Bamberg
Fußball-WM

Wer guckt - in die Röhre?

Welche Arbeitgeber im Raum Bamberg ermöglichen es ihren Mitarbeitern, das Spiel der deutschen Elf gegen Südkorea zu sehen? Ein Überblick.
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Mitfiebern ist angesagt: Arbeitnehmer müssen im Raum Bamberg meist auf ihre Überstunden und Urlaubstage bauen, um das Spiel der deutschen Elf verfolgen zu können. Foto: Schanz
Mitfiebern ist angesagt: Arbeitnehmer müssen im Raum Bamberg meist auf ihre Überstunden und Urlaubstage bauen, um das Spiel der deutschen Elf verfolgen zu können. Foto: Schanz
Es gibt auch ein Leben neben dem Fußball. Das wird am Mittwoch vielen Arbeitnehmern schmerzlich bewusst, wenn die deutsche Elf bei der Weltmeisterschaft gegen Südkorea antritt. 16 Uhr: Nicht gerade die beste Sendezeit für Otto Normalbürger mit seinen Büro- und Schichtzeiten. Ermöglichen die Bamberger Arbeitgeber ihren Mitarbeitern das WM-Erlebnis? Wir haben uns umgehört.
Das Oberlandesgericht, immerhin höchste juristische Instanz im Freistaat, steht auch beim Thema Fußball über den Dingen. "An der Terminierung der Verhandlungen wurde nichts geändert, alles muss ganz normal weiterlaufen", berichtet Pressesprecher und Richter Bernd Weigel. Jedem der 622 Mitarbeiter in den Bamberger Justizbehörden stehe es frei, sich für das Spiel Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzubauen. Streaming am Arbeits-PC ist untersagt. "Die Arbeit für den Bürger geht über alles", so der Richter.

Unbeeindruckt von so weltlichen Dingen wie Fußball arbeiten auch die Mitarbeiter im Erzbischöflichen Ordinariat weiter. "Natürlich kann jeder früher Feierabend zu machen", sagt Pressesprecher Harry Luck. Ein Public-Viewing gibt es nicht. Selbst der Chef hat andere Verpflichtungen: "Der Erzbischof ist ein großer Fußballfan und schaut die WM-Spiele, wenn es seine Zeit erlaubt. Am Mittwoch jedoch hat er während des Spiels Termine und Gespräche, so dass er das Spiel leider nicht live anschauen kann", so der Sprecher.
Wie sieht es bei den großen Firmen aus? "Es wird kein Bosch-Viewing geben", antwortet Sonja Dreßel, Pressesprecherin bei Bambergs größtem Arbeitgeber mit 7700 Beschäftigten am Standort. Ab dem Achtelfinale soll es für die Beschäftigten aber Möglichkeiten geben, die Spiele zu verfolgen.
Erfolgsorientiert denkt man auch bei Schaeffler in Hirschaid: "Den Mitarbeitern wird ab dem Erreichen des Viertelfinals die Möglichkeit gegeben, die Spiele der deutschen Nationalmannschaft zu sehen", berichtet Unternehmenssprecherin Antje Müller. "Das Vorrundenspiel gegen Südkorea und ein mögliches Achtelfinalspiel der deutschen Mannschaft können die Mitarbeiter am Radio verfolgen."
Da stellt sich die Frage: Wo sind die Fußballfans in den Chefetagen? Immerhin auf einem kleinen Fernseher in der Cafeteria zeigt die Sparkasse Bamberg ihren Mitarbeitern das Endspiel um Gruppe F. "Ansonsten sind unsere 38 Geschäftsstellen und Beratungscenter zu dezentral, um ein Public-Viewing anzubieten", sagt Pressesprecher Mathias Polz.

Eine Leinwand, Obst und Chips, alkoholfreie Getränke: Die Mediengruppe Oberfranken organisiert für rund 100 Mitarbeiter in einem Tagungsraum eine Übertragung. "Wenn die deutsche Elf weiterkommt und die Spiele in der Arbeitszeit liegen, wollen wir auch diese zeigen", erklärt Unternehmenssprecherin Sarah Ort.
Es geht sogar noch fanfreundlicher: mit Bierausschank! Und nicht nur irgendein Bier, sondern das eigene Landkreisbier "36 Kreisla" wird es geben, wenn im Kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes eine Leinwand aufgebaut wird. "Unser Chef, Landrat Johann Kalb, hat das in der Personalversammlung so angekündigt", berichtet Harald Krug, Leiter des Landratsbüros und inoffizieller "Fußballreferent". Und es ist wie so oft bei Bedarfsanalysen: Ursprünglich hatte er mit 20 bis 25 Leuten gerechnet. Mittlerweile sind 65 angemeldet. "Wahrscheinlich werden es noch mehr", sagt Krug.

1:0 für das Landratsamt, könnte man sagen, denn bei der Stadt Bamberg gibt es keine solchen Pläne. Dennoch haben die Mitarbeiter in der Verwaltung "eine großzügige Handhabung der Zeiteinteilung am Nachmittag", so Sprecherin Ulrike Siebenhaar. Die Sitzung des Stadtrates wurde für das Spiel aber eigens eine Stunde nach vorne verschoben. Beobachter rechnen daher bei den Volksvertretern mit "äußerschter Dischziplin" bei der Sitzungsführung. Langwieriges Nachfragen wird als grobes Foul gewertet.
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