Bamberg
Wohnungsmangel

Widerstand gegen Wohnungsabriss in Bamberg

Im Stadtrat scheint sich Widerstand gegen einen Beschluss im Konversionssenat zu formieren. Der Abbruch von intakten Wohnungen soll abgewendet und auch nicht billigend in Kauf genommen werden.
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Häuser hinter üppigem Grün: In der ehemaligen US-Kaserne in Bamberg sehen rund 700 Wohnungen einer ungewissen Zukunft entgegen.  Foto: Ronald Rinklef
Häuser hinter üppigem Grün: In der ehemaligen US-Kaserne in Bamberg sehen rund 700 Wohnungen einer ungewissen Zukunft entgegen. Foto: Ronald Rinklef
Er ist einer von vielen, die sich mit dem in Frage stehenden Abbruch von hunderten intakten Wohnungen auf dem US-Gelände nicht abfinden wollen und ebenso wenig auf unsichere Versprechungen der Stadtverwaltung. "Wann geht`s los und wo kann man unterschreiben?", sagt der Bamberger, der sich auf infranken "Ambros" nennt. Anlass war unser Bericht über Stadtrat Norbert Tscherner (BBB), der sich überlegt, wieder einmal auf die Straße zu gehen - um Unterschriften zu sammeln.

Was ist der Grund dafür, dass es offenbar so schwer ist, dringend benötigten Wohnraum in die Stadt zu integrieren? Als Hindernisse wurden mehrfach mögliche Altlasten, Preissteigerungen für die Stadt als Käuferin der Gesamtfläche und die Auswirkungen auf dem Wohnungsmarkt in der Stadt, aber auch im Landkreis genannt. Auch die hohen Kosten eines vorübergehenden Unterhalts der Wohnungen sind ein Hindernis.
Ob es die Abbruchgegner aufhält?

Denn es ist nicht nur der Bürger-Block, der sich gegen die "drohende Vernichtung von Volksvermögen" ins Zeug legt. Auch andere maßgebliche Stadträte und Fraktionen liebäugeln mit dem plebiszitären Druckmittel und der Möglichkeit, die Bürger in einer Frage entscheiden zu lassen, die der Stadtrat trotz der hitzigen öffentlichen Debatte bisher nicht geklärt hat.

Dabei ist den Beteiligten, von Tscherner bis zu Dieter Weinsheimer (FW) und Peter Gack (GAL), klar, dass es wesentlich auf die Frage ankommt, die zum Thema eines Bürgerentscheids werden könnte. Etwa: Sind sie dafür, dass alles versucht wird, den intakten Wohnraum auf dem Kasernengelände zu erhalten?

Oder bezogen auf das Bebauungsplanverfahren: Sind Sie Sie dafür, dass der intakte Wohnraum planerisch gesichert wird? Selbst die Komplett-Übernahme der Wohnungen durch die Stadtbau könnte die Bürgermehrheit beschließen, selbst wenn Zweifel bestehen, ob diese Vorfestlegung klug wäre.

Doch auch auf konventionellem Weg könnte noch ein Kurswechsel stattfinden. Ursula Sowa (GAL) fordert den Stadtrat auf, in einer Resolution klar für den Erhalt aller intakten Wohnungen zu stimmen, für die Nachfrage bestehe und unter der Voraussetzung, dass Wohnen und Arbeiten kreativ miteinander verbunden werden. Sie glaubt fest daran, dass ein attraktives Angebot auch 10.000 Menschen nach Bamberg ziehen könne.

Dieter Weinsheimer von den Freien Wählern fordert den Erhalt von möglichst vielen Wohnungen - über das Feigenblatt von 100 Einheiten der Pines-Area hinaus und auch in der umstrittenen Flynn-Area an der Pödeldorfer Straße. Auch die 220 Wohnungen am Lindenanger müssten gesichert werden, sagt Weinsheimer - was sie trotz Anträgen und Forderungen von Freien Wählern und SPD offenbar noch nicht sind. Weinsheimer verweist auf den Schweinfurter OB, der in der Konversion klar Flagge gezeigt habe. In Schweinfurt werde dafür gesorgt, dass die Kasernenwohnungen auf den Markt kämen.
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