Scheßlitz
Aktion

Wie die Kuh auf die Burg kommt

Die Milchkuh Faironika besetzt die Giechburg und ersteigt den Baumwipfelpfad: Der Bund Deutscher Milchviehhalter wirbt für einen Milchmarkt mit Aussicht.
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Milchkuh Faironika setzt sich hoch oben auf der Giechburg für einen faire Milchwirtschaft ein.  Joseph Beck
Milchkuh Faironika setzt sich hoch oben auf der Giechburg für einen faire Milchwirtschaft ein. Joseph Beck
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Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) will hoch hinaus - und möchte mit seiner Tour von Flensburg quer durch Deutschland bis auf die Zugspitze auf die Bauern und ihre Milch aufmerksam machen. Das Motto lautet: "Für einen Milchmarkt mit Aussicht".

Dazu fuhr der Panoramabus als Station für Oberfranken auf die Giechburg bei Scheßlitz und besuchte auch den Baumwipfelpfad in Ebrach. Lisa Hollfelder aus Hohengüßbach, Vorsitzende des Bamberger BDM, begrüßte den Pressesprecher Hans Foldenauer sowie Mitglieder und Gäste im Hof der Giechburg.

"Wir müssen den Blick weiten und strukturelle Herausforderungen angehen, um die Land- und besonders die Milchwirtschaft zukunftsfähig zu machen", forderte Foldenauer. Er fragte, welche Veränderungen kurz-, mittel- und langfristig nötig seien, damit auch die Hof-Nachfolger eine Perspektive hätten und auch im Sinne von Klima-, Umwelt-, Wasser- und Tierschutz leistungsfähig seien. Der BDM wolle deshalb schon seit Jahren ein grundsätzliches Überdenken der Agrarpolitik- weg nach der Devise "Immer billiger, immer mehr", um so die Weltmärkte zu erobern. Die Erzeugung der EU-Landwirtschaft werde mittlerweile durch den Import von Futtermitteln aus Drittländern immer mehr ausgeweitet. Diesen Ländern fehlten so mehr als 50 Millionen Hektar Anbaufläche für die eigene Nahrungsmittelproduktion. Deshalb müssten die erzeugten Produkte wieder in diese Länder aus der EU exportiert werden, so Foldenauer.

Als kurzfristige Forderung gelte, dass die Politik im Zuge der aktuellen GAP-Reform dafür sorge, dass die Milchbauern ihr Einkommen überwiegend vom Verkauf ihrer Milch bekommen und nicht über Agrarzuschüsse. Der Pressesprecher formuliert es so: "Wir brauchen eine echte Reform, keine reine Geld-Umverteilungsdiskussion."

Ganz konkret fordert der BDM für krisenfeste Milchmärkte und Milchbauern eine Festschreibung des Marktkrisenmanagementkonzeptes in der gemeinsamen Marktordnung, die politische Unterstützung für die Verbesserung der Marktstellung der Milchviehhalter und europäische Lösungen. Das bedeute: In Krisenphasen, wenn zu viel Milch erzeugt wird und deshalb der Preis unten ist, soll eine zeitlich befristete Mengenbeschränkung eingeführt werden. Diese Mengendisziplinmaßnahmen müssten festgeschrieben werden. Dadurch solle auch vermieden werden, Milchüberschüsse in Form von Milchpulver oder Butter einzulagern.

Mehr Handlungsspielraum

"Dieses Sicherheitsnetz muss bald und dringend geschaffen werden", forderte Foldenauer mit Nachdruck. Die seit 2014 bestehende Milchmarkt-Beobachtungsstelle solle deshalb mit Handlungsbefugnis ausgestattet werden. Die miserable Position der Milchbauern gegenüber den Molkereien müsse sich dahingehend ändern, die nach Artikel 148 der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) vorgesehene Möglichkeit der verbindlichen Vorgabe über Menge und Preis für alle, auch die genossenschaftlich strukturierten Lieferbeziehungen, vorzugeben.

Der Nebel um die Giechburg hatte sich inzwischen aufgelöst und so griffen alle zu dem angerichteten Frühstück mit Milch und Käsehappen. Sophie, die zuhause nur Hühner und Enten hat, und Annele-Sophie, bei der Kaninchen, Katzen und ein Hund leben, schwenkten eifrig die Fahnen der Milchbauern. Für das Gruppenbild stellten sich alle vor den Tourbus und das große Maskottchen des BDM, die schwarz-rot-goldene Kuh Faironika.

Und die Freizeit?

Im Gespräch mit den jüngeren Bauern sagte Benjamin Schuster aus Pödeldorf: "Ich habe schon Lust auf Landwirtschaft, aber es muss auch noch etwas Freizeit übrig bleiben." Ein älterer Bauer meinte: "Man soll doch wieder die Kälbchen melken lassen, dadurch wird auch weniger Milch erzeugt."

Beim Besuch des Steigerwald-Baumwipfelpfades bei Ebrach waren zunächst vier kräftige Männer gefragt, die Faironika auf den 42 Meter hohen Turm tragen mussten. Oben angekommen begrüßte Alfred Greubel , Milchbauer aus Elfershausen, Mitglieder und Gäste aus Ober- und Unterfranken. Auch hier referierte Foldenauer über den Milchmarkt mit Aussicht. Viele Besucher, besonders die Kinder, staunten über die bunte Kuh, die hier hoch oben auf die Wälder des Steigerwaldes hinabschaut, aber auch den großen Tross von Bauern und Presse, der sie begleitete. Greubel fasste das Ziel so zusammen: "Es solle immer mehr Stimmen geben, dass bei der Milch etwas geändert werden muss. Es muss Schluss sein mit Jammern und Betteln!"



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