Bamberg
Verkehr

Wie gefährlich ist die Erba-Insel?

Eine Anwohnerin fürchtet um ihre Kinder, da sich viele Autofahrer nicht an die Begrenzung von 20 Stundenkilometern halten. Deshalb schlug sie vor, die Erba-Straßen zu "Spielstraßen" zu machen.
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Valentin (5) und Antonia (8) weisen mit Straßenmalkreiden auf die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Erba-Insel hin.  Foto: Ronald Rinklef
Valentin (5) und Antonia (8) weisen mit Straßenmalkreiden auf die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Erba-Insel hin. Foto: Ronald Rinklef
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Der fünfjährige Valentin und seine drei Jahre ältere Schwester Antonia malen mit Kreide eine große 20 auf die Straße - um auf die geltende Höchstgeschwindigkeit hinzuweisen. "Ich habe Angst um meine Kinder", sagt Mutter Nadine Luck. Denn die wenigsten würden sich an die Begrenzung halten. Deshalb könnten Antonia und Valentin "nicht so mobil sein, wie sie eigentlich sind". Antonia dürfe etwa nicht mit dem Rad zum Spielplatz fahren, das sei der Mutter zu gefährlich. Obwohl sie könnte, "ohne Stützräder", wie sie stolz erklärt.

"Es gibt viele Erst- und Zweitklässer, die eigentlich alleine zur Schule gehen könnten", sagt Nadine Luck. Aber viele Nachbarn würden ihre Kinder trotzdem begleiten - vor allem zu den häufigen Stoßzeiten: Berufs- und Uni-Verkehr am Vormittag sowie Freizeitbesuche am Nachmittag und frühen Abend. Besonders in den teils unübersichtlichen Kurven und an der Parkhaus-Ausfahrt kommt es laut Luck "immer wieder zu kritischen Situationen".

Deshalb wünschte sie sich in der FT-Facebook-Gruppe "Was braucht Bamberg?", die Erba-Straßen zu "Spielstraßen" zu machen - ein umgangssprachlicher Begriff für verkehrsberuhigte Bereiche mit Schrittgeschwindigkeit und Vorrang von Fußgängern und spielenden Kindern. Aber ist die Angst der jungen Mutter begründet?

Viele "Raser", kaum Unfälle

Die Stadt Bamberg führt monatlich Geschwindigkeitsmessungen auf der Erba-Insel durch. "Im Vergleich zu anderen Messstellen ist die Verstoßquote von 37,11 Prozent mit die höchste", teilt Stadt-Sprecherin Ulrike Siebenhaar auf Nachfrage mit: An zehn Messtagen im Jahr 2019 (Januar bis Oktober) wurden 1590 Fahrzeuge erfasst. Darunter gab es 598 Verstöße, von denen 569 mit einem Bußgeld geahndet wurden. Die höchste gemessene Geschwindigkeit lag nach Abzug von drei Stundenkilometern Toleranz bei 56 km/h, der überwiegende Großteil der Übertretungen lag im untersten Bereich (sechs bis 20 km/h zu schnell).

Wie die Bamberger Verkehrspolizei auf Nachfrage mitteilt, gab es von 2014 bis 2018 insgesamt 37 Unfälle auf dem Erba-Gebiet. 32 davon waren Ein- und Auspark-Unfälle ohne Verletzte, einmal wurde ein Fahrzeug beim Rückwärtsfahren übersehen - auch hierbei wurde niemand verletzt. Von den vier Unfällen mit Verletzten stürzten drei Mal Radfahrer ohne Fremdeinwirkung (ein Mal alkoholisiert).

"Bei einem Unfall verletzte sich eine Verkehrsteilnehmerin selbst, als sie beim rückwärtigen Ausparken eine andere Verkehrsteilnehmerin übersah, die mit nicht angepasster Geschwindigkeit fuhr", teilt die Verkehrspolizei mit. "Dies ist in dem fünfjährigen Auswertezeitraum der einzige Verkehrsunfall mit der Ursache ,nicht angepasste Geschwindigkeit'".

Mehr Schilder wären hilfreich

"Noch ist glaube ich nichts Größeres passiert, zum Glück", schätzt auch Nadine Luck.

Dennoch wünscht sie sich einen verkehrsberuhigten Bereich, bevor etwas passiert. Und damit ihr und den anderen Eltern die Sorgen genommen werden. Es würde Luck zufolge aber auch schon helfen, durch mehr Schilder auf die Begrenzung von 20 Stundenkilometern hinzuweisen. Zwar gibt es beim Eingang an der Brücke "An der Spinnerei" ein Schild, dass das Gebiet als Zone 20 ausweist. "Aber das haben die meisten bei der nächsten Kurve schon wieder vergessen", meint Luck. Auch Bremsschwellen seien eine Möglichkeit, die Sicherheit zu verbessern.

Die Kandidaten um den Oberbürgermeister-Posten haben zu diesem und weiteren Vorschlägen aus der Gruppe "Was braucht Bamberg?" Stellung bezogen.

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