Scheßlitz

Wie die Scheßlitzer Stadtmauer Identität bewahrt

Gut gelöst! Generalkonservator Mathias Pfeil kann sich für den Scheßlitzer Pragmatismus an der Stadtmauer durchaus erbauen. Modernes ergänzt und schützt Altes. Langfristig ist allerdings ein Konzept notwendig.
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Der neue Generalkonservator, Mathias Pfeil, nimmt zusammen mit MdL Heinrich Rudrof (rechts) und dritten Bürgermeister Otto Nüßlein die historische Scheßlitzer Stadtmauer in Augenschein. Foto: Barbara Herbst
Der neue Generalkonservator, Mathias Pfeil, nimmt zusammen mit MdL Heinrich Rudrof (rechts) und dritten Bürgermeister Otto Nüßlein die historische Scheßlitzer Stadtmauer in Augenschein. Foto: Barbara Herbst
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Wo die historische Stadtmauer sich nahe dem Rathaus nicht mehr gegen Witterung und andere Widernisse zu stemmen vermochte, wurde die Lücke mit modernen Mitteln verfüllt. Sicherheit und Geschlossenheit sind damit gegeben. Eine Lösung an dieser Stelle. Doch für den dauerhaften Erhalt ist ein Konzept nötig. Davon konnte sich der neue Generalkonservator und oberste Denkmalschützer im Freistaat, Mathias Pfeil, auf der vierten Station seiner Denkmal-Tour durch den Landkreis Bamberg ein Bild machen.

Darum ging es MdL Heinrich Rudrof bei der von ihm initiierten Tour durch die Region. Vorherige Stationen bildeten die Burg Lisberg, für die ein neuer Burgherr gesucht wird, das einstige Ebracher Amtsschloss in Burgwindheim, das für die Katholische Kirchenstiftung eine große Bürde ist, sowie das vor kurzem sanierte Schloss in Sassanfahrt, das nun eine moderne Nutzung erfährt.
Über diese Stationen haben wir bereits im Zuge dieser kleinen Serie berichtet. Nach Scheßlitz bilden das älteste Fachwerkhaus in Baunach und die sanierte historische Kelleranlage in Unterhaid weitere Stationen.

In Teilen gefährdet

Mit Rudrof begleitete eine kleine "Fachkommission" den Generalkonservator - Annette Faber, Referatsleiterin für Praktische Denkmalpflege, Bau- und Kunstdenkmäler (Oberfranken/Unterfranken), Pfeils Stellvertreter Bernd Vollmar sowie die Kreisheimatpfleger Annette Schäfer und Wolfgang Rößler. In Scheßlitz geleiteten sie Dritter Bürgermeister Otto Nüßlein, der städtische Geschäftsleiter Werner Götz sowie Bauamtsleiter Jürgen Paul zu den neuralgischen Stellen der Stadt, konkret den eingestürzten oder einsturzgefährdeten Teilen der Stadtmauer.

Das über 1200 Jahre alte "schöne Städtchen", so der Dritte Bürgermeister in seinen Anmerkungen, habe zwar sehr viel historische Substanz. "Mit am meisten im Landkreis", so Rudrof. Aber auch eine ganze Menge von Pflichtaufgaben zu bewältigen, unterstrich Nüßlein. Schließlich handele es sich um eine der größten Flächengemeinden im Landkreis mit 95 Quadratkilometern, 7300 Einwohnern und 30 Gemeindeteilen.

Dem erhaltenen Teil der historischen Stadtmauer gelte das Augenmerk. Ein Großteil davon befindet sich auf städtischem Grund. Die Stadt alleine vermag die nötige Instandsetzung alleine nicht zu schultern.

Handlungsbedarf ist kaum zu übersehen, angesichts der eingestürzten Teile, gerade auch im Bereich der Kindertagesstätte. Hier wurden 2012 Sicherungsmaßnahmen, also Absperrungen gemacht, beim Rathaus 2013 eine Lücke mit Beton verfüllt. Für den Generalkonservator ist das in dem Bereich der parkähnlichen Anlage durchaus in Ordnung. "Das ist gut so wie es ist," kommentierte er an dieser Stelle. Dass er sich in anderen andere Lösungen vorstellt, gab er mehrfach zu verstehen. Ebenso wie die Bedeutung der historischen Mauer, die er als "extrem identitätsschaffend" bezeichnete. Da sei etwas gewachsen und habe Menschen geprägt.
Kreisheimatpfleger Rößler teilte aus seinen Recherchen jedoch mit, dass man über die Mauer relativ wenig wisse. Für einen Großteil des etwa 300 Meter langen Bauwerks im Herzen der Stadt ist jedenfalls die Kommune zuständig und um den Erhalt bemüht, so der Dritte Bürgermeister. Wie Annette Faber bestätigte, laufen Gespräche mit den zuständigen Behörden. Man habe vor ein paar Jahren schon mal begonnen, sich um dieses Thema zu kümmern. Die Regierung sei bereit, sich im Vorgriff auf ein Konzept mit einzubringen. Sie sei "mehr als bereit zu helfen." Ein erstes Gutachten, so Abgeordneter Rudrof, sei bereits erstellt. Doch wie kann man nun vorankommen? Das war die Frage, die den Stadt-Repräsentanten auf den Nägeln brennt.

Einen Ansatz gibt es jedenfalls, so Nüßlein: Scheßlitz möchte nach vielen Jahren "Pause" bei der Städtebauförderung für dieses Jahr die Mauer anmelden. Es gelte, zu eruieren, wer was übernehmen könnte, erklärte der Generalkonservator. "Wir können die Dinge nur mit einer vernünftigen Finanzierung anstoßen", brachte Nüßlein den Standpunkt der Stadt auf den Punkt.

Heimatkundlicher Verein

Annette Faber ging hier auf einen besonderen Aspekt ein: Sie gab sich voll des Lobes über den Heimatkundlichen Verein: "Sie haben da eine tolle Rückendeckung," versicherte sie den Scheßlitzern. Was für die Fachstellen schließlich die wichtige Botschaft transportiert: Die anstehende Maßnahme wird von der Bevölkerung getragen. Als positiv bewertet sie zudem die Tatsache, dass der Statiker bereits da gewesen ist. Gewisse Erschwernisse stellten jedoch die Eigentumsverhältnisse dar, die alle paar Meter anders seien. Für die Dauer der Sanierung müssten hier wohl Eigentumsverhältnisse übertragen werden, zeigte sie einen Lösungsansatz auf.
Für die Sanierung sieht Mathias Pfeil nach dem Rundgang jetzt jedenfalls den richtigen Zeitpunkt. Was Expertin Faber mit dem Hinweise bestärkte: "Ich sehe dafür eigentlich grünes Licht."
Heinrich Rudrof sicherte seiner Heimatgemeinde am Ende des Rundgangs seine "vollste Unterstützung" zu.
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