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Bamberg
Stadtrat

Wie bunt wird das Bamberger Rathaus?

Die Vielfalt von Listen ist kein Bamberger Phänomen, aber hier ist sie besonders ausgeprägt. Was steckt hinter der politischen Artenvielfalt?
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Kaum noch Platz für die bunte Vielfalt der Wahlplakate:   Wahlkampf auf dem Maxplatz.Michael Wehner
Kaum noch Platz für die bunte Vielfalt der Wahlplakate: Wahlkampf auf dem Maxplatz.Michael Wehner

Darf sich der Bamberger Wähler nun freuen, dass er ein so großes Angebot hat wie nie zuvor? Oder muss er sich skeptisch fragen, wie es zu dieser unüberschaubaren Zersplitterung der politischen Kräfte kam? Vor sechs Jahren, als der derzeit amtierende Stadtrat gewählt wurde, waren es noch neun Gruppierungen, die sich dem Votum des Wählers stellten. Mittlerweile ist das Bamberger Bewerberfeld auf das rekordverdächtige Ausmaß von 14 Listen gewachsen.

Kein örtlich begrenzter Trend - oder etwa doch? Wie ein Blick in andere kreisfreie Städte zeigt, gibt es in keiner ähnlich großen Kommune so viele Wahlvorschläge wie in Bamberg. Zum Beispiel Bayreuth. Hier bewerben sich zehn Listen, in Coburg sind es elf.

Selbst mit Großstädten kann Bamberg konkurrieren: Nürnberg etwa geht mit 14 Wahlvorschlägen ins Rennen. Auch in Augsburg sind es 14 Gruppierungen, die Amt und Würden im Rathaus anstreben. Nur München hat noch mehr im Angebot: Hier ringen Vertreter von 17 Listen um die politische Verantwortung.

Wie kommt es zu der explosionsartigen Vermehrung der Politinteressenten? Auf den ersten Blick könnten sich die Wähler freuen über das bunte Spektrum an Möglichkeiten, die ihnen der tischgroße Wahlzettel bietet: Vom Handwerker bis zum Professor, vom Schüler bis zum 85-jährigen Rentner, von der Rechten bis zur Linken lässt die politische Artenvielfalt kaum einen Wunsch offen. Multi-Kulti zieht ins Rathaus ein.

Andererseits: Das üppig gewachsene Angebot an potenziellen Wählervertretern leistet der viel beklagten Erosion der Volksparteien Vorschub. Kommunalpolitik kann zum unberechenbaren und zeitraubenden Geschäft werden, wenn die Machtblöcke fragmentieren: So steht dem Bamberger Bürger nach der Wahl 2020, sollte er ein Anliegen haben, nicht mehr nur eine Handvoll Ansprechpartner, sondern ein ganzes Dutzend gegenüber - mit mehr oder weniger bekannten Zielen, mit mehr oder wenig hoher Durchschlagskraft.

Im derzeit amtierenden Bamberger Stadtrat wird die große Zahl der Mitbewerber eher skeptisch beäugt denn begrüßt. Dieter Weinsheimer (BA) zum Beispiel. Der heute 68-Jährige rückte 1978, damals noch als Mitglied der SPD-Fraktion, erstmals in den Stadtrat ein. Heute warnt der dienstälteste Kollege im Stadtrat davor zu glauben, dass die Wahl zum Stadtrat eine Art Schönheitswettbewerb sei, bei dem es darum gehe, dass sich eine Person optimal darstellt.

Wer nicht den nötigen Atem besitze, um sich einzuarbeiten und viele Stunden an Zeit zu opfern, werde an den Aufgaben unweigerlich scheitern: "Man braucht schon eine Wahlperiode, um überhaupt durchzublicken, um was es inhaltlich und formal geht. Die Aufgabe des Stadtrats ist es doch, die Verwaltung zu kontrollieren und einen Ideenwettbewerb in Gang zu setzen."

Doch ein neuer Trend ist die Zersplitterung der politischen Mehrheiten nicht. Bereits bei der letzten Kommunalwahl, mussten die "Großen" in Bamberg gewaltig Federn lassen. So schrumpfte die CSU, vor Jahren noch dominierende Kraft in der Domstadt, auf nur noch 27,5 Prozent. Und trotz des Amtsbonus von OB Starke (SPD) konnte auch die SPD nicht auftrumpfen - mit 21,5 Prozent brauchte es weitere Verbündete für eine GroKo nach Bundesvorbild. Erst Daniela Reinfelders BuB (7 Prozent) und die FDP (3 Prozent) halfen CSU und SPD aus dieser Zwickmühle. Bei der Bürgermeisterwahl gab es mit 24 Stimmen eine knappe Mehrheit für den CSU-Bewerber, Christian Lange.

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