unter den Belastungen der Verkehrslawine, rumpelt täglich eine endlose Kolonne von Fahrzeugen über den Domplatz, durch enge Gassen wie Sutte und Matern. Das Welterbe droht unter die Räder zu kommen.
Ímmerhin, die Sandstraße ist mittlerweile verkehrsberuhigt, die Kronacher Straße entlastet Bambergs Norden und auch die Kettenbrücke erinnert fast an eine Fußgängerzone. - Zeit genug, um der Verkehrspolitik in Bamberg neuen Schub zu verleihen, hätte der neue OB. Er wird acht Jahre im Amt sein. MW


Wolfgang Grader, GAL Wir brauchen keine neuen Parkhäuser in der Stadt

Die Verkehrsmittel des Umweltverbundes, also Bus, Rad und zu Fuß gehen, werden den Verkehr in Bamberg in der Zukunft prägen.
Die Bamberger Innenstadt muss für alle, für Bewohner, Händler, Kunden und Gäste attraktiv bleiben. Attraktivität der Innenstadt zeichnet sich insbesondere durch eine hohe Aufenthaltsqualität auf den Straßen aus. Das Atrium zum Beispiel, das bequem mit dem Auto angefahren werden kann, siecht dahin, die Lange Straße leidet, trotz vorhandener Parkplätze, an Bedeutungsverlust. Die Probleme liegen anderswo. Sehen wir doch das tolle Potenzial, das großartige Welterbe, das unsere Stadt bietet. Ich bin überzeugt von den zukunftsweisenden Planungen der Mediationsverfahren "Masterplan Innenstadt" und Berggebiet bzw. der Arbeitsgruppe zur Umgestaltung der Langen Straße. Die Maßnahmen dürfen aber nicht permanent vom Störfeuer einzelner Interessengruppen verhindert werden und in den Schubladen des Oberbürgermeisters verschwinden.
Wir brauchen keine neuen Parkhäuser in der Innenstadt, eine Tiefgarage unter dem Schönleinsplatz erst recht nicht. Allgemein gilt: Die Innenstadt ist erreichbar, sogar mit dem Auto. Das ganze Jahr über weist das Parkleitsystem freien Parkplatz in den Parkhäusern aus. Lösungen bestehen aus einer Vielzahl von kleinen Schritten: Tempo 20 im Berggebiet, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, eine kommunale Geschwindigkeitskontrolle, Attraktivierung der Langen Straße und eine konsequente Parkraumbewirtschaftung.
Abseits jeglicher Realität sind für mich der Bau einer Bergverbindung und der bahnparallelen Innenstadttangente. Beim Letzteren ist eine Umleitung des Verkehrs über die Pfisterbergbrücke zum Berliner Ring als Alternative eindeutig die bessere Variante.
Meine verkehrspolitischen Hauptziele sind: 1. Der Ausbau des ÖPNV. Die Stadtbusse müssen als Durchmesserlinien konzipiert werden. Das entlastet den ZOB und verstärkt den Service für die Fahrgäste, 2. Ein abgestimmter Nahverkehrsplan zwischen Stadt und Landkreis Bamberg sowie 3. der Umbau des Bahnhofsvorplatzes zur Mobilitätsdrehscheibe mit einem Regionalen Omnibusbahnhof (ROB).


Gerhard Seitz, CSU, BBB Für den Ringschluss statt punktueller Sperrungen


Punktuelle Verkehrssperrungen helfen nicht weiter.
Mein Konzept ist eines für alle Bürger und unterliegt lediglich den Folgen des finanziellen Schlendrians von OB Starke (Aufbrauch der Rücklagen, zusätzliche Brückenkosten). Ziel ist die Erreichbarkeit der Stadt mit klarem Menschenverstand zu stärken. 1.Optimierung der Schaltung der Ampelanlagen: Verkehr muss fließen und nicht stehen. Dies ist überfällig und kostet wenig. 2.Entlastung der Bürger von Verkehr und Fremdparkern: Das überbordende Verkehrs-und Parkaufkommen des ehemals idyllischen Bruderwaldviertels war vorprogrammiert. Zur Entlastung muss eine westliche Zufahrt zu den Klinikums-Parkplätzen über die Staatsstraße 2254 eingerichtet werden. 3. Ring schluß um Bamberg: Auch am Michelsberg bietet sich ein Verkehrs- und Parkchaos, das durch den Umzug der Musikschule weiter forciert wird. Punktuelle Sperrungen erzielen nur eine Verlagerung, neues Denken ist gefragt: Wir brauchen keine Bergverbindung, aber die ernsthafte Prüfung einer Verbindung der B 22 und B 26 als großräumige Lösung. Die bereits 2002 andiskutierte Lösung kann landschaftsschonend realisiert werden und führt zu einer Entlastung des Münchener Rings. Zudem ermöglicht sie die Anbindung des nördlichen Berggebiets und der Klinik am Michelsberg.
4. Eine Tiefgarage am Schönleinsplatz/ZOB ist für das Quartier an der Stadtmauer zu prüfen. Wichtiger ist allerdings der Kauf der "Hertie"-Tiefgarage, hier könnte aus einem Schandfleck das Schmuckstück Maxplatz werden.
5. Der Verkehr wird weiter wachsen, darum müssen wir den ÖPNV stärken.
Mit Eröffnung des Bambados wurde jedoch die direkte Verbindung Klinikum-Bahnhof gekappt. Am Bahnhof braucht es einen 2. leistungsstarken Knotenpunkt mit zentraler Busanbindung. Nur so lassen sich die Kosten für die Verlängerung des Bahnhofstunnels und der Parkhäuser an der Brennerstraße rechtfertigen. Bahnhof und ZOB müssen als zentrale Standorte entwickelt werden. 6. Klar, die Radwege müssen ausgebaut werden! In unserer "Siebenhügelstadt" müssen wir jedoch die Chancen der E-Mobilität (e-bike und e-Auto) für unsere älter werdenden Mitbürger nutzen.



Andreas Starke, SPD, FDP Wir haben das Parkangebot deutlich verbessert


Priorität hat die Beteiligung der Bürgerschaft bei der Erarbeitung von verkehrspolitischen Lösungen. Deswegen habe ich zwei Mediationsverfahren ins Leben gerufen. Verkehrspolitik darf nicht gegen den Bürger, sondern muss mit dem Bürger gemacht werden. Für die Gesamtstadt benötigen wir viele Einzelmaßnahmen: eine spürbare Reduzierung des Verkehrs, eine bessere Verknüpfung von Bus, Schiene, Pkw, Fahrrad und Fußgänger sowie eine deutliche Verbesserung des ÖPNV zwischen Stadt und Land. Ein wichtiges Instrument dazu ist ein neuer Nahverkehrsplan, der unter dem Dach des VGN gemeinsam mit dem Landkreis entwickelt werden muss. Außerdem unterstütze ich das Vorhaben, am Bahnhof einen leistungsfähigen "Regionalen Omnibusbahnhof" zu schaffen, um insbesondere den Pendler- und Schülerverkehr besser zu ordnen. Es war ein wichtiger Schritt, das Straßen- und Wegenetz leistungsfähiger zu machen: Sanierung der Starkenfeldstraße und der Gaustadter Hauptstraße, Eröffnung der Kronacher Straße, die nun erst ihre verkehrspolitische Bedeutung entfaltet, der Wilhelmsplatz, der nach historischem Vorbild wieder zu einer runden Sache wurde. Diese Maßnahmen haben auch geholfen, viele lärmgeplagten Anwohner - vor allem in Bamberg-Ost - zu entlasten. Die Verkehrssituation im Berggebiet erfordert weiter unsere Aufmerksamkeit. Es wäre gut gewesen, den im Mediationsverfahren Berggebiet erarbeiteten Verkehrsversuch auch wirklich zu starten. Leider gab es im Stadtrat keine Mehrheit. Für die Zukunft wünsche ich allen mehr Mut, um eine mögliche Lösung auszuprobieren, bevor man sie schlecht redet. Die Innenstadt muss gut erreichbar sein. Mit zwei neuen Tiefgaragen am Luitpoldeck und in der Königstraße wurde das Parkangebot deutlich verbessert. Deswegen sehe ich keinen Bedarf für eine Tiefgarage am Schönleinsplatz. Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt kann noch gesteigert werden: dazu sind 200 000 Euro bereitgestellt, um in der Langen Straße für eine Verbesserung zu sorgen. Diese Chance will ich nutzen. Wichtig für die Lebensqualität in den Wohngebieten ist die Einführung einer kommunalen Geschwindigkeitsüberwachung.